Die Verdi-Streiks Anfang nächster Woche an den vier Unikliniken im Südwesten schlagen hohe Wellen. Der Arbeitgeberverband fordert von der Gewerkschaft, die Aktionen abzublasen.
Für Montag und Dienstag sind Kundgebungen und Streikaktionen an allen vier Uniklinik-Standorten im Land geplant (hier ein Foto einer früheren Aktion).
Von Matthias Schiermeyer
Mit scharfer Kritik an der Gewerkschaft Verdi wenden sich die vier Unikliniken im Land gegen die geplanten Warnstreiks am Montag und Dienstag. Die jeweils zweitägigen Arbeitsniederlegungen in Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm seien „unverständlich und unverhältnismäßig“.
Stichelei mit der Gewerkschaftskonkurrenz
In einem Brief an Verdi-Verhandlungsführer Jakob Becker fordert der Vorstand des Arbeitgeberverbands, Udo X. Kaisers, „insbesondere im Interesse der von Warnstreiks betroffenen Patienten und Patientinnen, diese völlig überzogene Aktivität unmittelbar vor der nächsten Tarifverhandlungsrunde abzusagen“. Der Marburger Bund „zeigt hier ein anderes Bewusstsein“, lobt der Vorstandschef des Universitätsklinikums Ulm hingegen die Gewerkschaftskonkurrenz – denn die Ärztegewerkschaft habe in der gerade abgeschlossenen Tarifrunde mit den Ländern keinen Warnstreik durchgeführt.
Am 17. Juni steht die zweite Verhandlungsrunde an. Dass die Uniklinik-Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt haben, wie von Verdi beklagt, begründet Kaisers mit den unklaren Auswirkungen der Bundesgesetzgebung. Für Mittwoch sei ein konkretes Angebot aber „ausdrücklich zugesagt“ worden.
Verdi fordert 7,5 Prozent, mindestens 320 Euro mehr im Monat, für die Beschäftigten. Allein für das Uniklinikum Tübingen würde die Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen 40 Millionen Euro kosten, heißt es. Das Jahresergebnis für 2026 werde jedoch mit minus zehn Millionen prognostiziert. Zudem würden infolge der Gesetzgebung zu den Krankenversicherungen weitere 20 Millionen Euro im Uniklinikum-Budget fehlen.
Während des Streiks sei die Notfallversorgung gesichert, heißt es beiderseits. Verdi zufolge müssen „voraussichtlich zahlreiche OP-Säle geschlossen bleiben, auch mit Bettenschließungen ist zu rechnen“.