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Welche Bedeutung die kleine Insel Kharg für den Iran und Krieg hat

Kharg ist kleiner als Fehmarn und könnte schon bald in den Fokus von Donald Trump rücken. Auf der Insel im Persischen Golf befindet sich der größte Ölterminal des Iran. Im Krieg gegen das Mullah-Regime könnte Kharg zum US-Ziel werden. Doch die Risiken sind groß.

Welche Bedeutung die kleine Insel Kharg für den Iran und Krieg hat

Die Insel Kharg, die rund 30 Kilometer vor der iranischen Hauptinsel liegt, wickelt laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters JP Morgan rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab.

Von Markus Brauer/AFP

Die Insel Kharg, ein karges Stück Land im nördlichen Persischen Golf, wickelt fast den gesamten Rohölexport Irans ab. Jeder Versuch, sie einzunehmen, würde eine massive Eskalation des Konflikts bedeuten, waren Analysten.

Noch scheuen Israel und die USA vor Angriffen auf Kharg zurück

Die USA und Israel sind bisher im Umgang mit der Insel vorsichtig vorgegangen, doch ein Bericht der Nachrichtenagentur Axios zitiert Beamte der Trump-Administration, die erklären, die Eroberung von Kharg sei eine Option, solange der Krieg im Nahen Osten andauere.

Info: Kharg ist eine bewohnte Insel im Persischen Golf. Sie gehört zu Iran und liegt etwa 30 Kilometer vor der Küste des Festlands. Sie ist rund 6 Kilometer lang und 4 Kilometer breit und hat etwa 10.000 Einwohner. Die Insel liegt 55 Kilometer westlich von Buschehr und 35 Kilometer südlich von Ganaveh.

Die Insel, die rund 30 Kilometer vor der iranischen Hauptinsel liegt, wickelt laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters JP Morgan rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab. Experten zufolge hätte jede Maßnahme in diesem Gebiet, das etwa ein Drittel so groß ist wie Manhattan, rasche Konsequenzen.

Großteil der iranischen Rohölexporte käme zum Erliegen

„Ein direkter Angriff würde den Großteil der iranischen Rohölexporte sofort zum Erliegen bringen und wahrscheinlich schwere Vergeltungsmaßnahmen in der Straße von Hormus oder gegen die regionale Energieinfrastruktur auslösen“, berichtet JP Morgan.

Die iranischen Angriffe haben den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz – durch die normalerweise ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssigerdgases transportiert wird – nahezu zum Erliegen gebracht und auch die Öl-Infrastruktur in anderen Golfstaaten beeinträchtigt.

Angriff wäre „sehr riskantes Unterfangen“

Bislang seien die iranischen Energieanlagen jedoch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Ein Angriff auf die Insel wäre „ein sehr riskantes Unterfangen“, erklärt Farzin Nadimi, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy. Der Iran habe nicht nur „Erfahrung im Einsatz von Alternativen“ im Kriegsfall. Er könnte „den Öl- und Gasanlagen am Golf noch viel größeren Schaden zufügen, wenn er wollte. Und er kann sehr schnell viel mehr tun, und das weiß jeder“.

„Ich glaube nicht, dass die Einnahme der Insel über die Debatten im US-Kongress hinausgehen wird“, fügt Nadimi hinzu. Eine Möglichkeit, die in Washington seit der Geiselkrise im Jahr 1979, die mit der Gründung der Islamischen Republik begann, diskutiert wird.

Kritische Schwachstelle des Iran

Kharg erlebte in den 1960er und 1970er Jahren, während der iranischen Ölexpansion, wichtige Entwicklungen, da ein Großteil der Küste des Landes für Supertanker zu flach war. Der Iran hat versucht, seine Exportkapazitäten zu diversifizieren, indem er 2021 das Jask-Terminal außerhalb der Engstelle Straße von Hormuz im Golf von Oman eröffnete.

Aber Kharg bleibt laut JP Morgan „eine kritische Schwachstelle“ für den Iran. „Sie ist ein Eckpfeiler der iranischen Wirtschaft und eine wichtige Einnahmequelle für die iranischen Revolutionsgarden“, heißt es in dem Bericht von JP Morgan.

USA wollen Kontrolle über das iranische Öl

Der Krieg hat die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen, obwohl die Andeutung von US-Präsident Donald Trump am Montag (9. März), der Konflikt könne bald beendet sein, den Markt zeitweise beruhigt hat. Am Wochenende erklärte Jarrod Agen, Direktor des Nationalen Energie-Dominanzrates des Weißen Hauses: „Unser Ziel ist es, diese gewaltigen Ölreserven im Iran aus den Händen von Terroristen zu entfernen.“

Auch die Washington Post berichtete in den letzten Tagen von verstärkten Spekulationen darüber, dass US-Bodentruppen für einen Einsatz vorbereitet werden könnten, und zitierte Analysten, die sagten, die Insel Kharg wäre ein Ziel.

Kampf auf Kharg „ist sehr schwierig“

Nadimi erklärte, Washington könne die Insel nach dem Ende der Kampfhandlungen einnehmen, aber das sei während der Kämpfe „keine kluge Entscheidung“, da Kharg „fast eine ganze Insel aus Ölanlagen, Pipelines und Tanklagern“ sei. „Es ist sehr schwierig, auf dieser Insel eine Militäroperation durchzuführen.“

Doch auch andere Ölinfrastrukturen könnten ins Visier geraten, da Trump wiederholt auf seine Operation im Januar verwiesen hat, mit der er den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro stürzte und sich Zugang zu den Ölreserven des Landes verschaffte, und diese als Blaupause nutzte.

„Auge um Auge“: Iran droht mit Vergeltung

Der Iran – der viertgrößte Rohölproduzent innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) – hat geschworen, dass kein einziger Liter Öl aus dem Golf exportiert wird, solange der Krieg andauert. Jeder Angriff auf die Infrastruktur werde mit einer Vergeltungsmaßnahme nach dem Prinzip „Auge um Auge“ beantwortet, heißt es aus Teheran.

Am Samstag ((7. März) startete Israel seinen ersten Angriff im Krieg auf Ölanlagen im Iran, erklärte aber, diese würden „zum Betrieb militärischer Infrastruktur“ genutzt. Am selben Tag forderte der israelische Oppositionsführer Yair Lapid in einem X-Post schärfere Maßnahmen und schrieb: „Israel muss alle iranischen Ölfelder und die gesamte Energie-Industrie auf der Insel Kharg zerstören. Das wird die iranische Wirtschaft zusammenbrechen lassen und das Regime stürzen.“