Tee, Lamm und Gebete: In Berlins Moscheen feiern Muslime das Opferfest – und wenden sich dabei mit Aktionen und Geschenken nicht nur an ihre eigene Gemeinde.
Gläubige umarmen sich bei den Feierlichkeiten zum Opferfest Eid al-Adha in der Khadija Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat Berlin.
Von red/dpa/bb
Mit Gottesdiensten und Familienfesten feiern Hunderttausende Muslime in Deutschland das Opferfest. „Eid al-Adha“ gehört zu den wichtigsten religiösen Feiertagen der Muslime weltweit, findet alljährlich während der Pilgerfahrt Hadsch nach Mekka statt und ist traditionell der Solidarität mit den Mitmenschen gewidmet.
In der Khadija Moschee in Pankow, der einzigen Moschee mit Kuppel und Minarett im Osten Berlins, versammelten sich am Morgen rund 500 Gläubige verschiedenster Nationen. Zum Auftakt sprachen sie ein spezielles Gebet, das an dem hohen Feiertag auf der ganzen Welt wortgleich zelebriert wird. Dann hielt Imam Sheraz Rana eine Predigt – auf Deutsch und Urdu, einer vor allem in Pakistan und Indien verbreiteten Sprache.
Kriege als Thema
Der Geistliche forderte die Gläubigen auf, in ihre Gebete auch die Opfer von Kriegen und Konflikten auf der ganzen Welt einzubeziehen. „Das Unrecht nimmt Tag für Tag zu“, beklagte er. Es mache selbst vor Kindern nicht halt.
Kriege und Konflikte wie im Gaza-Streifen, im Libanon, im Sudan oder in Afghanistan seien bei vielen Muslimen in Berlin gerade zum Opferfest „sehr präsent“, sagte der zweite Imam Scharjil Khalid der Deutschen Presse-Agentur. Viele hätten selbst eine Fluchtgeschichte oder Verwandte vor Ort.
Gemeinschaft und gutes Essen
Trotzdem stehen beim Opferfest das Feiern und die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Nach dem Gottesdienst in der Khadija Moschee, den Männer und Frauen wie im Islam üblich getrennt feierten, umarmten sich die teils festlich gekleideten Gläubigen und wünschsten sich gegenseitig „Eid Mubarak“. Am Feiertag ist es auch außerhalb der Moschee Brauch, möglichst viele Menschen zu umarmen.
Dann gab es Tee und Brot, später ein großes, von Freiwilligen zubereitetes Festmahl mit Hühner- und Lammfleisch. Am Nachmittag wollten die Menschen einer aus London übertragenen Ansprache des Kalifen der Ahmadiyya Gemeinschaft lauschen, die die Berliner Moschee betreibt.
Teilen als wichtiges Anliegen
„Traditionell stehen das Teilen und das Mitgefühl mit anderen Menschen im Mittelpunkt des Opferfestes“, erläuterte Imam Khalid und zitierte ein Sprichwort: „Das Fleisch wird durch drei geteilt: Ein Teil für die Familie, ein Teil für Freunde und Nachbarn und ein Teil für Arme und Bedürftige.“
Und so teilt auch die rund 700 Mitglieder umfassende Pankower Gemeinde. „Wir gehen zu unseren Nachbarn und verteilen kleine Geschenke“, schilderte Khalid. Am Abend verteilen Freiwillige dann auf dem Alexanderplatz bis zu 200 Portionen warmen Curryreis und Getränke an Obdachlose oder andere bedürftige Menschen.
Viele Muslime leben in Berlin
In Berlin leben schätzungsweise etwa 400.000 Muslime, genaue Erhebungen dazu gibt es nicht. Sie stellen damit etwa zehn Prozent der Bevölkerung und sind die zweitgrößte religiöse Gruppe nach den Christen. Knapp 100 islamische Gebetshäuser gibt es in der Stadt, darunter sechs Moscheen mit Kuppel und Minarett.