Merz: Rente nur noch als Basisabsicherung

Was bedeutet das für Deutschlands 22,3 Millionen Rentner?

Bundeskanzler Merz ist Anfang Mai ein Jahr im Amt und übt Selbstkritik. Große Reformen sollen kommen, mit Folgen für viele Menschen – auch für Deutschlands 22,3 Millionen Rentner.

Was bedeutet das für Deutschlands 22,3 Millionen Rentner?

Friedrich Merz regiert ein Land, in dem es Millionen Armutsrentner gibt. Sein Rezept: Niedrigere Renten als Basisversorgung und private Altersversorgung. Wird diese Idee den Praxistest bestehen? Und: Wer kann sich das außer dem oberen Zehntel der Gesellschaft überhaupt leisten?

Von Markus Brauer/AFP/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat mit Blick auf die geplante Rentenreform zu einem Umdenken bei der Altersvorsorge aufgerufen.

Merz: Gesetzliche Rente nur noch als Basisabsicherung

„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“, sagte Merz am Montag (20. April) beim Empfang zum 75. Jubiläum des deutschen Bankenverbands. „Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern.“

Es seien zusätzlich „kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung“ nötig, erklärte Merz. „Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“

Derzeit berät eine von der Regierung eingesetzte Rentenkommission über eine Reform, die das System langfristig auf solide Füße stellen soll. Sie will ihre Empfehlungen im Sommer vorlegen.

„Weit davon entfernt, dass es genug ist“

Die Bundesregierung setze „alles daran, die strukturellen Verwerfungen, die strukturellen Defizite unseres Landes zu beheben“, erklärte Merz mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit, die Senkung der Energiekosten sowie weitere angestrebte Reformen etwa im Bereich der Einkommensteuer und der Krankenversicherung.

Die schwarz-rote Koalition habe in knapp einem Jahr „einiges erreicht, aber wir sind weit davon entfernt, dass es genug ist“.

Der Bundestag hat bereits einen Nachfolger für die immer unbeliebtere Riester-Rente beschossen. Ab Januar 2027 soll es neue Möglichkeiten geben, privat und staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Die Bundesregierung will damit erreichen, dass mehr Menschen privat Geld für die Rente zurücklegen.

SPD stellt sich gegen Renten-Idee von Merz

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, stellt sich gegen die Haltung von Merz, wonach die gesetzliche Rente künftig nur noch als Basisabsicherung für das Alter zu verstehen sei.

"Auf die gesetzliche Rente muss man sich verlassen können", stellt Wiese fest. Die gesetzliche Rentenversicherung sei die Absicherung von vielen Menschen im Land. Viele hätten in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt, "was sie mit ihrer eigenen Hände Arbeit erwirtschaftet haben", so der SPD-Politiker. "Und das kann nicht nur eine Basisabsicherung sein, sondern auf die gesetzliche Rentenversicherung muss man sich verlassen."

Immer mehr Rentner verarmen

In Deutschland gab es im Jahr 2024 rund 22,3 Millionen Rentenempfänger. Die Durchschnittsrente liegt nach Abzügen bei rund 1459 Euro netto. Männer erhalten im Schnitt 1606 Euro netto, während Frauen häufig nur auf 1281 Euro netto kommen. Ein Grund ist die geringere Erwerbstätigkeit von Frauen. Dieser sogenannte Gender Pension Gap verkleinerte sich zuletzt etwas.

Viele Rentner sind von Altersarmut bedroht, insbesondere Frauen. Rund 3,7 Millionen Rentner ab 65 Jahren gelten als von Altersarmut bedroht. 42 Prozent der Rentner erhalten weniger als 1000 Euro im Monat. Der demografische Wandel führt dazu, dass nur noch rund zwei Beitragszahler auf einen Rentner kommen.

Alterseinkünfte sind bei meisten Haupteinkommen

Ein weiteres Fünftel der Ruheständler über 65 Jahren verfügt laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden über monatlich 1400 Euro bis 1790 Euro, wie das mitgeteilt hat. Die 20 Prozent der Älteren mit dem höchsten Einkommen haben monatlich mehr als rund 2870 Euro netto.

Das Einkommen von Rentnerhaushalten besteht überwiegend aus Alterseinkünften. Bei Haushalten, in denen ausschließlich Ruheständler lebten, machten Renten und Pensionen im Jahr 2024 durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus.

Fünf Prozent waren Einnahmen aus Vermögen, zwei Prozent stammten aus Erwerbstätigkeit und ein Prozent aus Transferzahlungen wie etwa Grundsicherung im Alter. Zu den Alterseinkünften zählen Altersrenten und -pensionen, Hinterbliebenenrenten und -pensionen sowie Renten aus individueller privater Vorsorge.

Viele Rentner auf staatliche Hilfe angewiesen

Eine wachsende Zahl von Rentnern ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 739.000 Menschen erhielten zum Jahresende 2024 Grundsicherung im Alter. Das heißt, sie können ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten.

Die Zahl der Betroffenen stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent und gegenüber 2020 um 31 Prozent. Ein Grund dafür ist laut Statistikbehörde die Zahl leistungsberechtigter Ukrainer.

Wer erhält im Alter Grundsicherung?

Grundsicherung im Alter können alle Menschen beantragen, deren Einkünfte nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Der Regelsatz entspricht dem der Grundsicherung.

Betroffen sind vor allem Rentner, die angesichts der Preisexplosionen in die Altersarmut rutschen. Die Dunkelziffer ist dabei deutlich höher, da viele Betroffene aus Scham nicht zum Sozialamt gehen.

Wie hoch ist die Grundsicherung für Rentner?

Die Bezuschussung hängt davon ab, welches Einkommen jemand insgesamt hat. Dazu gehört neben der gesetzlichen Rente beispielsweise auch ein Verdienst, den ein Rentner aus einer zusätzlichen Nebentätigkeit bezieht.

Wer durch den Bezug von Grundsicherung mehr Geld erhält, als er durch die gesetzliche Rente und möglicherweise weitere Einkommen zur Verfügung hat, kann durch die Grundsicherung im Alter aufstocken. Wie hoch die Grundsicherung ist, hängt davon ab, welchen finanziellen Bedarf man hat.

Hier eine Beispielrechnung:

Fazit: Die Höhe der Grundsicherung für Rentner ist individuell unterschiedlich, je nachdem, wie hoch das gesamte monatliche Einkommen ist.