Neuer Minister

Wer ist der neue Justizminister ?

Moritz Oppelt freut sich auf sein neues Amt. Hiesige Parlamentarier seien freundlicher und positiver gestimmt als in Berlin.

Wer ist der neue Justizminister ?

Moritz Oppelt mit Freund und Parteikollege Manuel Hagel

Von Ulrike Bäuerlein

Wer Kultusminister in Baden-Württemberg wird, muss kein Lehrer sein. Undenkbar ist eine fachfremde Besetzung allerdings im Justizministerium. Dort wird der oder die Neue an der Hausspitze zum Amtsantritt von den Prädikatsjuristen im Haus fachlich vermessen. Der Jurist und CDU-Politiker Moritz Oppelt, vor gut zwei Wochen als neuer baden-württembergischer Justizminister vereidigt, dürfte dieser stillen Prüfung gelassen entgegensehen.

Juristisch verfügt der 37-Jährige, der aus Neckargemünd bei Heidelberg stammt und dort mit Ehefrau und drei kleinen Kindern lebt, über einen standesgemäßen Lebenslauf. „Ich wollte schon immer Jurist werden. Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt - ich fand die ganzen Tätigkeiten schon immer spannend und interessant“, sagt Oppelt im Gespräch. Die Vorbilder hatte er in der Familie: Vater und Onkel, beide Juristen, führen heute jeweils ein Notariat. Oppelt schloss in Mannheim sowohl ein Jura- als auch ein Betriebswirtschaftsstudium ab, mit beiden juristischen Staatsexamina und einem Bachelor als Unternehmensjurist. Danach war er in Führungsfunktionen in der Finanzverwaltung tätig, etwa bei der Steuerfahndung. Noch heute schwärmt er vom Teamgeist und Engagement der Kollegen dort.

Morgens Kabinett, abends Kinderwagen

Was hat er bei der Steuerfahndung mit Blick auf die Mitmenschen gelernt? „Vielleicht, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass sich alle an die Regeln halten“, sagt Oppelt nach einigem Nachdenken. „Und dass es notwendig ist, dass der Staat diese Regeln mit Zähigkeit und Akribie und auch mit einer gewissen Härte durchsetzt, weil sich sonst manche Leute darüber hinwegsetzen. Eigentlich sollte man meinen, dass jeder an einer Grundgerechtigkeit interessiert sein müsste. Das ist aber nicht der Fall.“

Schließlich aber wurde es für Moritz Oppelt, der schon seit Schülertagen für die Junge Union aktiv war und sein Engagement später im JU-Landesvorstand fortsetzte, doch ernst mit der Politik.

2021 kandidierte er für den Bundestagswahlkreis Rhein-Neckar, holte knapp das Mandat. Als er im Herbst 2021 den CDU-Bezirksvorsitzenden Peter Hauk in Nordbaden ablöste, zählte Oppelt damit bereits zu den CDU-Topleuten im Südwesten. 2025 kandidierte er erneut für den Bundestag – wurde aber Opfer des neuen Bundestagswahlrechts: Er gewann seinen Wahlkreis Rhein-Neckar, verfehlte aber hauchdünn das Mandat. Seitdem war Oppelt in einer Mannheimer Kanzlei als Rechtsanwalt tätig, Schwerpunkt Insolvenz- und Steuerrecht - bis ihn CDU-Landeschef Manuel Hagel jetzt ins Kabinett holte.

Der Kontakt reicht weit zurück. „Moritz und ich kennen uns jetzt seit bald 20 Jahren und sind wirklich gute Freunde. Damals waren wir gemeinsam in der Jungen Union, heute sind wir beide junge Familienväter“, so Hagel. Vor 20 Jahren habe er mit Oppelt darüber diskutiert, wie Wahlplakate am besten am Lichtmast halten, „heute darüber, wie der Kinderwagen am besten ins Auto passt. Morgens Kabinett, abends Kinderwagen.“

Oppelt selbst sieht dem neuen Job mit großer Freude, aber auch mit großem Respekt entgegen. „Es ist eine Riesenehre, ein solches Amt ausfüllen zu dürfen.“ Mit seiner Bundestagserfahrung ist er in der Landesregierung nicht allein – auch Regierungschef Cem Özdemir und die Minister Danyal Bayaz und Andreas Jung kennen das Berliner Parkett. Einen Unterschied im Vergleich zur Bundeshauptstadt hat Oppelt sofort positiv registriert: „Hier im Landtag ist es familiärer. Insgesamt empfinde ich die Menschen in Baden-Württemberg als freundlicher und grundsätzlich positiver gestimmt. Man grüßt sich. Das schafft ein schönes Wir-Gefühl. Dieser Zusammenhalt und der Wille, gemeinsam für Baden-Württemberg in den nächsten fünf Jahren etwas zu hinzubekommen, ist spürbar. Im Vergleich dazu sind im Bundestag die Parteiinteressen viel stärker ausgeprägt.“

Genügsamer Wassertrinker

Oppelt tritt stets zugewandt auf, Weggefährten bescheinigen ihm Bodenhaftung. Statusinsignien seien ihm fremd. Dass Oppelt zudem mit einem sehr bescheidenen Maß an Komfort auskommt, davon zeugt eine Anekdote, die sein CDU-Parteifreund und Weggefährte Alexander Föhr erzählt. Der Heidelberger, der wie Oppelt 2025 seinen Bundestagswahlkreis gewann, das Mandat aber durch das Wahlrecht verpasste, wohnte in Berlin in einer WG mit Oppelt zusammen. „Als ich einzog, lebte Moritz schon eineinviertel Jahre in der Wohnung. Ich habe erst einmal den Kühlschrank gesucht, aber keinen gefunden. Moritz hat nur Wasser mit Zimmertemperatur getrunken, mehr brauchte er nicht.“

Oppelt lacht heute darüber, er sei in die Wohnung ohnehin nur zum Schlafen gekommen, sagt er. Einen Koffer oder ein Zimmer in Berlin hat er nicht mehr. Aber er freue sich darauf, künftig das Land in Berlin auch im Bundesrat vertreten zu können. Dann dürfte Moritz Oppelt bei Bedarf in einem Gästezimmer in der Landesvertretung unterkommen. Inklusive Kühlschrank. Womöglich sogar befüllt.