Schaden in Billionenhöhe

Wie die zehn Prozent Reichsten die Umwelt zugrunde richten

Allein durch ihren Konsum verursachen die reichsten zehn Prozent der Menschheit enorme Umweltschäden – und werden kaum zur Verantwortung gezogen. Sie leben vor allem auf zwei Kontinenten.

Wie die zehn Prozent Reichsten die Umwelt zugrunde richten

Klimaschädlicher Luxus: Multimillionärs- und Milliardärs-Yachten liegen im Hafen des Fürstentums Monaco vor Anker.

Von dpa/Markus Brauer

Erderwärmung, Artensterben, Süßwasserverbrauch: Die reichsten zehn Prozent der Erdbevölkerung tragen deutlich überproportional zur Zerstörung der Umwelt bei.

Nur durch ihren Konsum verursacht dieses Zehntel pro Jahr Umwelt- und Klimaschäden in Höhe von schätzungsweise zwischen 1,7 und 5,7 Billionen US-Dollar (rund 1,5 bis 4,9 Billionen Euro), wie Forscher der niederländischen Universität Leiden und der englischen Universität Oxford im Fachjournal „Communications Sustainability“ berechnen.

Folgen des Konsums für planetare Belastungsgrenzen

Die Verursacher sollten daher vermehrt in die Pflicht genommen werden, mahnen die Wissenschaftler.

„Auch wenn es mir unangenehm ist, der Umwelt einen Preis zuzuweisen – der wahre Wert der Natur ist unermesslich –, machen Geldbeträge das Ausmaß der Schäden und der Verantwortung der obersten 10 Prozent deutlich“, erläutert Hauptautorin Inge Schrijver aus Leiden. „Die Schadenssumme ist höher als die Mittel, die weltweit für Klima- und Biodiversitätsfonds benötigt werden.“

In der Studie untersuchte das Team die Folgen allein des Konsums für einige ausgewählte planetare Belastungsgrenzen:

Gut 40 Prozent der Europäer zählen zum reichsten Zehntel

Die Wissenschaftler betonen, die reichsten zehn Prozent der Menschen seien ungleich über die Erde verteilt:

Kosten umlegen nach Verursacherprinzip

„Die oberen zehn Prozent sind wichtig – nicht nur, weil sie den meisten Schaden verursachen, sondern auch, weil sie den größten Einfluss haben, ihn zu verringern“, erklärt Co-Autor Paul Behrens von der Universität Oxford. Sie entschieden mit ihren Investitionen, welche Branchen sich ausbreiteten. Und mit ihrem Lebensstil definierten sie mit, was in der Gesellschaft als normal gelte.

Das Team berechnete die Kosten des Umweltabdrucks mit Daten aus dem Jahr 2017 anhand eines Referenzhandbuchs für die Monetarisierung von Umweltschäden – dem sogenannten Environmental Prices Handbook. Die Schwankungsbreite der Zahlen spiegelt die Unsicherheit in den Schätzungen wider – insbesondere etwa für die Kosten durch den Verlust von Artenvielfalt.

Die Berechnungen betreffen lediglich die Kosten durch den Konsum, die Folgen etwa von Finanzinvestitionen wurden nicht berücksichtigt. „Das Verhalten jener zehn Prozent, zum Beispiel durch regelmäßiges Fliegen und große Autos, verursacht den Schaden“, erläutert Schrijver. Auch Fleisch essen und das Heizen mit Öl und Gas seien Beispiele.

In erster Linie müssen Schäden verhindert werden

Die Forscher sprechen sich dafür aus, die Umwelt durch Regulierungen stärker zu schützen und die Verursacher der Schäden stärker in die Pflicht zu nehmen. Eine Möglichkeit wären etwa eine Umweltsteuer oder eine Art Wohlstandsteuer.

„Würde der Verursacher zahlen und dieses Geld in Lösungen fließen, könnte das einen enormen Unterschied machen“, konstatiert Schrijver. „Gleichzeitig geht es um mehr als Geld: In erster Linie müssen Schäden verhindert werden. Deshalb sind neben finanziellen Maßnahmen auch strengere Regeln und Vorschriften entscheidend.“