Georgi M. Unkovski begleitet in seiner Coming-of-Age-Komödie „DJ Ahmet“ die Träume eines 15-jährigen im nordmazedonischen Hinterland.
Geschwisterliebe: Ahmet (Arif Jakup, rechts) und sein kleiner Bruder Naim (Agush Agushev, links) gehen gemeinsam durch dick und dünn.
Von Kathrin Horster
Die nächste Disco ist meilenweit entfernt, von Glasfaseranschluss und Highspeed-Wlan können die Teenies im nordmazedonischen Hinterland nur träumen. Ahmet (Arif Jakup), 15 Jahre alt, denkt trotzdem groß. Sein Ziel: eines Tages ein berühmter DJ werden! Die Realität macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Anstatt in die Schule zu gehen, langweilt sich Ahmet beim Hüten der Schafe seines Vaters (Aksel Mehmet), weil der Ahmets kleinen Bruder Naim (Agush Agushev) täglich zu einem Wunderheiler karrt. Seit dem Tod der Mutter ist der 7-jährige Naim stumm, den Versuchen des Heilers, ihm ein paar Worte abzuringen, hält er trotzig stand.
Schafe, Traurigkeit und strenge Erziehung
Ein westliches Publikum mag der arbeitsintensive, wenig abwechslungsreiche Alltag einer nordmazedonischen Familie von Schafhirten in Georgi M. Unkovskis Kino-Debüt „DJ Ahmet“ befremden. Trotzdem wirken viele Motive der überdurchschnittlich empathischen Coming-of-Age-Geschichte vertraut, nur eben nicht wie zigmal durchgekaut.
Ahmets Familie gehört zur türkisch-muslimischen Minderheit im Land, die sozialen Regeln sind streng. Dass sein Sohn Technomusik liebt, ist Ahmets Vater ein Tinnitus im Ohr. Die sich anbahnende Romanze zwischen Ahmet und dem aus dem fernen Deutschland angereisten Nachbarsmädchen Aya (Dora Akan Zlatanova), das einen Mann aus dem Dorf heiraten soll, würgt er ab. Doch Ahmet widersetzt sich den Regeln des Vaters, versteckt eine alte Musikanlage seiner Mutter in der Scheune und baut den Traktor zur mobilen Boombox um, mit der er Ayas Proben für einen Tanzwettbewerb beschallt. Dass die Versuche der Teenager, sich abseits der Stadt und mit einfachsten Mitteln Freiräume zu verschaffen, bei den Eltern auf entschlossenen Widerstand stoßen, kann man sich denken. Georgi M. Unkovski führt aber nicht die Grausamkeit der patriarchalisch-muslimischen Landbevölkerung Mazedoniens als saures Betroffenheitskino vor, sondern erzählt mit herzlicher Komik vom Aufwachsen unter erschwerten Bedingungen.
So verliert der von Ayas Schönheit träumende Ahmet seine Schafherde beim Rave auf dem Dorfacker und jagt als Running Gag einem besonders eigenwilligen Ausreißer mit rosa Fell hinter her. Wie Ahmet mit dem störrischen Tier kämpft, so kämpft der technisch unbedarfte Imam des Dorfes mit dem digitalen Muezzin auf seinem Windowsrechner – beides sorgt immer wieder für Lacher.
Kultureller Hintergrund hebt den Film ab
Liebevoll betrachtet Unkovski auch das Verhältnis der Brüder und deren Fluchten in die Musik. Den Vater porträtiert er als mit Trauer und Erziehung überforderten Mann, der sich an rigorosen Regeln durch den Alltag hangelt, weil er ohne sie nicht weiter weiß. Der kulturelle Hintergrund von „DJ Ahmet“ hebt den Film zwar aus der Masse ähnlicher Coming-of-Age-Erzählungen ab, schrägen Exotismus liefert er trotzdem nicht. Dafür die universell gültige Erkenntnis, dass Pubertät und Elternschaft für beide Seiten gleichermaßen schwierige Aggregatszustände sind.
DJ Ahmet. Nordmazedonien 2026. Regie: Georgi M. Unkovski. Mit Arif Jakup, Dora Akan Zlatanova. 99 Minuten. Ab 12 Jahren.