Erst wollte niemand das Amt – dann gab es 36 Bewerber. Ein Bürgermeister im Rhein-Neckar-Kreis macht nach einem kuriosen Votum doch weiter.
Für den Ruhestand war schon alles vorbereitet, jetzt macht Thorsten Weber doch weiter.
Von Eberhard Wein
Thorsten Weber ist noch ganz gerührt. Am Sonntag haben ihn die Wähler von Limbach mit fast 95 Prozent als Bürgermeister bestätigt. Das ist durchaus bemerkenswert, denn Weber stand überhaupt nicht auf dem Stimmzettel. Eigentlich hatte der 60-Jährige schon mit dem Amt abgeschlossen. Acht Jahre leitete er die Geschicke der 4500 Einwohner großen Gemeinde am Rande des Odenwaldes im Rhein-Neckar-Kreis, davor war er Beigeordneter in der Stadt Buchen. Es sei wie ein Hamsterrad – zu viel Frust, zu viel Bürokratie, fand Weber. Es reiche, habe er im vergangenen Jahr zusammen mit seiner Familie deshalb beschlossen.
Doch dann ergab sich ein Problem: zunächst wollte auch kein anderer das Amt haben. Obwohl der 7000-Euro-Job (zuzüglich Zuschlägen) ordentlich im Staatsanzeiger ausgeschrieben wurde, meldete sich niemand. Warum seine Gemeinde zum Ladenhüter wurde, kann Weber auch nicht recht erklären. Vielleicht liege es an der geringen Größe mit sieben Ortsteilen, die den Dienstaufwand natürlich erhöhen. Vielleicht an der etwas höheren Verschuldung, die die Gestaltungsfreiheit einschränke. Andererseits gelte das auch für viele andere Gemeinden.
Erst als die Bewerbungsfrist abgelaufen war und die Presse über das Kuriosum berichtete, ging es im Limbacher Rathaus zu wie in einem Taubenschlag. „Fast täglich meldeten sich Interessenten“, sagt Weber. „Manche schickten sogar ihre Lebensläufe.“ 36 Bewerber hätte man auf den Stimmzettel drucken können, wenn es dafür nicht schon zu spät gewesen wäre.
Dem Gemeinderat wurde es angst und bange
Nicht alle meinten es ernst, fünf betrieben aber sogar Wahlkampf: ein Lehrer, ein Polizist, ein Gärtner, ein Physiotherapeut warben auf Social Media, zwei verteilten auch Prospekte. Eine Kommunalpolitikerin aus Hessen, von Beruf Tagesmutter, schaltete sogar kurz vor der Wahl noch eine Anzeige im Mitteilungsblatt.
Weil aber keine Verwaltungsfachleute darunter waren, wurde es dem Gemeinderat angst und bange. Kurzfristig startete er eine Kampagne, um den Amtsinhaber vielleicht doch umzustimmen. Die Bürger zogen mit. Bei der „wilden Wahl“ mit leerem Stimmzettel, bei der jeder jeden ins Kästchen eintragen und damit wählen kann, siegte Weber eindrucksvoll. „Das Ergebnis ist ja traumhaft“, gibt er zu und macht jetzt weiter. Hamsterrad hin oder her. Da kann selbst er nicht mehr Nein sagen.