Die Hitze hat den Menschen zugesetzt. Das merkten Feuerwehr und medizinische Hilfsdienste. Es wurde die Außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen.
Bei den Einsätzen leiden auch die Rettungskräfte unter den extremen Temperaturen. Im Bild ein Einsatz bei einem Flächenbrand.
Von Christine Bilger
Stuttgart - Es sind keine normalen Sommertage gewesen in der vergangenen Woche. Die extreme Hitze hat zu zahlreichen Problemen geführt. Die Feuerwehr merkte das unter anderem an der Zahl der ausgelösten Brandmeldeanlagen, die ein Feuer meldeten, wenn in manchen geschlossenen Räumen die Temperatur auf 80 Grad stieg.
„Seit Mittwoch hatten wir jeden Tag doppelt so viele Einsätze wie an normalen Tagen im Durchschnitt.“ Daniel Anand, Feuewehrsprecher
Am Wochenende hat dann eine Meldung der Feuerwehr einmal mehr allen vor Augen geführt, wie gefährlich und belastend die Hitze im Kessel ist: Es wurde eine Außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen, wie sie das Landeskatastrophenschutzgesetz vorsieht. Und ab Mittwoch habe sich abgezeichnet, dass die Gluthitze in der Stadt zu einer Anzahl an Notrufen und damit Einsätzen führt, die dieses Mittel aus dem Katastrophenschutz notwendig macht.
„Seit Mittwoch hatten wir jeden Tag doppelt so viele Einsätze wie an normalen Tagen im Durchschnitt“, sagt Feuerwehrsprecher Daniel Anand. Sonst seien es je um die 25 für die Feuerwehr und den medizinischen Rettungsdienst. „Wir sind seit Mittwoch wirklich an der Kapazitätsgrenze gewesen“, fügt er hinzu. Im Leitungsdienst habe er in der Leitzentrale „das Telefon noch nie so lange so viel klingeln hören“.
Die Außergewöhnliche Einsatzlage wird dann ausgerufen, wenn sehr viele Einsatzkräfte des Bevölkerungsschutzes gebraucht werden. So selten, wie es das Wort „außergewöhnlich“ wirken lässt, sei diese Einsatzlage dann auch wieder nicht: Als Beispiele nennt Anand das Blitzeis im Winter 2025, die Europa-League-Begegnung zwischen dem VfB Stuttgart und Maccabi Tel Aviv im Dezember, die Zeit der Fußball-Europameisterschaft der Männer im Sommer 2024 und Funde von Weltkriegsbomben, bei denen eine große Zahl Anwohnender evakuiert werden muss.
Bei 80 Grad Celsius Raumtemperatur lösen Brandmelder aus
Ausgerufen wurde die Außergewöhnliche Einsatzlage nicht gleich, als die Zahl der Notrufe stieg. Sondern erst am Wochenende, als sich die Lage noch einmal zuspitzte. „Obwohl schon zusätzliche Kräfte im Einsatz waren, haben wir uns am Wochenende erst entschieden, noch zwei zusätzliche Krankentransportwagen bereitzuhalten“, sagt der Feuerwehrsprecher. Es sei zwar erst entspannt angelaufen, aber dann wurden es wieder mehr und mehr Einsätze, sodass man am Sonntag weitere vier Wagen dazu geholt habe. „Wir hatten gehofft, der Peak wäre erreicht, aber am Samstag waren es um 18 Uhr schon 40 Einsätze.“
Dabei war auch die Herausforderung und Belastung für die Einsatzkräfte extrem. Zum Teil in schwerer Schutzausrüstung mussten sie in den Einsatz. Darunter waren auch zahlreiche Türöffnungen an völlig überhitzen Gebäuden. „Wir hatten einen Fall eines Raumes mit Glasfront, da herrschten 80 Grad Celsius“, sagt Anand. Auch bei medizinischen Notfällen mussten Wohnungstüren geöffnet werden. In der Nacht zum Montag waren dann noch Unwetterschäden wie umgeknickte Bäume und herabfallende Äste zu bearbeiten. Aber allmählich sei dann auch die Normalität zurückgekehrt.
Die Belastung der Einsatzkräfte durch die Hitze habe man versucht zu verringern. „Wir haben dafür gesorgt, dass die Leute oft durchwechseln“, sagt Anand und sie mit ausreichend Getränken versorgt. In mehreren Feuerwachen seien gekühlte Räume eingerichtet worden, mit mobilen oder fest eingebauten Klimaanlagen. „Im Einsatz haben wir auch versucht, so vorzugehen, dass sie möglichst bald den Helm und die Schutzausrüstung ablegen konnten“, sagt Anand. Die Kolleginnen und Kollegen hätten „gespiegelt, dass es ein sehr hartes Arbeiten war“.
Das berichtet auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK): Nicht nur wegen der Vielzahl der hitzebedingten Einsätze sei die Situation für die Einsatzkräfte schwierig gewesen. Sondern auch, weil die Retterinnen und Retter natürlich auch selbst mit dem Wetter klarkommen mussten. Es seien alle im Einsatz gewesen, die man habe aktivieren können, sagt Ralph Schuster, der Rettungsdienstleiter beim Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart: „Wir haben die Vorhaltung an Fahrzeugen und Einsatzkräften in Zusammenarbeit mit den anderen Rettungsorganisationen zeitweise deutlich aufgestockt.“ Glücklicherweise seien die meisten hitzebedingten Fahrten nicht kritisch gewesen.
Für die eigenen Mitarbeitenden habe man getan, was möglich sei. In der Hauptrettungswache an der Neckarstraße gebe es einen klimatisierten Raum, der für Ruhepausen genutzt werden konnte. Man habe zudem versucht, häufigere und längere Pausen zu ermöglichen. In den Gebäuden habe man mit Ventilatoren und Trinkwasserspendern gearbeitet. Eine Kollegin des Rettungsdiensts sei im Einsatz kollabiert. „Sie ist medizinisch versorgt und dann nach Hause geschickt worden“, so Schuster.
Außergewöhnliche Einsatzlage
Die Lage ist definiert durch das Katastrophenschutzgesetz des Landes. Im Katastrophenschutz unterscheidet man zwischen Bevölkerungsschutz und Zivilschutz. Bei Naturkatastrophen und Schutz vor gefährlichen Lagen greift der Bevölkerungsschutz. Dessen Einheiten sind in Stuttgart die Feuerwehr, DLRG, DRK, Johanniter und Malteser, auch das THW kann dazu geholt werden.