Mercedes-Benz schickt drei neue S-Klasse-Modelle auf Weltreise. Der Start der Promo-Tour steht im Zeichen der Urväter des Autos – und einer abenteuerlustigen Frau.
Jutta Benz auf dem Nachbau des Patent-Motorwagens vor der Wieslocher Stadt-Apotheke. Dort hat ihre Urgroßmutter einst einen historischen Tankstopp eingelegt.
Von Peter Stolterfoht
Als die letzte Lobrede auf die neue S-Klasse gehalten, das letzte Glas erhoben und der letzte Song von Stargast Sam Smith verklungen ist, geht es eigentlich erst so richtig los. Das Ende der feierlichen Weltpremiere der aufgefrischten Luxuslimousine von Mercedes-Benz im eigenen Museum ist nämlich für drei dieser Modelle der Start zu einer Weltreise.
Promotour mit 140 Zielen
Bei dieser Promotour sollen die Blicke aber nicht nur auf die Fahrzeuge gerichtet werden, sondern auch auf 140 Jahre Automobilgeschichte, die mit dieser S-Klasse in Verbindung gebracht wird. Es sind dann auch 140 Orte auf der ganzen Welt, die angesteuert werden, weil sie eine enge Verbindung zum Konzern haben. Im Oktober ist die Rückkehr geplant, nach Aufenthalten in Europa, Süd- und Nordamerika, Afrika, Asien und Australien. Ziele können dabei Produktionswerke, Rennstrecken, Museen oder andere geschichtsträchtige Orte sein.
Der Tour-Auftakt stand dabei ganz im Zeichen von Carl Benz und Gottlieb Daimler, den beiden erfindungsreichen Urvätern des Automobils, die getrennt voneinander Fahrzeuge ins motorisierte Rollen gebracht haben. Sehr deutlich wurde aber auch die wichtige Rolle herausgestrichen, die Carl Benz’ Frau Bertha bei der Entwicklung des Automobils durch ihren unerschrockenen Einsatz gespielt hatte.
Doch zunächst steht bei dieser besonderen Sternfahrt der Besuch bei Gottlieb Daimler auf dem Programm, genauer gesagt seines Gartenhauses an der Taubenheimerstraße in Stuttgart- Bad Cannstatt. Dort führte Daimler einst zusammen mit Wilhelm Maybach die ersten Versuche für den schnellaufenden, kleinen Verbrennungsmotor durch. Ihr Ansatz: Benzin als ausschließlichen Brennstoff für die Motoren zu verwenden.
Den Patentwagen lenkt heute die Urenkelin
Weiter fährt der Tross nach Schorndorf, wo Gottlieb Daimler am 17. März 1834 zur Welt kam. Im Geburtshaus, das heute eine Museum ist, betrieben einst Daimlers Eltern eine Bäckerei samt Weinhandlung. Und in der benachbarten Werkstatt eines Büchsenmachers soll der Erfindergeist von Gottlieb Daimler geweckt worden sein, weiß Mercedes-Klassikbereichsleiter Marcus Breitschwerdt zu berichten.
Nächste Station ist danach das am Rhein gelegene Ladenburg. Vom angrenzenden Mannheim verlegte Carl Benz 1903 seine Firma dorthin, wo heute ebenfalls ein Museum an den Autoerfinder und sein Werk erinnert. Da darf natürlich der vor 140 Jahren zum Patent angemeldete erste Motorwagen nicht fehlen. Einen Nachbau steuert zur Feier des Tages Urenkelin Jutta Benz, die detailreich über das Familienunternehmen Auskunft geben kann, das 1926 mit dem Daimler-Konzern fusionierte.
Besonders am Herzen liegt Jutta Benz die Rolle, die ihre Urgroßmutter Bertha Benz für die Entwicklung des Autos spielte – aber auch für die der Frau. Und das führt den S-Klassen-Konvoi auf seiner historischen Tour auf direktem Weg nach Wiesloch. Die dortige Stadt-Apotheke wurde dank Bertha Benz nämlich zu so etwas wie der ersten Tankstelle der Welt.
Im August 1888 machte sich Bertha Benz von Mannheim aus mit den 15- und 13-jährigen Söhnen Eugen und Richard mit dem Patentwagen 3 auf eine abenteuerliche Reise zur ihrer Mutter nach Pforzheim und trug mit der erfolgreichen Fernreise wesentlich dazu bei, bestehende Vorbehalte gegen das Automobil zu beseitigen. Dabei hatte die Zwischenstation Wiesloch große Bedeutung, weil in der Stadt-Apotheke der Tank des Wagens mit dem benötigten Treibstoff Ligroin aufgefüllt werden konnte. Ein Teil der Apotheke ist noch im Originalzustand.
In Nizza kommt man Mercedes näher
Wiesloch wird auf der historischen S-Klassen-Autoreise nicht das einzige Ziel bleiben, das in direkter Verbindung zu einer Frau steht. Da wäre als nächstes Nizza. Dort zog der österreichisch-ungarische Autorennfahrer und Geschäftsmann Emil Jellinek Ende des 19. Jahrhunderts einen schwunghaften Handel mit Daimler-Autos auf. Was zur Folge hatte, dass seine Tochter Mercedes der Marke ihren Namen gab.
Das führt am Ende noch zu der Frage, was wohl Mercedes Jellinek und Bertha Benz zur neuen S-Klasse mit ihren beheizbaren Sicherheitsgurten sagen würden.
Vor dem Schorndorfer Daimler Geburtshaus: der Chef des Mercedes-Klassikbereichs, Marcus Breitschwerdt.
Die neue S-Klasse macht Station im Schorndorfer Daimler-Museum.
Das Benz-Museum in Ladenburg bei Mannheim
Urenkelin Jutta Benz und Museumsbetreiber Winfried Seidl
Blick ins Carl-Benz-Museum
Die Stadt-Apotheke in Wiesloch war einst auch eine Tankstelle.
Ein Teil der Wieslocher Apotheke ist im Originalzustand erhalten.