Die Schriftstellervereinigung PEN Berlin bietet im Land 22 Veranstaltungen, bei denen es um eine spannende Frage geht: „Ist das noch/schon mein Land? Reden wir über Heimat!“
Fasnet mit den „Schlossberg-Hexa“ Vöhringen
Von Tim Schleider
Am Montag der Auftakt im Nationaltheater in Mannheim, am Freitag schon die dritte Runde im Salmen in Offenburg, Sonntag dann gemeinsamer Auftritt mit der Narrengilde in Lörrach, die Woche drauf am Mittwoch Abstecher in die Kulturcaserne in Friedrichshafen – es ist ein Mammutprogramm, das der PEN Berlin auf die Beine gestellt hat, um vor den Landtagswahlen am 8. März den Bürgern im Südwesten ein Debattenforum zu bieten. „Ist das noch/schon mein Land? Reden wir über Heimat!“ lautet das Motto für sagenhaft viele, nämlich 22 Abendveranstaltungen in großen und kleinen Städten, die nun bis zum 25. Februar Schlag auf Schlag stattfinden sollen.
Wo ist die Sicherheit geblieben?
„Ob es die Angst vor den Rechten und Linken ist, die Angst vor unkontrollierter Einwanderung, die Angst vor steigenden Mieten, dann aktuell vor allem die Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang – Ängste bestimmen gerade das Lebensgefühl vieler Menschen“, erläuterte Deniz Yücel, der Sprecher von PEN Berlin, in einem SWR-Interview das Anliegen. „Der Schriftsteller Jean Améry hat einmal geschrieben, Heimat bedeute das Gefühl von Sicherheit. Wenn das stimmt, dann haben wir aktuell ein Problem. Dann müssen wir bereden, warum und was genau uns die Heimat nicht mehr vertraut erscheinen lässt.“
Das besondere an den PEN-Veranstaltungen soll dabei sein, dass es nicht nur ein prominent besetztes Podium gibt, sondern von Anfang an auch das Publikum die Diskussion mitführen soll. „Das Publikum soll nicht einfach nur zum Schluss noch schnell ein, zwei Fragen stellen dürfen, sondern wird von Anfang an gleichberechtigt einbezogen.“ So werden in Offenburg eben nicht nur die Theaterautorin Annette Müller und der Schriftsteller Feridun Zaimoglu miteinander diskutieren, in Lörrach die Journalistinnen Doris Akrap und Julia Ruhs, in Weingarten der Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann und die Autorin Dana Grigorcea oder in Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer und der Publizist Jens Bisky – sondern der ganze Saal soll aktiv mit von der Partie sein.
Im Osten hat das schon gut geklappt
Kann so etwas funktionieren? „Im Osten hat es funktioniert“, meint Yücel selbstbewusst. 2024 hat der PEN das Format in Sachsen, Thüringen und Brandenburg bereits vor den dortigen Landtagswahlen erprobt; da lautete das Motto noch „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“. Nun gibt es 2026 mit Unterstützung von Bundestag und Kulturstaatsminister, aber auch von der Leibinger- und der Wüstenrot Stiftung eine Neuauflage in Baden-Württemberg. Im Verlauf des Jahre wird es ähnlich nach Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gehen, denn überall dort stehen in diesem Jahr ebenfalls Landtagswahlen an.
Besteht aber nicht trotzdem die Gefahr, dass die Abende selbst aus dem Ruder geraten und so nur zum Spiegelbild einer gespaltenen Gesellschaft werden? Deniz Yücel sieht das anders: „Ich finde das Wort von der gespaltenen Gesellschaft komisch. Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft; es ist völlig normal, dass es da sehr verschiedene, kontroverse Meinungen gibt. Das hat mit Spaltung nichts zu tun.“ Was tatsächlich unheilvoll gespalten sei, „das ist die Öffentlichkeit, die öffentlich geführte Debatte.“ Hier lauere eine existenzielle Bedrohung für die Demokratie, wie man es überall dort beobachten könne, wo liberale Staaten zu autoritär geführten Systemen geworden seien.
Veranstaltungen (eine Auswahl) Am 9. Februar: Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und die Autorin Dana von Suffrin in der Oberhofenkirche in Göppingen. Am 19. Februar: die Ex-AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar und die Digitalunternehmerin Lisa Dengler im Kulturhaus Osterfeld in Pforzheim. Am 20. Februar: der aus Syrien stammende Bürgermeister Ryyan Alshebl und der Autor Frédéric Schwilden auf der Kleinen Bühne in Calw. Am 22. Februar: der Autor Jens Bisky und Oberbürgermeister Boris Palmer in der Kunsthalle Tübingen. Am 24. Februar: die Autorin Jovana Reisinger und der ARD-Journalist Georg Restle im Komma in Esslingen. Am 25. Februar: die Autorinnen Özge Inan und Eva Menasse im Literaturhaus Stuttgart. Alle Termine und weitere Infos unter www.penberlin.de/heimat_bw