2022 begann beim VfB Stuttgart das Projekt Frauenfußball in der Oberliga. Vier Jahre später ist der Club am Ziel: Die Frauen sind in der Bundesliga angekommen.
Von Dirk Preiß
Stuttgart - Zweifel hatte es im Grunde schon vor dem Anpfiff am Sonntagnachmittag keine mehr gegeben. Um kurz vor 16 Uhr herrschte dann aber endgültig Gewissheit. Die Frauenmannschaft des VfB Stuttgart hat durch den Sieg gegen den VfL Wolfsburg II die Meisterschaft geholt und den Sprung in die Bundesliga perfekt gemacht. 4:1 (Tore durch Fabienne Dongus, Julia Glaser, Nicole Billa, Dafina Redzepi) hieß es am Ende – und als der Abpfiff ertönt war, stürmten die Ersatzspielerinnen aufs Spielfeld. Dort wurde ausgelassen gejubelt, getanzt, sich umarmt. Die 1600 Zuschauer feierten die Mannschaft. Und am Rande beobachtete die Vereins- und AG-Führung des VfB um den Vorstandschef Alexander Wehrle zufrieden das vergnügliche Geschehen.
Schließlich hat der VfB nun im Eiltempo erreicht, was vor Jahren als langfristiges Ziel ausgegeben worden war: den Aufstieg in die Bundesliga, wo sich die Stuttgarterinnen in der kommenden Saison mit den Branchenriesen von dem FC Bayern oder dem VfL Wolfsburg messen werden. „Stuttgart“, sagte Fabian Wohlgemuth, der als Sportvorstand auch für den weiblichen Top-Bereich zuständig ist, „ist ein Ort geworden, an dem inzwischen nicht nur der männliche Fußball Maßstäbe setzt. Erstklassigkeit im Fußball ist in Stuttgart ab sofort keine Männerdomäne mehr.“
Tatsächlich war es ein historischer Aufstieg, den die Abteilung Frauenfußball beim VfB hingelegt hat. 2021 wurde die Sparte gegründet und die Kooperation mit dem VfB Obertürkheim beschlossen. Der sportliche Start geriet dann noch etwas holprig. Im Frühsommer 2022 stieg der VfB Obertürkheim noch in die Oberliga ab. Im ersten Jahr im Zeichen des Brustrings misslang dann der Wiederaufstieg – auch, weil sich zahlreiche Spielerinnen schwer verletzt hatten.
Erstmals hoch ging es dann ein Jahr später, da war das Team bereits in ersten Schritten professionalisiert worden. Durch den Manager Sascha Glass und die Stürmerin Jana Beuschlein. Es folgten weitere hochkarätige Verpflichtungen, der Durchmarsch in die zweite Liga und eine stete Anhebung der Qualität im Kader. Auch in der zweiten Liga galt der Durchmarsch schnell als Ziel.
Das schien kurzzeitig in Gefahr, als die VfB-Frauen im Frühjahr spielerisch nicht mehr überzeugten und ausgerechnet das Highlight-Spiel in der MHP-Arena in den Sand setzten. Vor über 30 000 Zuschauern gab es ein 2:4 gegen den 1. FSV Mainz 05 – danach entschied sich der Club für einen neuen Impuls im Saisonendspurt. Der Trainer Heiko Gerber musste gehen, vom SC Freiburg kam Nico Schneck, der die Mission nun erfolgreich ins Ziel führte. „Die Mannschaft war bereit, mitten in der Saison noch einmal neue Inhalte aufzunehmen“, lobte der Coach sein Team für die Arbeit der vergangenen Wochen seit Ende März.
„Das, was unser Frauenteam und alle Verantwortlichen drum herum in den vergangenen Jahren geleistet haben, ist nichts anderes als ein waschechter Gipfelsturm“, sagte Fabian Wohlgemuth und betonte: „Der Aufstieg unseres Frauenteams in die Bundesliga ist ein großartiger Erfolg für den VfB und gleichzeitig ein wichtiges Signal für den Frauen- und Mädchenfußball in der gesamten Region. Dieser Erfolg, wird unseren gesamten Club stärken, wird uns kompletter und attraktiver machen.“
Die Planungen für die erste Liga laufen seit Monaten auf Hochtouren. Gespielt wird dann voraussichtlich im Gazi-Stadion auf der Waldau, nachdem zuletzt das Gelände des PSV Stuttgart Heimstätte gewesen ist.
Ebenfalls am Sonntag hat dann auch die zweite Mannschaft den Sprung nach oben perfekt gemacht und spielt künftig in der Oberliga. Dort also, wo das Projekt Frauenfußball beim VfB Stuttgart vor vier Jahren begonnen hat.