Von Hausfrauen und Kriegerinnen

Historiker Ortwin Köhler referiert über die Rolle der Frau in verschiedenen historischen Gesellschaften.

Von Petra Neumann

Murrhardt. Die heutige gesellschaftliche Stellung der Frau ist wie alle historischen Entwicklungen nur eine von vielen Phasen. Die Frau als Heimchen am Herd ist das Ergebnis der industriellen Revolution. Natürlich heißt das nicht, dass das weibliche Element zuvor in der Gesellschaft auf Händen getragen wurde, sondern dass der Status der Frau differenzierter war als allgemein angenommen. Der Historiker Ortwin Köhler zeigte die unterschiedlichen Bewertungen in seinem Vortrag „Die Rolle der Frau – Gleichberechtigung in historischen Gesellschaften“ im Grabenschulhaus auf.

„Der Stand der Frau innerhalb einer Gesellschaft ist auch eine Frage der Zivilisation. Speziell alte Kulturen sahen in der Frau primär die Mutter, die den Nachkommen das Leben schenkt“, führte Ortwin Köhler in die Thematik ein. Im christlichen Abendland kulminierte und differenzierte sich die Rolle als jungfräuliche Mutter. Diese Wandlung zeigt etwas Grundlegendes auf: Es gibt keine reine Dualität zwischen Männlichem und Weiblichem, sondern ein changierendes Hin-und-her-Fließen.

Die Frau wird an den Rand gedrängt

„Das alte germanische Wort hiwa(n) für Hausstand ist noch in dem Wort Heirat und Heimat vorhanden. Ein Umstand, der wiederum aufzeigt, dass sich frühere Gesellschaften als sozialökonomische Verbände sahen und familiär sowie verwandtschaftlich funktionierten, und zwar bis vor zirka 200 Jahren, also den Anfängen der industriellen Revolution“, erläuterte der Historiker. Der Lebensalltag war im Gegensatz zu heute nicht politisiert, sondern privat und ökonomisch. Die Frau, die traditionell dem Hausstand, das heißt dem Privaten, vorstand, wurde somit an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Will man diese Entwicklung verstehen, so muss man wissen, dass der Ahnenkult in ganz frühen Kulturen maßgeblich war. Erst ab 5000 vor Christus traten Naturgottheiten auf, die aber noch sehr mit der mütterlichen Erde verwoben waren. Die Kulte waren erdorientiert beziehungsweise aus der Erde heraus. Erst mit den metallischen Zeitaltern entdeckte man das vom Himmel Kommende, denn Meteoriten lieferten mitunter das begehrte Material in hoher Qualität. „Speziell in den Sammler- und Jägerkulturen fiel besonders weiblichen Schamaninnen eine wichtige Rolle zu. Sie wurden verehrt und geachtet, sogar noch bis in die römische Zeit hinein“, unterstrich der Referent.

Unsere heutige Kultur ist nicht die erste mit großen Städten, das gab es bereits im Mesopotamien des 4. Jahrtausends vor Christus. Nicht der „Fürst“ war der eigentliche Herrscher, sondern die Priesterkaste, die auch weibliche Mitglieder führte, sodass Frauen mitunter wirklich das Sagen hatten. Die Kelten wiederum, die maßgeblich zwischen 800 bis 0 vor Christus die abendländische Welt beeinflussten, kannten nicht nur starke Kriegerinnen, sondern auch Frauengesellschaften, die sich von den übrigen Stämmen abschotteten und nur zwecks Nachkommenschaft eine Liaison mit Männern eingingen.

Die Haltung der berühmten griechischen Philosophen war unterschiedlich. Während Sokrates gleichgestellte Frauen als den Männern überlegen empfand und Platon zumindest eine Frauenquote forderte, wies Aristoteles ihnen eine untergeordnete Existenz zu.

Im Zeitalter des Christentums leuchtet besonders eine weibliche Gestalt hervor: Hildegard von Bingen, die adliger Geburt war und deshalb eine gute Erziehung genossen hatte. Sie war klug und tapfer genug, Kritik an Politik und Gesellschaft zu üben, indem sie sie in „Visionen“ einkleidete. Interessant ist auch der Umstand, dass die Gebete der Frauen als wirkungsvoller angesehen wurden, da Männer oftmals dem Kriegshandwerk nachgingen und sich somit mehr versündigten. In jüngerer Zeit ragte vor allem Margarete von Tirol-Görz heraus, die statt ihres Gemahls regierte. Speziell im Barock gab es einige Mätressen, wie beispielsweise die spätere Reichsgräfin Wilhelmine von Grävenitz, die Herzog Eberhard Ludwig beriet, aber lange Zeit als „Landesverderberin“ verfemt wurde. Erst ab der Französischen Revolution wurde es richtig finster für die Frau und das ist historisch gesehen noch nicht so lange her.

Von Hausfrauen und Kriegerinnen

„Speziell in den Sammler- und Jägerkulturen fiel weiblichen Schamaninnen eine wichtige Rolle zu.“