Viel Abwechslung in der Elefanten-Anlage

In der Wilhelma entsteht gerade ein neues Zuhause für die Elefanten. Dieses wurde auch von Frank Kirsten von den mkk-Architekten geplant.

Von Iris Frey

Stuttgart - Lange Jahre hat es gedauert, bis die neue Elefantenanlage in der Wilhelma nun verwirklicht wird. Seit 2017 ist Frank Kirsten von den mkk-Architekten aus Schwerin dabei. Es ist das größte Elefanten-Zoo-Projekt in den 35 Jahren als Architekt für Kirsten. „Wir haben angesichts der Größe der Anlage eine Arbeitsgemeinschaft mit den Herrmann+Bosch-Architekten gegründet, weil wir vor Ort einen starken Partner brauchen.“ Insgesamt sind zehn Planungsbüros an dem Bauvorhaben beteiligt.

Während Herrmann+Bosch sich unter anderem um die Gastro-Gebäude, Fassade, Shops sowie das Grundkonstrukt und die gestalterische Linie kümmern, haben die mkk-Architekten als Kernaufgabe die Gestaltung der Elefantenhaltung mit Bezug auf die Besucher und die Tierhaltung hinter den Kulissen. Dabei wurden auch mit anderen Beteiligten gemeinsam Ideen entwickelt. Nach der Maßgabe der Kostenreduzierung sei zuletzt die Dachkonstruktion noch verändert worden, der Grundriss und die Logistik habe sich jedoch nicht verändert, so Kirsten.

Bei der Planung der Elefantenhaltung hat er drei verschiedene Perspektiven berücksichtigt: Die Ansprüche der Tiere, dass sie möglichst viel Abwechslung und Bewegung haben. Dass die Besucher überraschende Momente erleben und die Elefanten realistisch wahrnehmen. Dass gelang dadurch, dass sie fast immer auf derselben Augenhöhe der Elefanten sind.

Ein Sicherheitsabstand von vier Metern ist ebenso wichtig. Und Bewegung für die Tiere mit kleinen Hügeln und Steigungen. „Da die Tiere fast den ganzen Tag fressen, ist die dosierte Futtergabe an verschiedenen Stellen wichtig“, sagt Kirsten. So gebe es Heu in Netzen von der Decke oder Früchte in kleinen Löchern versteckt.

Auch die Trainingsmöglichkeiten für das neue Prinzip des geschützten Kontakts der Pfleger mit den Tieren wurden genau durchdacht, damit die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, das Sozialverhalten der Tiere zu beobachten oder Krankheiten zu erkennen. Spezielle Gitter und Trainingswände mit Klappen und Öffnungen werden künftig helfen bei der Fußpflege und der Zahnkontrolle wie sie beispielsweise schon im Zoo Karlsruhe bei den Elefanten praktiziert werden.

Auf Exkursionen haben die Architekten sich vorbildliche Anlagen angeschaut, sagt Kirsten, der bereits in Erfurt, als der heutige Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin damals noch Zoodirektor war, die Elefantenanlage plante. Die Architekten haben für Stuttgart Anlagen in Holland, in der Schweiz, Magdeburg, Dresden, Leipzig, Köln und München angeschaut und sich mit den dortigen Pflegern ausgetauscht. „Es gab hierzu in den letzten Jahren ein unheimliches Entwicklungspotenzial in Europa“, weiß Kirsten. Die größte Herausforderung für Stuttgart sieht er in der Dimension des sehr großen Gebäudes und in den flächenmäßigen Begrenzungen, um den Elefanten das Maximale an Fläche zu ermöglichen.

Derzeit sei der Abbruch des alten Schaubauernhofs abgeschlossen. Das Gelände werde auf Kampfmittel untersucht. Im Sommer sollen die Erdarbeiten starten und im Herbst steht der Bau einer Wasserzisterne an. Der Rohbau werde erst 2027 sichtbar. 2029 soll die Anlage fertig sein. Die ersten Ausschreibungen sind vergeben.

Zuletzt hat Kirsten in Augsburg eine Elefantenanlage für sechs Dickhäuter gebaut. In der Wilhelma ist er seit zehn Jahren aktiv, hat die Schneeleopardenanlage gebaut, das Haus für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren und die Amur-Tigeranlage. „Man lernt bei jeder Anlage dazu“, sagt er. Für die Elefanten hat er eine Elefantengeduld beweisen müssen. Es ist das Projekt, das am längsten gedauert hat, bis es verwirklicht wurde.