Weniger Lungenkrebs-Tote in der EU

Wie sich das Krebsrisiko deutlich senken lässt

Lungenkrebs bleibt die häufigste Krebstodesursache in der EU. Doch in fast allen Altersgruppen ist die Tendenz positiv.

Wie sich das Krebsrisiko deutlich senken lässt

Ein Arzt zeigt auf ein Röntgenbild einer von Krebs befallenen Lunge.

Von Markus Brauer/dpa

Die Sterberate bei Lungenkrebs geht in der Europäischen Union (EU) weiter zurück – inzwischen auch bei Frauen. Während die Sterberate bei Männern bereits seit etwa 1990 rückläufig war, stieg sie bei den Frauen bis in die 2010er Jahre weiter an, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau als bei den Männern.

Für 2026 prognostiziert eine Forschergruppe um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand (Italien) eine um Alterseffekte bereinigte Sterberate von 23 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern bei den Männern und 12 Todesfälle bei den Frauen. In Deutschland liegen die Werte bei Männern etwas höher und bei Frauen etwas niedriger. Die Studie ist im Fachmagazin „Annals of Oncology“ erschienen.

Größter Rückgang bei Jüngeren

Häufigste Krebstodesursache

„Lungenkrebs ist in der EU weiterhin die häufigste Krebstodesursache bei beiden Geschlechtern“, sagt La Vecchia. Sein Forschungsteam hat zum 16. Mal eine Voraussage für die Krebssterberaten im aktuellen Jahr für zahlreiche europäische Staaten erstellt. „Unsere bisherigen Krebssterblichkeitsprognosen für Europa haben sich als zuverlässig erwiesen“, schreiben die Experten. Sie nutzten Daten der Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen von 1970 bis 2022, um in Computermodellen Werte für 2026 zu ermitteln.

Ausnahme sind Seniorinnen

Beim Rückgang der Sterberaten gibt es eine Ausnahme: Bei Frauen im Alter von 75 Jahren oder mehr steigt die Sterberate auf 151, ein Anstieg um 19 Prozent gegenüber 2015 bis 2019. Der Trend ist in anderen EU-Staaten ähnlich.

Den Grund dafür sehen die Forscher im Rauchverhalten der Menschen. Die Männer hätten früher als die Frauen mit dem Rauchen begonnen, aber auch früher begonnen, damit aufzuhören.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die anhaltende Bedeutung des Rauchens für die Krebssterblichkeit; die Einschränkung des Tabakkonsums ist nach wie vor der Eckpfeiler der Lungenkrebsprävention und spielt auch bei der Prävention anderer Krebsarten, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine Rolle“, betont La Vecchia. Daneben hätten gesündere Ernährung und medizinischer Fortschritt zu den günstigen Prognosen beigetragen.

Positive Entwicklung auch bei anderen Krebsarten

Denn die rückläufigen Zahlen gelten, mit wenigen Ausnahmen, auch für andere Krebsarten:

Um die Sterberaten bei Krebserkrankungen weiter zu reduzieren, empfehlen die Studienautoren: „Eine Verschärfung der Tabaksteuer, die Umsetzung von Werbeverboten, die Schaffung rauchfreier Umgebungen und die Bereitstellung von Unterstützung bei der Raucherentwöhnung sind unerlässlich, um regionale und sozioökonomische Unterschiede zu verringern und eine nachhaltige Senkung der Krebssterblichkeit in ganz Europa zu erreichen.“

Darüber hinaus blieben die Bekämpfung von Übergewicht, die Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten, die Kontrolle des Alkoholkonsums sowie der Ausbau und die Verbesserung der Durchführung von Bevölkerungsscreenings zur Früherkennung von Gebärmutterhals-, Brust- und Darmkrebs wichtige Strategien in der Krebsprävention, betonen die Wissenschaftler.

Übergewicht wird oft unterschätzt

Dass Rauchen krebserregend ist und vor allem Lungenkrebs verursacht, ist hinlänglich bekannt. Zigaretten haben laut Studien den mit Abstand stärksten Einfluss auf das vermeidbare Krebsrisiko.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg weist aber darauf hin, dass bei fettleibigen Menschen erheblich häufiger Brustkrebs nach den Wechseljahren und Darmkrebs auftreten als bei normal-gewichtigen Menschen.

Bei Gebärmutter- und Nierenkrebs oder bei Karzinomen der Speiseröhre sei sogar fast die Hälfte aller Fälle durch Adipositas, also Fettleibigkeit, bedingt. Dabei gilt: Je stärker ausgeprägt die Fettleibigkeit, desto höher das Krebsrisiko.

Individuelles Risiko senken

„Die Prozentanteile in den Studien sind immer auf die Gesamtbevölkerung bezogen“, erläutert Ute Mons, Leiterin der Abteilung Primäre Krebsprävention des DKFZ. „Trotzdem kann man sagen: Wenn sich jemand individuell gesünder verhält, kann diese Person das eigene Krebsrisiko senken.“ Jemand, der raucht, habe ein 20-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko im Vergleich mit jemandem, der nicht raucht.

Dabei sei es nie zu spät für einen gesünderen Lebenswandel. „Je früher man mit etwas aufhört, desto früher reduziert man sein Risiko“, erklärt Mons. Zur Wahrheit gehöre aber auch. „Selbst eine Person, die komplett gesund lebt, kann an Krebs erkranken. Da spielt immer ein gewisser Zufall eine Rolle. Doch das Risiko, dass im Körper was falsch läuft, steigt bei Personen, die ungesund leben.“

Auch Impfungen können gegen Krebs schützen

Zu den vermeidbaren Faktoren gehören nicht nur Dinge, die zu einem ungesunden Lebenswandel gehören, sondern auch einige Infektionen wurden mit aufgenommen, weil beispielsweise dagegen geimpft werden kann.

„Es gibt wirksame Impfstoffe gegen das Hepatitis-B-Virus, das Leberkrebs verursacht, und gegen HPV, das mehrere Krebsarten verursachen kann“, erläutert der US-Onkologe Ahmedin Jemal. Zu den Krebsarten durch HPV zählt er Gebärmutterhalskrebs sowie Krebs der äußeren Genitalien und der Analregion sowie Mund- und Rachenkrebs.

Mehr als 500.000 neue Krebserkrankungen pro Jahr

Krebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Jedes Jahr erkranken mehr als 500.000 Menschen neu an Krebs, mehr als 220.000 sterben daran.

Frauen erkranken vor allem an Brustkrebs (31 Prozent aller Krebsfälle bei Frauen), Darmkrebs (11 Prozent) und Lungenkrebs (10 Prozent), Männer an Prostatakrebs (25 Prozent), Lungenkrebs (13 Prozent) und Darmkrebs (12 Prozent).

In der Tendenz steigen diese Zahlen, was unter anderem damit zusammenhängt, dass die Bevölkerung älter wird.