Eintopf statt leerem Magen – bei Kühlungsausfällen im ICE bietet der DB-Konzern inzwischen eine spärliche Ersatz-Speisekarte an. Das stößt nicht überall auf Begeisterung.
Die Kühltechnik in den Bord-Restaurants gilt als anfällig.
Von Thomas Wüpper
Evelyn Palla räumt auf. In der bisher noch üppig besetzten Berliner Konzernzentrale am Potsdamer Platz will die neue Chefin der Deutschen Bahn AG mit Streichungen satte 500 Millionen Euro einsparen – und drei Sofortprogramme sollen den Service für geplagte Reisende verbessern, auch in den Zügen. Defekte Toiletten, ausgefallene Klimaanlagen, verschmutzte Wagen, neben den Rekordverspätungen und Zugausfällen geriet die DB vielfach auch wegen Komfortmängeln an Bord in die Kritik. Manches ist schon besser geworden.
Bessere Leistungen des größten Staatskonzerns will auch Patrick Schnieder sehen. Der Bundesverkehrsminister hat in seiner „Agenda für zufriedene Kunden“ vorigen September die Ziele vorgegeben. Eines davon: attraktive und verlässliche Speisenangebote an Bord. Allzu häufig hören Fahrgäste die Durchsage: „Im Bordrestaurant gibt es heute leider nur ein eingeschränktes Angebot aus technischen Gründen.“ Das bedeutet meist, dass die Kühlung der Essensvorräte Probleme macht – und wegen strenger Hygienevorschriften nichts mehr davon den Gästen serviert werden darf .
Kritik der Bahngäste
„Schon wieder nur Instant-Nudeln, obwohl wir Hunger hatten!“ – so lesen sich dann die Online-Kommentare enttäuschter Fahrgäste, die sich vergebens auf die ansonsten recht große Auswahl warmer Gerichte in den Restaurants und Bistros der mehr als 400 ICE-Züge gefreut haben. Statt „Hähnchen Tikka Masala mit Basmatireis“ oder „Thai Curry mit Shiitake-Pilzen, Gemüse & Basmatireis“ bei Tempo 250 und schöner Aussicht am Fensterplatz gab es dann manchmal nur Brötchen – oder im schlimmsten Fall überhaupt nichts zu essen.
Seit Jahrzehnten gehören ausgefallene Geräte in der Bordküche zu den Klassikern der Mängelliste, die Fahrgäste gehörig nerven. Die Kühltechnik gilt als anfällig, Reparaturen und die Beschaffung von Ersatzteilen können dauern. Im besten Fall werden Ausfälle über Nacht beim nächsten Wartungsstopp in der Werkstatt behoben, garantiert ist das nicht.
Ersatz-Speisekarte mit bescheidener Auswahl
Mit der Amtsübernahme von DB-Chefin Palla haben sich die Fernverkehr-Strategen etwas einfallen lassen: Seit Oktober wird bei Technik-Havarien in der Bordküche eine Ersatz-Speisekarte verteilt mit Angeboten, die auch ohne kühlpflichtige Zutaten möglich sind. Die Auswahl an warmen Gerichten ist bescheiden und wird Feinschmecker nicht vom Hocker reißen: Es gibt Kartoffeleintopf mit Speck und Bio-Brötchen (12,50 Euro) sowie Chili con Carne vom Rind oder Huhn (12,50 Euro) sowie Instant-Nudeln „Ramen Style“ (4,20 Euro). Und das war’s auch schon.
Mit der fixen Ersatzkarte könne man nun auch bei Kühlungsproblemen „ein Sortiment anbieten, das alle Menükategorien abdeckt“, heißt es bei DB Fernverkehr. Wie oft die Ausfälle vorkommen, lässt eine Sprecherin offen. Die Ersatz-Karte stößt nicht überall auf Begeisterung. Die Technikprobleme habe der Konzern „jetzt also scheinbar institutionalisiert und eine eigene Karte dafür produziert“, spottet eine Bahn-Kundin. Das systematisch auftretende Problem werde „nicht gelöst, sondern in eine eigene Menükarte gegossen“ – was einiges über das Selbstverständnis des Konzerns verrate.