Wie wichtig der hauchdünne Tränenfilm auf den Augen ist, merken wir erst, wenn er aus der Balance gerät. Trockene Augen sind ein typisches Problem im Winter. Ein Augenarzt über Ursachen und Hilfe.
Von Markus Brauer/Ricarda Diekmann (dpa)
Gereizte Augen, gerade jetzt im Winter: Da können viele aus eigener Erfahrung mitreden. Warum spielen die Augen bei vielen in der kalten Zeit des Jahres verrückt, was bringt Linderung? Ein Überblick.
Wie genau machen sich trockene Augen bemerkbar?
„Die Augen jucken oder brennen, sind gerötet und gereizt. Manchmal sieht man auch etwas unscharf“, beschreibt der Augenarzt Seleman Bedar die typischen Symptome trockener Augen. Mitunter tränen sie auch, weshalb Betroffene oft der festen Überzeugung sind: Trockenheit kann hier nicht das Problem sein.
Doch, kann es. Dafür ein näherer Blick auf den Tränenfilm: Diese dünne Feuchtigkeitsschicht befeuchtet und schützt die Horn- und Bindehaut des Auges. Indem wir blinzeln, verteilen wir den Tränenfilm. Er besteht dabei längst nicht nur aus Wasser, sondern beispielsweise auch aus Fetten, die dafür sorgen, dass er langsamer verdunstet.
So wichtig ist der Tränenfilm
Dieses Zusammenspiel kann aus verschiedenen Gründen aus dem Gleichgewicht geraten. Dann verflüchtigt sich die Feuchtigkeit auf dem Auge schneller. „Wenn die Zusammensetzung des Tränenfilms nicht stimmt, entstehen trockene Augen. Selbst dann, wenn eigentlich genug Tränen vorhanden sind“, erklärt Seleman Bedar, ärztlicher Leiter des OGS Augenzentrums Siegburg.
Dazu kommt: Trockene Augen reagieren empfindlicher auf Reize von außen und tränen somit oftmals schneller.
Wer ist besonders von trockenen Augen betroffen?
Warum verschärft sich das Problem bei vielen Betroffenen im Winter?
Seleman Bedar nennt drei Dinge, die im Winter Einfluss auf unsere Augen nehmen:
Was hilft gegen die lästigen Beschwerden?
Mann kann es erst einmal mit keinen Veränderungen im Alltag probieren. Seleman Bedar rät zu regelmäßigen, bewussten Blinzelpausen, wenn wir am Rechner sitzen oder mit dem Tablet vor uns auf dem Sofa liegen.
Ebenfalls wichtig: Der trockenen Heizungsluft mit regelmäßigem Lüften oder Luftbefeuchtern etwas entgegensetzen. „Manche tragen draußen auch gerne eine Brille, um das Auge vor Zugluft zu schützen“, schlägt der Mediziner eine weitere Maßnahme vor.
Tränenersatzmittel können Linderung bringen
All das ist ein Anfang, reicht aber mitunter nicht aus. Dann bringen sogenannte Tränenersatzmittel Linderung. Das sind frei verkäufliche Augentropfen, „die den natürlichen Tränenfilm ergänzen oder stabilisieren“, erläutert Bedar. Getropft wird nach Bedarf, wenn Beschwerden auftreten.
Womöglich muss man sich etwas ausprobieren, bis man ein Präparat findet, das spürbare Linderung bringt. Tränenersatzmittel unterscheiden sich nämlich in ihrer Zusammensetzung: Manche stabilisieren eher die fettige Schicht des Tränenfilms, andere unterstützen vor allem die wässrige. „Bei der Untersuchung in der Augenarztpraxis lässt sich häufig erkennen, welche Komponente des Tränenfilms gestört ist.“
Wer sich von seinen trockenen Augen im Alltag – etwa beim Arbeiten – eingeschränkt fühlt, sollte keine Scheu haben, sich Hilfe in der Augenarztpraxis zu holen. „In seltenen Fällen benötigen dann verschreibungspflichtige Tropfen.“