Der digitale Euro nimmt eine wichtige Hürde. Der zuständige Ausschuss des Europaparlaments stimmt für die Einführung der virtuellen Währung.
Große Geldbündel gehören der Vergangenheit an. In nicht allzu ferner Zukunft soll auch mit dem digitalen Euro bezahlt werden können.
Von Knut Krohn
Der Satz gehört zum Standardrepertoire von Damian Boeselager: „Nein, das Bargeld wird nicht abgeschafft!“ Der Europaabgeordnete (Volt) weiß, dass gerade die Deutschen am Bezahlen mit Scheinen und Münzen hängen und viele die geplante Einführung des digitalen Euro kritisch sehen. Die Händler würden sogar gesetzlich verpflichtet, weiter Bargeld anzunehmen, betont Boeselager, der am Dienstag im Finanzausschuss des Europaparlaments dafür stimmte, die Einführung weiter voranzutreiben. Wenn die Verhandlungen mit den 27 EU-Mitgliedstaaten gut laufen, könne ab dem 1. Januar 2029 mit dem digitalen Euro bezahlt werden, schätzt der Volt-Abgeordnete.
Digitaler Zwilling des Bargeldes
Auch die Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Skepsis der Bürger vorausgeahnt. Sie hat das Konzept des digitalen Euro schon vor sechs Jahren entwickelt und bezeichnet ihn als „digitalen Zwilling des Bargeldes“ - zwei Dinge also, die zusammengehören und gleichberechtigt nebeneinander existieren. Dabei ist die Entwicklung im Alltag eindeutig. „Der Trend hin zu bargeldlosen Zahlungen setzt sich fort“, sagte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz in Frankfurt in diesen Tagen bei der Vorstellung einer Studie zum Zahlungsverhalten der Deutschen. Im Jahr 2025 zahlten die Menschen in mehr als der Hälfte der Fälle bargeldlos (55 Prozent). Im Jahr 2023 lagen Barzahlungen in Deutschland noch mit 51 Prozent vorn, 2008 waren es sogar 83 Prozent.
Der digitale Euro vereint nach Aussagen der Befürworter zwei Vorteile: das Bezahlen sei so anonym wie mit Bargeld und so bequem wie mit Karte. Benötigt wird lediglich eine digitale Geldbörse (Wallet), in der das Geld vorher virtuell abgespeichert wird. Für die Bank ist es derselbe Vorgang, als würde der Kontoinhaber das Geld an einem Automaten abheben. Auf diese Weise können Bezahlvorgänge auch ohne Internetzugang direkt zwischen Käufer und Verkäufer getätigt werden, ohne dass irgendwelche Daten gespeichert werden. „Was im Portemonnaie niemanden etwas angeht, darf auch im digitalen Raum niemanden etwas angehen“, betont der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber, wirtschaftspolitischer Sprecher der konservativen EVP-Fraktion. „Das Europäische Parlament hat sichergestellt, dass hoher Datenschutz von Anfang an in der Architektur verankert ist.“
Das Geld kommt in das digitale Portemonnaie
Verhandelt werde muss allerdings noch, wie viel Geld in die virtuelle Geldbörse geladen werden darf. Um Gefahren für die Finanzstabilität und möglichem Missbrauch vorzubeugen wird es ein Limit geben. „Angemessen ist das, was man höchstens als Bargeld im Portemonnaie hat, also vielleicht 500 bis 1000 Euro“, schlägt Markus Ferber vor. In den Augen von Damian Boeselager bietet der digitale Euro nicht nur den Verbrauchern, sondern auch den Geschäftsleuten entscheidende Vorteile. In der Regel müssten kleine Händler bei Zahlungen mit der Kreditkarte hohe Gebühren berappen, die sollen beim digitalen Euro geringer sein. Nach den bisherigen Plänen soll der digitale Euro nicht nur über Apps funktionieren. Die EZB betont, dass er möglichst für alle nutzbar sein soll. Diskutiert werden etwa Kartenlösungen, damit Menschen ohne Smartphone den digitalen Euro nutzen können.
Ein ganz anderes Argument hat für die Europäische Zentralbank inzwischen deutlich an Gewicht gewonnen. Sie betont die große Abhängigkeit europäischer Kunden von US-Zahlungsdienstleistern wie Mastercard, Visa oder Paypal. „Wir müssen auch in Europa Zahlungssysteme haben, die souverän sind“, ist Damian Boeselager überzeugt. Der digitale Euro sorge dafür, „dass wir widerstandsfähiger und nicht erpressbar sind“.
Trump dreht den Geldhahn einfach zu
Wie schnell diese Abhängigkeit gefährlich werden kann, demonstrierte Donald Trump, als er Nicolas Guillou einfach den Geldhahn abdrehen ließ. Der Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag hatte einen Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu im Zusammenhang mit dem israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen erlassen. Deshalb drängte Trump US-Zahlungsdienstleister dazu, die Kreditkarten des Richters zu sperren, was diese auch taten. Nicolas Guillou konnte also kein Hotelzimmer mehr buchen oder ein Auto ausleihen. Ein solcher Schritt wäre nach der Einführung des digitalen Euro nicht mehr möglich.