Viel Lob für „Waffe“ Undav

Der VfB-Stürmer durfte zum Start der WM nicht von Beginn an spielen. Das hinderte ihn nicht daran, Scorerpunkte zu sammeln.

Von Carlos Ubina

houston - Gab es da mal schlechte Stimmung zwischen Deniz Undav und dem Bundestrainer? Hat Julian Nagelsmann den Stürmer des VfB Stuttgart tatsächlich mal öffentlich kritisiert? Kaum zu glauben, wenn man sich den Sonntagabend deutscher Zeit noch einmal vor Augen führt - den der Coach der deutschen Mannschaft in Bezug auf Deniz Undav so zusammenfasste: „Er hat es gut gemacht.“ Und: „Er ist ein Finisher. Den brauchst du in so einem Turnier.“

Wie vor Monaten schon einmal besprochen, kam Deniz Undav zum deutschen WM-Auftakt gegen Curaçao die Jokerrolle zu. Zwar hatte sich der Angreifer des VfB zuletzt in der Gunst des Bundestrainers deutlich nach vorne gearbeitet, Nagelsmann setzte zum Start aber auf Kai Havertz in der Spitze und auf Jamal Musiala dahinter.

Weil die schwere Verletzung des Youngsters vom FC Bayern aber noch gar nicht so lange her ist, galt es bei Jamal Musiala noch, die Belastung zu dosieren. Zudem wollte Julian Nagelsmann auch andere für ihr Engagement und ihre starke Form „belohnen“. Der erste, der in diese Genuss kam, war am Sonntag dann Deniz Undav - der dann wiederum den Bundestrainer für dessen Entscheidung belohnte.

In der 64. Minute kam der 29-Jährige für Jamal Musiala beim Stand von 4:1 in die Partie. Dann machte er das, was er im Laufe der Saison so oft gemacht hat. Er legte Tore vor und traf selbst. „Es war“, sagte später Kai Havertz, „eine Top-Performance von ihm.“ Der Mann vom FC Arsenal bezeichnete den Kollegen dann sogar noch als „Waffe“.

Dass Havertz das sagte, war kein Wunder. Denn der Doppeltorschütze vom Sonntag war ja selbst Nutznießer der Leistung des Stuttgarters. Zu Havertz’ Treffer zum 7:1 hatte Deniz Undav die Vorarbeit geleistet - mit einem feinen Pass aus dem Mittelfeld heraus. Das 5:1 hatte er zuvor für Nathaniel Brown ebenfalls sehenswert vorgelegt. Und das Glück perfekt machte sein eigener Treffer dazwischen. „Dafür“, sagte Havertz, „ist er hier.“

Das Tor zum 6:1 war nicht nur sein erstes WM-Tor im ersten WM-Spiel seiner Karriere, sondern auch die Fortsetzung einer erstaunlichen Serie. In jedem seiner vergangenen sieben Länderspiele hat Undav nun einen Treffer erzielt. Insgesamt sind es sieben Tore in zehn Länderspielen. Julian Nagelsmann lobte mit Blick auf Undavs Aktionen zum WM-Start das „Straßenkicker-Gen“ des Mannes, der erst spät auf oberstem Profiniveau durchstartete. Sein Treffer, das Joshua Kimmich vorbereitete, sei ein „klassisches Deniz-Undav-Tor“ gewesen. Dem nach Meinung des Bundestrainers wohl gerne noch weitere folgen dürfen. Die übrigen drei VfB-Profis im deutschen Kader – Jamie Leweling, Angelo Stiller und Alexander Nübel – kamen indes nicht zum Einsatz.