VfB reagiert auf selbstbewusste Ansage von Eberl

Die Stuttgarter wollen die favorisierten Bayern im Finale um den DFB-Pokal ärgern – und auch den Sportvorstand der Münchner widerlegen.

Von David Scheu

Stuttgart - Noch sind es knapp zwei Wochen bis zum Pokalfinale im Olympiastadion – natürlich aber wirft das Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem FC Bayern am 23. Mai schon längst seine Schatten voraus. Etwa beim traditionellen Pokal-Handover am Montag, bei dem die Trophäe im Roten Rathaus symbolisch bis zum Tag des Endspiels an die Stadt Berlin überging. Und, natürlich, durfte zu diesem Anlass auch der Ausblick auf das Aufeinandertreffen der beiden Süd-Clubs nicht fehlen.

An der Favoritenrolle des Rekordsiegers (20 Titel) aus München besteht dabei kein Zweifel. Auch für VfB-Kapitän Atakan Karazor nicht, der mit dem Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth in die Hauptstadt gereist war. „Ja, es fühlt sich ganz klar nach der Außenseiterrolle an“, so Karazor. Man habe sich als VfB in den vergangenen Jahren in vielen Spiele eine Favoritenrolle erarbeitet. „Aber wenn man dieses Spiel betrachtet, haben wir sie nicht. Ganz einfach. Bayern ist die stärkste Mannschaft in Deutschland und eine der besten der Welt.“

Dass damit ein großes Selbstbewusstsein des FCB einhergeht, überrascht nicht. Und dennoch kreiste vieles am Montag in Berlin immer wieder um eine Aussage von Bayerns Sportvorstand Max Eberl, der sich nach dem Halbfinale-Einzug den VfB als Finalgegner gewünscht hatte: Es gebe nach den drei Siegen in dieser Saison gegen die Stuttgarter im Supercup (2:1) und in der Liga (5:0, 4:2) da eine logische Folge. Spiegelte die Ansage nun schlicht den Glauben an die eigene Stärke? Oder hatte da jemand etwas voreilig schon den Sieg verbucht?

Fest steht: Die Eberl-Aussage hat man beim VfB zur Kenntnis genommen – mit dem festen Willen, das Gegenteil zu beweisen. „Das ist auf jeden Fall motivierend“, sagte Wohlgemuth, während Karazor über die Intention mutmaßte: Ich glaube, dass der Herr Eberl in diesem Satz die eigene Mannschaft motivieren wollte. Bei jedem kommt es anders an. Bei uns kommt es natürlich auch als Motivation an. Wir wollen die Bayern ärgern.“ Das ist auch das klare Ziel des Sportvorstands. „Unsere Mannschaft“, sagt Wohlgemuth, „ist in den letzten Jahren an Herausforderungen gewachsen. Wenn wir einen besonderen Tag haben, können wir die Bayern auch schlagen. Wir werden alles reinschmeißen.“

Und: Dass die Bayern die Sache keineswegs als Selbstläufer verbuchen, bestätigte zwei Meter nebenan deren Sportdirektor Christoph Freund, der um einiges diplomatischer klang als Eberl nach dem Halbfinale. „Ich glaube, viel schwieriger kann es nicht sein“, sagte Freund – und setzte zu einer Lobeshymne auf den Pokalgegner an: „Der VfB spielt einen richtig guten Fußball. Sie sind bei wichtigen Spielen immer wieder voll da, das hat man auch jetzt wieder gesehen am Wochenende beim 3:1 gegen Leverkusen. Das ist schon eine richtig starke Mannschaft.“

Und eine, die den Pokal im Vorjahr gewann und damit als Titelverteidiger nach Berlin reist. Die Bayern dagegen holten die Trophäe bislang letztmals vor sechs Jahren – für die Titelsammler aus München eine gefühlte Ewigkeit, was die Gier im Endspiel in knapp zwei Wochen nochmals steigern dürfte. Freund ist sich in jedem Fall sicher, dass die Partie einen hohen Unterhaltungswert haben wird: „Die Fans können sich auf ein richtig gutes Spiel freuen, weil beide Mannschaften offensiv spielen. Ich bin überzeugt, dass wir ein richtig gutes Finale sehen.“

Mit einem Favoritensieg? Das ist noch offen. Was definitiv feststeht: Schiedsrichter Sven Jablonski wird die Partie im Olympiastadion leiten. Der 36-jährige Bremer kam bislang 125-mal in der Bundesliga sowie 26-mal im DFB-Pokal zum Einsatz – und steht nun vor einem echten Highlight im Olympiastadion. Wie auch der VfB und der FC Bayern.