Klimaphänomen

Was ein Rekord-El-Niño für die Welt bedeuten könnte

Der gegenwärtige El Niño scheint das stärkste derartige Klimaphänomen seit Beginn der Aufzeichnungen zu werden.

Was ein Rekord-El-Niño für die Welt bedeuten könnte

Der gegenwärtige El Niño könnte das weltweit heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen verursachen.

Er bringt Extremwetter mit sich und könnte dazu beitragen, dass 2027 das bei weitem heißeste Jahr überhaupt wird. Die britische Wetterbehörde Met Office warnte bereits Ende August, sie rechne mit dem „intensivsten“ El Niño seit mehr als einem Jahrhundert.

Kombiniert mit den bereits deutlich spürbaren Folgen des menschengemachten Klimawandels könnte der gegenwärtige El Niño uns Experten zufolge einen Eindruck vermitteln, welche bedrohlichen Wetter-Eskapaden Ende der 2030er auf uns zukommen.

Was ist El Niño?

Bei El Niño handelt es sich um die Aufwärmphase eines natürlichen Wetterkreislaufs im tropischen Pazifikraum, der als El Niño-Southern Oscillation (ENSO) bezeichnet wird. Diese setzt ein, wenn Passatwinde, die von Ost nach West wehen, sich zeitweise abschwächen. Dies führt dazu, dass wärmeres Wasser, dass sich normalerweise im westlichen Pazifik sammelt, ostwärts strömt und an die Oberfläche steigt.

Wenn die dadurch gestiegenen Temperaturen der Meeresoberfläche ein paar Monate lang dauern, führt dies zu einer Zunahme von Stürmen und Wolken in der Region. Dies habe letztlich Auswirkungen auf die gesamte Erdatmosphäre, erklärt die Klimawissenschaftlerin Emily Becker von der University of Miami. In manchen Erdregionen führt dies zu trockenerem, heißerem Wetter, in anderen wird es hingegen kühler und feuchter.

Schon jetzt sind einige Effekte des aktuellen El Niño spürbar. So ist die Trockenzeit in Indonesien ungewöhnlich lang und intensiv, was zu schweren Waldbränden beitrug, die tausende Hektar Land verwüsteten.

Je länger das Klimaphänomen anhalte, desto „mehr dieser erwarteten Auswirkungen von El Niño“ seien spürbar, sagt Michelle L'Heureux, die beim Klima-Vorhersagezentrum der Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) die ENSO-Forschungsgruppe leitet.

Was passiert dieses Jahr?

In der Zone „Niño 3.4“, einer Bezugsregion im Pazifik, liegen die Temperaturen aktuell 2,6 Grad über dem 30-jährigen Mittelwert, wie aus dem Climate-Brink-Dashboard hervorgeht. Die Website, die auf Grundlage von NOAA-Daten klimatische Entwicklungen visualisiert, prognostiziert, dass dieser Temperaturanstieg mit 3,9 Grad über dem Temperaturdurchschnitt seinen Höhepunkt erreicht. Das wäre deutlich mehr als der Temperaturanstieg von bis zu drei Grad während des El Niño 2015.

Der gegenwärtige El Niño könnte damit das weltweit heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen verursachen. 2027 dürfte sogar noch heißer werden, weil die Erwärmung durch einen El Niño am stärksten im Jahr nach seinem Beginn ist.

Nach Berechnungen der Klima-Wissenschaftler Zeke Hausfather und Andrew Dessler kommen durch den aktuellen El Niño zum langfristigen Trend der globalen Erwärmung zweitweise noch 0,3 Grad oben drauf. 2027 wird die globale Durchschnittstemperatur demnach 1,76 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Damit wäre die Durchschnittstemperatur zwischenzeitlich so hoch, wie sie ohne El Niño frühestens 2037 zu erwarten gewesen wäre.

„Das ist eine Art Blick in die Zukunft“, sagt Dessler. Allerdings wird die Hitze 2027 vor allem in den Äquator-nahen Gegenden der Pazifik-Region zu spüren sein. Die Experten von NOAA rechnen damit, dass dieser El Niño der stärkste wird seit dem Beginn ihrer Aufzeichnungen dazu im Jahr 1950.

Wie passt der Klimawandel da hinein?

Wissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel die Auswirkungen von El Niño verstärkt. Wegen der globalen Erwärmung ist die Erdatmosphäre feuchter und dadurch können im Zusammenhang mit El Niño entstehende Niederschläge stärker ausfallen. Zugleich trocknen die höheren Temperaturen die Böden stärker aus, so dass Dürren im Zusammenhang mit El Niño noch heftiger ausfallen.

Umstrittener ist, ob die Erderwärmung selbst zu stärkeren El Niños führt. „Der Klimawandel könnte den El-Niño-Zyklus selbst verstärken“, sagt etwa NOAA-Pazifik-Experte Mike McPhaden. Er erklärt dies so, dass wärmere Meere in den Tropen stärker auf die Winde reagieren, die zur Entwicklung eines El Niño beitragen. Durch diese gegenseitige Verstärkung bilde sich das Klimaphänomen stärker aus. Laut McPhaden deuten Funde aus Urzeiten wie Korallenskelette sowie Klimamodelle darauf hin, dass die El Niños im Laufe des vergangenen Jahrhunderts um etwa zehn Prozent an Stärke zugenommen haben.