Zusammenstoß zweier Züge am 28. Oktober in Spanien.
Von Michael Maier
Der spanische Zivilschutz hat die Zahl der Todesopfer nach der Zugkollision bei Toledo auf 46 beziffert, bevor sich die Summe am Nachmittag nach offiziellen Angaben dann auf 64 erhöhte. Am Morgen hatte die Regionalregierung zunächst mindestens zehn Tote genannt, was dann am Mittag auf „mindestens 30“ angepasst wurde.
Die unterschiedlichen Zahlen sorgten am Vormittag für Verwirrung. Die Sprecherin der Regionalregierung von Castilla-La Mancha hatte bei ihrer ersten von Agenturen zitierten Erklärung aber bereits ausdrücklich vor einem Anstieg der Opferzahl gewarnt. Mit der zwischenzeitlich vorliegenden Bestätigung vom Zivilschutz (Protección Civil) gegenüber verschiedenen spanischen Medien lag der vorläufige Stand bei 46 Toten. In einigen Berichten war frühzeitig von „mindestens 50 Todesopfern“ die Rede.
Spanien: Insgesamt 544 Menschen im Zug
Bei dem Unglück kollidierten ein AVE und ein Iryo-Zug im Bereich der Station Urda auf halber Strecke zwischen Toledo und Ciudad Real. Die beiden Züge stießen um 8.54 Uhr wohl bei Tempo 100 zusammen, zwei Iryo-Waggons wurden aus dem Gleisbett geschleudert. Im AVE waren nach Renfe-Angaben 397 Passagiere unterwegs, im Iryo 147.
Feuerwehr, Zivilschutz und medizinische Einsatzkräfte wurden zum Unfallort geschickt, darunter drei Rettungshubschrauber. Der Verkehr auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Andalusien ist unterbrochen. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. In Regierungskreisen war laut spanischen Medien von mutmaßlichem „menschlichem Versagen“ eines Stellwerksmitarbeiters die Rede, nachdem zunächst die automatische Signaltechnik ausgefallen sei.
Vor den Parlamentswahlen am 29. November hat das Thema auch eine politische Komponente, da es Streit um den Zustand der Infrastruktur gibt. Bereits im Januar waren beim Bahnunglück von Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen und 120 verletzt worden.
Ein von langer Hand für Donnerstag, 29. Oktober, vorbereiteter Streiktag der Lokführer, mit dem gegen mutmaßlich marode Infrastruktur und Sicherheitsmängel protestiert werden sollte, wird nun vollkommen im Zeichen der Trauer stehen.
Zwei Iryo-Waggons sollen beim Aufprall mit Tempo 100 von der Strecke geschleudert worden sein.