Midterms in den USA

Warum gibt es heute kein Endergebnis?

In zwei Bundesstaaten ist offen, wer den Sitz im Senat bekommt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, aber in einem Fall potenziell langwierig.

Warum gibt es heute kein Endergebnis?

Bei Tagesanbruch in Washington blickt amerika auf eine völlig veränderte politische Landschaft.

Von Christian Gottschalk

Die Demokraten werden künftig nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat eine Mehrheit haben. Das steht fest. Wie groß die sein wird, ist noch offen – und wird wohl auch noch eine Weile offenbleiben. 51 Sitze braucht es, um zu bestimmen, welcher Kurs dort künftig eingeschlagen wird. 54 Sitze sind der Partei bereits heute sicher. In zwei Bundesstaaten ist das Rennen aber noch offen, und das könnte noch ein paar Tage so bleiben. In Alaska und in Mississippi wird noch gezählt.

Mississippi nicht auf der Midterms-Rechnung

Vor allem der Ausgang in Mississippi ist überraschend.  Der dortige Senatssitz war lange eine sichere Bank für die Republikaner. Bei den Präsidentenwahlen vor zwei Jahren hatte Donald Trump hier mit 23‑Prozent-Vorsprung gesiegt. Die seriösen  Prognosen im Vorfeld der Midterms hatten keinen großen Zweifel daran erweckt, dass es auch dieses Mal einen republikanischen Erfolg geben würde. Doch es kam anders.

43 Stimmen Vorsprung für Demokraten in Mississippi

In keinem anderen Staat ist das oft zitierte Kopf-an-Kopf-Rennen so knapp wie hier. Gerade einmal 43 Stimmen trennen die beiden Kandidaten, derzeit liegt der demokratische Bewerber Scott Colom um diese Nuance vor Amtsinhaberin Cindy Hyde-Smith. Das bedeutet, dass die Entscheidung von vorläufigen Stimmzetteln abhängen kann, deren Prüfung Tage dauern könnte. Solche Stimmzettel gibt es, wenn die Wahlberechtigung eines Wählers im Wahllokal nicht sofort zweifelsfrei bestätigt werden kann.

Kurioses Wahlrecht in Alaska

Und auch in Alaska könnte es noch dauern.  Nach dem Auszählen von mehr als drei Vierteln aller Stimmen liegt Amtsinhaber Dan Sullivan von den Republikanern vorn. Allerdings nur mit 48,5 Prozent der Stimmen und damit unter der magischen Marke einer absoluten Mehrheit. Das Wahlrecht des Bundesstaates hat allerdings eine Besonderheit. Jeder Wähler konnte bei der Wahl bis zu vier Kandidaten in eine Reihenfolge bringen, im Augenblick werden nur die Erstplatzierten gewertet.

„Doppelter Sullivan“ bis 19.11.?

Sollte keiner der Kandidaten auf mehr als 50 Prozent der Stimmen kommen, wird der schlechtplatzierteste Bewerber gestrichen. Bei dessen Stimmen wird dann geschaut, wen die Wähler auf Rang zwei und drei gesetzt haben. Das wären in diesem Fall die Stimmen von Daniel J. Sullivan Jr., der 1,6 Prozent bekam – dem Namensvetter und „Doppelgänger“ des amtierenden Senators Daniel S. Sullivan. Sollte danach noch immer niemand mehr als 50 Prozent haben, folgt das gleiche Spiel mit den Stimmen Gerlad Helkes, einem weiteren Republikaner, der 2,2 Prozent für sich verbuchte. Allerdings: Diese Auszählungsrunden beginnen erst am 19. November.

Bis zum offiziellen Endergebnis kann es also noch mehrere Wochen dauern. Die Spannung ist freilich nicht mehr ganz so hoch, denn die beiden Staaten geben nicht mehr den Ausschlag dafür, ob Demokraten oder Republikaner in Washington die Mehrheit haben.

Warum gibt es heute kein Endergebnis?

Ex-Präsident Bill Clinton hat in Mississippi für Scott Colom geworben.