Pentagon verlegt USS Abraham Lincoln vom Südchinesischen Meer an den Golf, Iran sperrt Luftraum für kommerzielle Flüge – doch rhetorisch scheint sich die Lage etwas zu entspannen.
Eine Trägergruppe um die USS Abraham Lincoln wird nach Nahost verlegt.
Von Michael Maier
Das Pentagon hat die Verlegung einer Trägergruppe vom Südchinesischen Meer in das Verantwortungsgebiet des US-Zentralkommandos (CENTCOM) angeordnet. Diese Region umfasst den Nahen Osten, der Transfer wird voraussichtlich etwa eine Woche benötigen.
Laut Berichten von NewsNation handelt es sich bei dem betroffenen Flugzeugträger um die USS Abraham Lincoln. Eine Trägergruppe besteht aus einem Flugzeugträger als Zentrum der Formation, umgeben von verschiedenen anderen Schiffen, darunter mindestens ein Angriffs-U-Boot.
Sznarien für Krieg im Iran
Diese Verlagerung amerikanischer Militärkapazitäten erfolgt vor dem Hintergrund der Unruhen im Iran und einer möglichen „Unterstützung“ für Demonstranten durch die USA. Die Strategie der USA ist dabei allerdings wieder einmal alles andere als klar.
Es gibt verschiedene Szenarien von Cyber-Attacken bis hin zu Angriffen auf iranische Revolutionsgarden oder einem größeren regionalen Krieg mit Zerstörung des iranischen Raketenarsenals. Einige Beobachter halten einen „Mittelweg“ für wahrscheinlich, falls sich dabei überhaupt das Eskalationsrisiko begrenzen ließe.
Viele Kapazitäten der USA sind aktuell jedoch noch vor Venezuela gebunden, der Bogen für die Weltmacht und ihren Anführer Donald Trump, der angeblich sogar Grönland „erobern“ will und bislang nicht einmal einen Frieden in der Ukraine bewerkstelligt, könnte somit etwas überspannt sein.
Iran schließt Luftraum
Parallel dazu hat der Iran am frühen Donnerstagmorgen seinen Luftraum für kommerzielle Flüge für mehr als vier Stunden geschlossen. Die Sperrung wirkte sich sofort auf die globale Luftfahrt aus, da der Iran auf einer Ost-West-Route für Fluggesellschaften liegt.
Internationale Carrier mussten nördlich und südlich um den Iran herumgeleitet werden. Der Iran hatte seinen Luftraum bereits während des 12-tägigen Krieges gegen Israel im Juni und während des Schlagabtauschs mit Israel im Rahmen der Auseinandersetzungen mit der Hamas geschlossen.
Die Website SafeAirspace, die Informationen über Konfliktgebiete und Flugreisen bereitstellt, warnte: „Mehrere Fluggesellschaften haben bereits ihre Dienste reduziert oder ausgesetzt, und die meisten Carrier meiden den iranischen Luftraum. Die Situation könnte auf weitere Sicherheits- oder Militäraktivitäten hindeuten, einschließlich des Risikos von Raketenabschüssen oder verstärkter Luftabwehr.“
Evakuierung von US-Basis in Katar
Gleichzeitig wurden militärische und zivile Mitarbeiter von der US-Basis Al-Udeid in Katar ausgeflogen. Die US-Botschaft in Kuwait ordnete außerdem an, dass ihr Personal „vorübergehend“ keine Militärstützpunkte in dem kleinen Golfstaat besuchen darf.
Präsident Donald Trump machte eine Reihe vager Aussagen, die unklar ließen, welche amerikanischen Maßnahmen, wenn überhaupt, gegen den Iran ergriffen werden könnten. In Kommentaren gegenüber Reportern sagte Trump, ihm sei mitgeteilt worden, dass Pläne für Hinrichtungen im Iran gestoppt wurden, ohne Details zu nennen.
Will der Iran Verhandlungen oder Hinrichtungen?
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bemühte sich ebenfalls, die Rhetorik zu dämpfen, und forderte die USA auf, eine Lösung durch Verhandlungen zu suchen. Die Änderung des Tons durch die USA und den Iran kam Stunden nachdem der Chef der iranischen Justiz erklärt hatte, die Regierung müsse schnell handeln, um die Tausenden zu bestrafen, die festgenommen wurden.
Erinnerungen an islamische Revolution 1979
Aktivisten warnten, dass Hinrichtungen von Inhaftierten womöglich bald stattfinden könnten. Die Zahl der Toten durch das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Demonstrationen beträgt laut der in den USA ansässigen Human Rights Activists News Agency mindestens 2.615.
Diese Zahl übertrifft die jeder anderen Runde von Protesten oder Unruhen im Iran seit Jahrzehnten und erinnert an das Chaos rund um die Islamische Revolution im Jahr 1979. Tausende Menschen versuchen derzeit verzweifelt, aus dem Iran zu entkommen. Viele nehmen dabei den Weg über die Türkei. Der UN-Sicherheitsrat hat auf Antrag der Vereinigten Staaten eine Dringlichkeitssitzung zum Iran für Donnerstagnachmittag anberaumt.