Christian Eisenhardt und Guido von Vacano wollen mehr Selbstbewusstsein wagen. Das neue Führungsduo will die Feste auf dem Wasen weiterentwickeln. Und dabei durchaus auch mal angeben.
Christian Eisenhardt und Guido von Vacano sind die Nachfolger von Andreas Kroll, gegen den Ermittlungen laufen.
Von Frank Rothfuß
Stuttgart - Der neue Arbeitsplatz ist bestens versorgt. Crêpes, Lángos, Wurst aller Art, Göckele, man hat die Qual der Wahl. Die größte Kantine der Stadt hat sich da beim Frühlingsfest entfaltet. Guido von Vacano hat sich für Pommes im Stehen entschieden, ein schnelles Mittagessen. Bevor es zurückgeht ins neue Büro, im Verwaltungsgebäude der in.Stuttgart auf dem Wasen.
Seit dem 1. April ist er der Nachfolger von Andreas Kroll, und damit verantwortlich für die Hallen und die großen Feste der Stadt. Eine Schonfrist hatte er keine, in den Hallen ist ja ohnehin das ganze Jahr Betrieb, am 18. April begann dann das Stuttgarter Frühlingsfest. Eine eigene kleine Welt für sich, eine Stadt, die da aus dem Boden wächst und in drei Wochen gut zwei Millionen Menschen beherbergt und belustigt.
Wie fühlt es sich denn an, Bürgermeister dieser Stadt zu sein? Von Vacano will um diese Arbeit gar kein Gewese machen. Er ist ein Gewächs der Messe, „auch da ging es darum, dass die Menschen zufriedener heimgehen als sie gekommen sind“. Er kennt diese Aufgabe also, will er damit sagen. „Es ist ein Privileg, Menschen glücklich zu machen.“ Dabei hilft ihm Christian Eisenhardt. Er war schon zuvor bei in.Stuttgart, als Abteilungsleiter für Eigenveranstaltungen. Nun kamen die Feste hinzu.
Über den Vorgänger will das Duo lieber nicht reden
Dies war eine Folge, der will soll man sagen, Vorgänge um seinen Vorgänger. Da ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit. Eine verzwickte Geschichte, in die ein Sonderermittler des Rathauses eingebunden ist, in der es verschiedene Versionen gibt und bei der es laut des Anwalts des Beschuldigten kein strafrechtliche relevantes Verhalten gebe. Und über die von Vacano und Eisenhardt wenig sagen dürfen. Und doch hat sie natürlich Folgen für ihre Arbeit. Von außen habe man das Bewerbungsverfahren für die Stände auf dem Wasen analysieren lassen, es habe nichts zu beanstanden gegeben.
So weit das Formale. Doch muss man sich einen Festplatz als großen Dorfplatz vorstellen, es wird getratscht, geratscht und geklatscht. So hat jeder ganz viele Geschichten und Beobachtungen parat, meist mit sich selbst oder Kollegen in der Hauptrolle, ganz sicher hat aber jeder eine Meinung. Das alles zu moderieren, schnell zu reagieren, flexibel zu sein, dabei beim Handeln im Blick zu haben, dass Entscheidungen im Zweifel gerichtsfest sein müssen, ist eine Herausforderung. Die Schaustellerzeitung „Komet“ hat als Sprachrohr der Branche denn auch schon mal den Anspruch formuliert: „Wer solche Feste beschickt, braucht Verlässlichkeit, faire Entscheidungen und klare Ansprechpartner. Für Schausteller und Marktkaufleute ist Klarheit kein Wunsch, sondern Voraussetzung!“
Nun hat Eisenhardt schon zweimal das Historische Volksfest organisiert, er kennt also seine Pappenheimer. „Natürlich werden wir Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen, da braucht es eine klare Kommunikation“, sagt er. Die will auch von Vacano pflegen. So macht er keinen Hehl daraus, dass es ihm nicht gefallen hat, dass die Pressekonferenz des Frühlingsfestes von den Klagen der Wirte und Schausteller überlagert worden ist. Und so nicht die Botschaft vom „weltgrößten Frühlingsfest“ durchgedrungen ist. Aber beim Volksfest werden sie einen neuen Anlauf nehmen. Da will man den Slogan „zweitgrößtes Volksfest der Welt“ verankern. Mal schauen, was sie bei der Cranger Kirmes sagen, die ähnlich groß ist.
„Bei allem Respekt, aber die Geschichte unserer Volksfestes ist doch weitaus interessanter als die des Oktoberfestes.“ Guido von Vacano, Wasen-Chef
Man mag das für banal und bloße Zahlenspielerei halten, tatsächlich geht es von Vacano darum, selbstbewusster darauf zu schauen, was man hat. „Das sind herausragende Feste, mit besonderem Stellenwert für die Stadt, die Region und das Land“. Emotional und ökonomisch. „Bei allem Respekt, aber die Geschichte unserer Volksfestes ist doch weitaus interessanter als die des Oktoberfestes.“ Und das gelte es zu betonen, was man künftig auch weitaus prägnanter tun möchte. Das Oktoberfest ist ja eine aus den Fugen geratene Hochzeitsparty. Während das Volksfest als Erntedankfest nach überstandener Hungersnot für den Aufbruch ganz Württembergs in die Moderne steht. „Diese Geschichte wollen wir platzieren.“
Und gleichzeitig die Feste internationaler verankern. Wozu es nötig sei, gemeinsam voranzugehen. Alle Beteiligten. Mit Stuttgart-Marketing arbeitet man an einer einheitlichen Marketingstrategie, bei der Größe dann halt doch zählt. Sprich, größtes Frühlingsfest, zweitgrößtes Volkfest, das will man ins Schaufenster stellen. Nützt aber nichts, wenn es keine Direktflüge gibt oder das Reservieren schwierig ist. Da soll es nun eine einheitliche Buchungsplattform für die Zelte geben, so dass man sich in Großbritannien oder den USA nicht durch zig Seiten klicken müssen. Von Vacano: „Und für den Flughafen müssen wir so interessant werden, dass die sagen, wegen dem Volksfest bieten wir Flüge an.“ In Sachen Selbstbewusstsein gehen sie also voran.
In der Hoffnung, dies färbt ab. Und dass sich auch die Wirtschaft bekennt zu den Festen. Und man nicht in die Logen der Zelte schleicht, in der Hoffnung, nicht beim Müßiggang und Feiern erwischt zu werden. Aber es muss ja nicht immer eine Maß und ein Göckele sein. Manchmal tut es auch eine Portion Pommes.