Regen & Gewitter

Warum ist das Wetter gerade so schlecht? - Das steckt dahinter

Von Sommerfeeling ist derzeit wenig zu spüren. Wer verstehen will, warum das Wetter gerade so unbeständig ist, muss einen Blick in die Höhen der Atmosphäre werfen.

Warum ist das Wetter gerade so schlecht? - Das steckt dahinter

Ein Langwellentrog mit Höhenkälte unter minus 25 Grad sorgt Anfang Juni für Schauer, Gewitter und kühle Temperaturen in Deutschland. Wann der Sommer kommt und was hinter dem Wettermuster steckt.

Von Matthias Kemter

Trog über Deutschland: Der Hauptschuldige

Der Grund für das aktuell wechselhafte und kühle Wetter in Deutschland ist laut dem Deutschen Wetterdienst ein sogenannter Langwellentrog. Dabei handelt es sich um eine großräumige Einbuchtung der Höhenströmung, die kalte Luft aus nördlichen Breiten nach Mitteleuropa lenkt. In der Höhe liegen die Temperaturen dabei unter minus 25 Grad - das ist für Anfang Juni ungewöhnlich kalt. Diese Höhenkälte ist der Motor für die derzeit aktive Schauer- und Gewittertätigkeit, die besonders den Norden, die Mitte und den Osten Deutschlands betrifft. Begleitet wird das Ganze von pulsierender Kaltluftkonvektion: Wolken türmen sich rasch auf, es fallen Graupel und vereinzelt kleiner Hagel, dazu sind stürmische Böen der Stärke 8 aus westlicher Richtung möglich.

Warum zieht das schlechte Wetter nicht einfach weiter?

Das Tief und der zugehörige Trog verlagern sich nur langsam ostwärts. Rückseitig stellt sich eine westliche bis nordwestliche Höhenströmung ein, in der wiederholt Fronten und Wellen über den Norden und Osten Deutschlands hinwegziehen. Am Freitag sind im Norden Niederschlagsmengen von 10 bis lokal 20 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden möglich. Zwischen den einzelnen Frontpassagen gibt es zwar immer wieder trockene Abschnitte, von stabilem Sommerwetter ist man jedoch weit entfernt. Im Südwesten Deutschlands sieht es etwas besser aus: Dort sorgt hoher Luftdruck für eine überwiegend ruhige Witterung.

Temperaturen: Kühl bis mäßig warm, aber mit Aussicht

Die Tageshöchstwerte liegen zu Beginn dieser Wetterphase zwischen 13 und 20 Grad – für Juni deutlich zu kühl. Die Nächte können im Bergland auf bis zu 4 Grad abkühlen. Von Südwesten setzt jedoch eine allmähliche Erwärmung ein. Ab dem Wochenende sind entlang des Oberrheins vereinzelt Höchstwerte um 30 Grad möglich. Im Norden und Nordosten hingegen könnte die Wärme Schwierigkeiten haben, sich durchzusetzen – dort bleiben die Temperaturen möglicherweise unterhalb der Sommermarke von 25 Grad.

Was steckt hinter dem Muster? - Rossbywellen und Jetstream

Die Ursache für das anhaltend wechselhafte Wetter liegt in der globalen Dynamik der Atmosphäre. Sogenannte Rossbywellen – großräumige Wellenbewegungen im Jetstream – bestimmen maßgeblich, ob Mitteleuropa von Tiefdruckgebieten oder stabilem Hochdruckwetter dominiert wird. Derzeit sorgt ein von Kanada kommender Wellenzug dafür, dass der Trog über Deutschland nach Osten gedrückt wird. Gleichzeitig fehlt es an der nötigen Energie, um eine blockierende Hochdruckbrücke über Mitteleuropa zu etablieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die verschiedenen Wettermodelle derzeit nicht einig sind, wie sich die Lage genau entwickelt. Die Unsicherheiten in den Vorhersagen sind groß. Ein Zeichen dafür, dass die Atmosphäre sich in einer labilen Übergangsphase befindet.

Wann kommt der Sommer?

Die gute Nachricht: Die Wettermodelle deuten auf eine schrittweise Besserung hin. Zum kommenden Wochenende soll das Geopotenzial, also der Luftdruck in der Höhe, von Südwesten her ansteigen. Damit würde sich die Großwetterlage zunehmend antizyklonal, also hochdruckdominiert, entwickeln. Zu Beginn der neuen Woche könnte es dann vielerorts trocken, freundlich und sonnig werden, mit sommerlichen Temperaturen von Südwesten her. Für die Zeit nach Mitte Juni zeichnet sich sogar das Potenzial für eine längere Hitzewelle ab, vor allem für Südwest- und Westeuropa. Wie stark auch der Rest Deutschlands davon profitiert, ist derzeit noch offen. Die Streuung der Wettermodelle ist zu groß für eine verlässliche Aussage.

Fazit: Geduld ist gefragt

Das schlechte Wetter hat einen klaren meteorologischen Grund: Ein Langwellentrog mit Höhenkälte und einer aktiven Frontalzone hält Deutschland derzeit in Schach. Die Besserung kommt, aber zögerlich und zunächst nur im Süden und Westen. Wer auf echten Sommer hofft, muss sich noch einige Tage gedulden.