Letztmals vor Olympia sind die deutschen Biathletinnen im Quartett gefordert. In Ruhpolding reicht es nur zu Platz sechs. Der Sieg geht an die Favoritinnen.
Von sid
Ruhpolding - Franziska Preuß winkte fast entschuldigend ins Publikum. Auch der freundliche Applaus der 13 100 Zuschauer und die aufmunternden Worte ihrer Teamkolleginnen konnten die beste deutsche Biathletin kaum trösten. „Ein Tag zum Vergessen“, motzte die Schlussläuferin der Staffel sichtlich bedient. Im packenden Sechskampf ums Podium versagten der Schlussläuferin bei der Olympia-Generalprobe die Nerven, nach einer Strafrunde reichte es beim stimmungsvollen Heimrennen in Ruhpolding lediglich zu Rang sechs.
„Man ist schon sehr enttäuscht, es tut mir wahnsinnig leid. Es war so ein Druck in dem letzten Stehendschießen drin“, haderte Preuß: „Ich wollte die Situation annehmen und mal cool bleiben. Da bin ich aber grad so ein bisschen machtlos, habe innerhalb von Sekunden einen Tonus in den Beinen und kriege den nicht mehr raus.“ Dazu seien die Nachlader derzeit mehr „Gegner“ als „Hilfe“. Sie mache sich da gerade schon „Gedanken“ und fühle sich ein Stück weit „hilflos“.
Bis dahin hatte das deutsche Quartett mit Vanessa Voigt, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und eben Preuß in der letzten Staffel vor Olympia beim Sieg der Norwegerinnen mit der absoluten Weltspitze mithalten können. Das soll als Mutmacher dienen. „Wenn wir alle abliefern, sind wir Kandidaten fürs Podium“, meinte Tannheimer: „Ich denke, da ist was drin.“
Vor dem Rennen wurde es in der Chiemgau Arena bei einer Applaus-Minute für die verstorbenen Laura Dahlmeier und den am Dienstag beerdigten Sivert Guttorm Bakken nochmals sehr emotional. Nach dem Startschuss kämpfte Voigt mutig unter anderem mit der französischen Gesamtweltcupführenden Lou Jeanmonnot um die Spitze, übergab dank zweier fehlerfreier Einlagen auf Tuchfühlung zur Topgruppe.
Tannheimer lief nach ihrem Nachlader liegend wieder auf, übernahm mit einer fehlerfreien Stehendserie die Führung – und wechselte schließlich in einer vierköpfigen Spitzengruppe. Von den Rängen schallte es bereits „oh wie ist das schön“. Doch dann musste VfB-Mitglied Hettich-Walz mit vier Extraschüssen wieder abreißen lassen, ließ für Preuß eine Lücke von 13 Sekunden aufreißen. Die 31-Jährige kam an die Spitze heran, patzte aber dann entscheidend.
Für Preuß sind die Heimrennen im Gegensatz zu vielen Teamkolleginnen noch nicht die letzten Wettkämpfe vor den Winterspielen. Während die meisten Olympiastarter ins Höhentrainingslager fahren werden, plant die Anführerin einen Start beim Weltcup in Nove Mesto (22. bis 25. Januar). „Ich bin ein Fan davon, im Rhythmus zu bleiben“, so die Bayerin.