Der nachnominierte Assan Ouédraogo von RB Leipzig führt sich vor dem WM-Start gut ein.
Von Carlos Ubina
Winston-Salem - Assan Ouédraogo hat es gleich mal telefonisch bei seiner Mutter versucht. Nicht erreicht. Als Nächstes probierte er es bei seinem Vater, einem ehemaligen Nationalspieler von Burkina Faso. Aber auch der Senior nahm den Anruf nicht entgegen. Also rief der 20-Jährige seine Schwester an, um die gute Nachricht zu verkünden. „Sie hat es erst gar nicht geglaubt“, sagt der Fußballprofi von RB Leipzig. Er konnte es selbst kaum fassen, dass ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann aus dem Spanien-Urlaub gerissen hatte („Ich war mit meinen Jungs so unfassbar am Chillen“), um ihn für die WM in Nordamerika nachzunominieren.
Also ging es für Ouédraogo von Marbella nach Hause, „Fußballschuhe holen, den Rest hatte ich schon dabei“ – und ab in den Flieger Richtung USA. Zuvor hatte Nagelsmann aber noch eine Frage an den Mittelfeldspieler: „Ob ich betrunken sei? Aber ich trinke so oder so nicht“, erzählt das Talent von seinem Glücksmoment.
In Winston-Salem gehört Ouédraogo nun zum Kader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und überzeugte bei einer Pressekonferenz mit seinem Clubkollegen David Raum durch einen sympathischen und humorvollen Auftritt. Dabei gilt Ouédraogo eigentlich als eher ruhiger Typ. Als „sehr zurückhaltend und mit guten Manieren“ beschreibt ihn Raum. Auf dem Gelände der Wake Forest University präsentierte sich der Jung-Nationalspieler (Debüt im November 2025 mit einem Treffer beim 6:0 gegen die Slowakei) jedoch so frisch und frei wie auf dem Platz. „So ein bisschen Freestyle“, sagt die Offensivkraft über ihre Spielweise.
Das sind Qualitäten, die Nagelsmann bewogen haben, Ouédraogo dem Kölner Said El Mala oder Chris Führich vom VfB Stuttgart vorzuziehen. Zwar weisen beide bessere Bundesliga-Statistiken auf, doch nach der Verletzung von Lennart Karl suchte der Bundestrainer erneut einen jungen, flexibel einsetzbaren Spieler.
Ouédraogo hat 2026 zwar nur einen Ligatreffer erzielt, kämpfte aber lange mit Verletzungen. Erst setzte ihn eine Sehnenverletzung in der Kniekehle außer Gefecht, kurz nach seinem Comeback folgte die nächste Zwangspause. „Da war ich echt down, denn die zweite Verletzung war noch viel härter als die erste.“ Rechtzeitig kehrte Ouédraogo zurück und profitierte schließlich von Karls Ausfall mit einem Muskelbündelriss. Mit dem ebenfalls hoch veranlagten Offensivspieler hat er bislang weder bei der U 21 noch im A-Team zusammengespielt. Jetzt ist Ouédraogo da und die gemeinsame Zeit im Nationaltrikot wird wohl noch kommen – nach dem plötzlichen WM-Abenteuer.