Was bei einem Sommergewitter vom Himmel prasselt, ist eine Wissenschaft für sich. Unterschieden wird zwischen Graupel, Kleinhagel und echtem Unwetter.
Unwetter mit Hagel im Mai 2024 auf der B10 bei Süßen - die Körner waren so groß wie Kirschkerne.
Von Michael Maier
Wer im Frühling oder Sommer von einem heftigen Schauer überrascht wird, erlebt oft eine weiße Überraschung auf dem Asphalt. Doch nicht alles, was vom Himmel prasselt und weiß ist, darf man meteorologisch in einen Topf werfen. Neben dem klassischen, zerstörerischen Hagel und dem winterlichen Graupel gibt es den Begriff „kleinkörniger Hagel“.
Wer hier nach einer exakten Definition sucht, stellt schnell fest: Es gibt zwei verschiedene Grenzwerte – mit Bezug auf die physikalische Entstehung und die offizielle Unwetter-Skala. Zeit, für Ordnung im Wetter-Chaos zu sorgen!
Kleinkörniger Hagel - bis wieviel Zentimeter?
Warum liest man mal von „unter 5 mm“ und mal von „bis zu 15 mm“? Das liegt daran, dass Meteorologen mitunter sehr spitzfindig sein können.
1. Die physikalische Definition (WMO)
Nach den Richtlinien der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wird gefrorener Niederschlag strikt nach seiner Struktur definiert:
Kleinkörniger Hagel besteht demnach aus Eiskörnern mit einem Durchmesser von weniger als 5 Millimetern. Er unterscheidet sich von Graupel dadurch, dass er eine harte, meist durchsichtige Eisschicht besitzt und elastisch vom Boden abprallt, statt zu zerfallen.
2. Die Unwetter-Definition (DWD und Versicherungen)
In der Wettervorhersage und bei Schadensberichten (etwa nach der europäischen TORRO-Skala) nutzt man eine praxisnähere Einteilung. Hier wird alles, was zwischen 5 und 15 Millimetern groß ist (etwa erbsen- bis murmelgroß), als „Kleinhagel“ oder kleinkörniger Hagel bezeichnet.
Die 15-mm-Grenze: Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) beginnt ein Hagelereignis mit relevanter Unwettergefahr erst ab einem Durchmesser von 1,5 Zentimetern (15 mm). Alles darunter fällt in die Kategorie des meist harmlosen Kleinhagels.
Hagel-Größenvergleich auf einen Blick
Damit man sich die Dimensionen im Alltag besser vorstellen kann, hilft die offizielle meteorologische Einteilung:
Hagel vs. Graupel
Oft wird kleinkörniger Hagel mit Graupel verwechselt. Der Unterschied liegt in der Entstehung:
Wie gefährlich ist kleinkörniger Hagel?
Im Gegensatz zu riesigen Hagelgeschossen zertrümmert kleinkörniger Hagel keine Dachziegel und hinterlässt in der Regel auch keine Dellen im Autoblech. Dennoch hat er es in sich:
1. Blitzschnelle Winterglätte im Sommer: Da kleinkörniger Hagel oft in enormen Mengen fällt, kann er Straßen binnen Sekunden in eine Rutschbahn verwandeln. Die runden Körner wirken unter den Autoreifen wie ein Kugellager.
2. Verheerend für den Garten: Für empfindliche Nutzpflanzen, junge Triebe, Salatköpfe oder die Blütenpracht im Frühjahr reicht die Wucht der erbsengroßen Körner völlig aus, um die Blätter zu zerfetzen.
3. Verstopfte Kanalisation: Die Masse an Eis spült oft Laub und Geäst in die Straßengullis. Die Folge: Das Schmelz- und Regenwasser kann nicht abfließen, und es kommt zu lokalen Überschwemmungen.
Kleinkörniger Hagel ist definitionsgemäß die Vorstufe zum „echten“ Unwetterhagel. Ob man nun die strengen 5 mm der Physiker ansetzt oder die praxisnahen 15 mm der Wetterdienste: Wenn es draußen plötzlich erbsengroß vom Himmel prasselt, ist jedenfalls Vorsicht angesagt.