430.000 Jahre alt

Tübinger Archäologen finden die bisher ältesten Holzwerkzeuge

In Griechenland haben Archäologen die ältesten Holzwerkzeuge der Welt entdeckt. Die rund 430.000 Jahre alten Holzutensilien belegen, dass Frühmenschen damals neben Steinen und Knochen auch Holz als Werkstoff einsetzten.

Tübinger Archäologen finden die bisher ältesten Holzwerkzeuge

Verschiedene Ansichten des kleinen Holzwerkzeugs aus Weidenholz.

Von Markus Brauer

Ob für Waffen, Werkzeuge oder Behausungen: Holz war für Menschen schon immer ein wichtiger Werkstoff. Wann unsere Vorfahren damit begannen, Stöcke und Stämme für ihre Zwecke zu bearbeiten, ist bislang unklar. Denn nur wenige prähistorische Holzobjekte haben die Zeit überdauert.

 Zu den ältesten Funden gehören 300.000 Jahre alte Holzspeere und Wurfstöcke aus Schöningen in Niedersachsen sowie rund 390.000 Jahre alte Holzwerkzeuge und eine noch ältere Konstruktion aus Holzstämmen aus Sambia.

Fundstätte Marathousa 1 in Griechenland

Jetzt haben Archäologen um Annemieke Milks von der University of Reading noch ältere Holzwerkzeuge gefunden. Die von Menschen hergestellten und mit ihrer Hände Arbeit genutzten Artefakte, stammen aus der Fundstätte Marathousa 1 in der Region Megalopolis im zentralen Peloponnes in Griechenland. Der Datierung zufolge sind sie rund 430.000 Jahre alt.

Die Funde beschreibt ein internationales Forschungsteam aus Deutschland, Großbritannien und Griechenland unter der gemeinsamen Leitung von Katerina Harvati vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Annemieke Milks von der Universität Reading in einer Studie, die nun in der Fachzeitschrift „PNAS“ veröffentlicht wurde.

A mining operation in southern Greece unearthed tools made from wood almost a half million years ago.https://t.co/HvSbFAk97W — Science News (@ScienceNews) January 26, 2026

Älteste jemals gefundene Holzwerkzeuge

Das Forscherteam entdeckte zwei von Menschen hergestellte und gebrauchte Werkzeuge aus Erlenholz beziehungsweise Weiden- oder Pappelholz aus dem Mittelpleistozän bei der systematischen Untersuchung von hölzernen Fundstücken aus Marathousa 1.

Diese Objekte sind die ältesten jemals gefundenen Holzwerkzeuge, die den Nachweis des Werkzeuggebrauchs dieses Typs um mindestens 40.000 Jahre weiter in die Vergangenheit zurückschieben.

Die Fundstelle Marathousa 1 wurde erst vor etwas mehr als zehn Jahren entdeckt. Ausgrabungen brachten dort einige der ältesten bekannten von Menschen bearbeiteten Funde Griechenlands zutage. Der Ort wurde von frühen Menschen vor rund 430.000 Jahren während des Mittelpleistozäns genutzt.

Funde von Steinwerkzeugen und Überresten eines zerlegten Ur-Elefanten sowie anderer Tiere weisen die Fundstelle als früheren Schlachtplatz aus, der damals am Ufer eines Sees lag.

Gezielte technologische Nutzung

„Das Mittelpleistozän – die Periode von vor rund 774.000 bis 129.000 Jahren – war eine kritische Phase der menschlichen Evolution, in der sich komplexere Verhaltensweisen entwickelten. Aus diesem Zeitraum stammen auch die frühesten sicheren Belege für die gezielte technologische Nutzung von Pflanzen“, berichtet die Paläoanthropologin Katerina Harvati, die das Forschungsprogramm Marathousa 1 leitet.

Nachdem bearbeitete Steine und Knochen von Marathousa 1 bereits auf das Geschick und die vielfältigen Tätigkeiten einst dort lebender Menschen hindeuteten, untersuchten die Forscher auch die Holzfunde genauer. „Anders als Steine überdauern hölzerne Gegenstände nur unter besonders günstigen Umständen über lange Zeiträume“, sagt Annemieke Milks.

„Daher untersuchten wir sie systematisch in Form und Gestalt wie auch mikroskopisch. Wir bestimmten die Holzart und konnten Spuren identifizieren, die Menschen bei der Bearbeitung des Holzes hinterlassen hatten, zum Beispiel beim Schneiden oder Schnitzen.“

Akribische Untersuchung der Spuren

Zwei Holzfundstücke konnten die Archäologen sicher als von Menschen bearbeitet zuordnen:

Der Mensch als Baumeister

„Die bisher ältesten bearbeiteten Hölzer, die sicher als Werkzeuge bei Menschen zum Einsatz kamen, stammten unter anderem aus Großbritannien, Sambia, Deutschland und China, darunter waren Waffen, Grabstöcke und Werkzeuggriffe. Sie waren aber alle deutlich jünger als unsere Funde aus Marathousa 1“, erläutert Annemieke Milks.

Es gebe nur einen älteren Beleg der Holznutzung durch Menschen aus der Fundstätte Kalambo Falls in Sambia. Dort sei das Holz vor rund 476.000 Jahren jedoch nicht als Werkzeug, sondern als Strukturmaterial verwendet worden.

„Wir haben die bisher ältesten hölzernen Handwerkzeuge der Menschheit entdeckt sowie auch den ersten Nachweis dieser Art aus Südosteuropa“, fasst Harvati die Ergebnisse zusammen. „Einmal mehr hat sich gezeigt, wie außerordentlich gut die Erhaltungsbedingungen an der Fundstelle Marathousa 1 sind. Dass neben dem Menschen auch große fleischfressende Tiere ihre Spuren im Umfeld des zerlegten Ur-Elefanten hinterlassen haben, deutet auf eine harte Konkurrenz zwischen beiden hin.“

An dem Team waren Forscherinnen und Forscher der Aristoteles-Universität Thessaloniki, der Universität Ioannina, des griechischen Kulturministeriums und der American School of Classical Studies at Athens beteiligt.