Rettungsteams sind unterwegs, doch die Zeit wird knapp für Überlebende. Krankenhäuser, Wohnanlagen und Straßen wurden bei dem Doppel-Erdbeben schwer beschädigt.
Die offizielle Opferzahl steigt weiter.
Von dpa
Caracas/New York/Berlin - In Venezuela sind die Bergungsarbeiten nach den schweren Erdbeben zu einem Wettlauf gegen die Zeit geworden. Knapp einen Tag nach der Katastrophe sind offiziell mindestens 200 Menschen immer noch unter den Trümmern verschüttet, wie der Präsident der Nationalversammlung Jorge Rodríguez mitteilte. Die bestätigte Totenzahl stieg auf 188 weiter, mehr als 1.500 Menschen wurden verletzt.
Die Bundesregierung sowie auch andere Länder wollen dem südamerikanischen Land in Not schnell Hilfe leisten. "Dafür stehen Hilfsgüter, wie etwa Wasserfilter, Feldbetten, Zelte oder Generatoren bereit", teilten das Auswärtige Amt und das Verteidigungsministerium nach einer koordinierenden Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung mit. Internationale Such- und Rettungsteams, darunter aus den USA, sollen die Bergungsarbeiten unterstützen.
Das Technische Hilfswerk (THW) schickt knapp 50 Hilfskräfte in das Katastrophengebiet. Im Vordergrund stehe aktuell die Bergung und Rettung von verschütteten Personen aus zerstörten Gebäuden, teilte das THW mit. Zu der Schnell-Einsatz-Einheit gehörten vier Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund. Der Abflug des THW-Teams war für Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen aus mit einer Bundeswehr-Maschine geplant.
Nach Angaben des stellvertretenden deutschen Botschafters in Venezuela, Stephan Wendt, wurde auch das deutsche Botschaftsgebäude beschädigt. "Wir können aktuell nicht vom klassischen Botschaftsgebäude aus arbeiten. Wir befinden uns aktuell in der deutschen Residenz, arbeiten von dort aus", sagte er im heute journal des ZDF. "Auch einigen Kolleginnen und Kollegen ist es momentan nicht möglich zurückzukehren in ihre eigene Wohnung, es haben ja auch einige in der Residenz übernachtet auf Feldbetten."
UN-Generalsekretär António Guterres sprach Betroffenen und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und der Regierung sowie der Bevölkerung Solidarität zugesichert. "Der Generalsekretär ist tief betroffen über die Todesopfer und die weit verbreitete Zerstörungen", teilte der Sprecher Stéphane Dujarric in New York mit.
"Die Vereinten Nationen in Venezuela, einschließlich des humanitären Länderteams, mobilisieren Hilfe und arbeiten eng mit der Regierung und unseren Partnern zusammen, um die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen", so Dujarric. Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) koordiniere zudem den Einsatz von Such- und Rettungsteams für städtische Gebiete.
Das US-Außenministerium kündigte derweil an, zusätzlich zur logistischen Unterstützung 150 Millionen Dollar an Hilfsgeldern zu mobilisieren. 100 Millionen davon sollen direkt an das UN-Büro OCHA gehen.
Mehrere Krankenhäuser wurden beschädigt
Laut dem Präsidenten der Nationalversammlung wurden neben zahlreichen Wohngebäuden auch acht Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen beschädigt. Es sei die schwerste Naturkatastrophe, die Venezuela in den vergangenen 30 Jahren erlebt habe, sagte Rodríguez. Der Bruder der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez kündigte an, dass die Staatschefin in das besonders betroffene Katastrophengebiet La Guaira in Norden des Landes gereist sei.
Nach den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwochabend (Ortszeit), die sich im Abstand von nur 39 Sekunden ereigneten, geben die Rettungskräfte die Hoffnung nicht auf. Dutzende Menschen konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden, darunter zwei verletzte Kleinkinder in La Guaira, deren Mutter nach Angaben örtlicher Fernsehsender noch vermisst wird.
Auf Internetseiten, die nach den Beben eingerichtet wurden sowie in sozialen Medien kursierten Listen mit den Namen von Menschen, die von ihren Familien gesucht werden. Demnach galten am Tag nach der Katastrophe rund 12.000 Menschen als vermisst - verifizieren lassen sich diese Daten jedoch nicht.
Die Beben ereigneten sich gegen 18.00 Uhr Ortszeit an einem Feiertag. Viele Menschen waren daher zu Hause oder hielten sich im Freien auf. Auf den beiden Hauptbeben folgten laut Behörden mindestens 138 Nachbeben.
Auch politisch turbulente Zeiten für das südamerikanische Land
Nach den Beben fiel vielerorts die Strom- und Wasserversorgung aus, auch das Mobilfunknetz und das Internet funktionierten zeitweise nicht, wie Bewohner berichteten. Der Zugverkehr wurde eingestellt, der internationale Flughafen wurde wegen Schäden geschlossen. Auch die U-Bahn in Caracas stellte den Betrieb ein. Schulen blieben auch geschlossen.
Das erdölreiche Land erlebt turbulente politische Zeiten. Im Januar hatte das US-Militär den Machthaber Nicolás Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht. Rodríguez ist geschäftsführend im Amt.
UN-Generalsekretär António Guterres hat Opfern und deren Angehörigen sein Beileid ausgesprochen.
Zahlreiche Menschen benötigen Hilfe.
Mindestens 250 Gebäude sind eingestürzt oder wurden beschädigt.
Viele beschädigte Gebäude sind nun unbewohnbar.
Menschen machen sich Sorgen um ihre Zukunft.