Schieber will wieder richtig durchstarten

Fußballprofi aus Weissach im Tal brennt nach der erneuten langen Verletzungspause auf sein Bundesliga-Comeback für Berlin

„Ich will es noch einmal wissen, ich bin immer noch gierig.“ Fußballprofi Julian Schieber aus Weissach im Tal steckt auch nach der erneuten langen Verletzungspause weiterhin voller Tatendrang und hofft, bei Hertha BSC Berlin möglichst bald zu seinem ersten Bundesligaeinsatz seit elf Monaten zu kommen. Eine kleine Überraschung wäre es, wenn es schon morgen um 15.30 Uhr in der Heimat beim VfB Stuttgart so weit sein sollte.

Steckt voller Tatendrang und will als Joker in der Rückrunde noch wichtige Tore für die Hertha erzielen: Julian Schieber (rechts).Foto: Imago

Von Steffen Grün

Seit Ende Februar 2015 stehen für Julian Schieber nur 24 Bundesligaspiele in der Statistik. Zweimal stoppte ihn ein Knorpelschaden im linken Knie, das der 28-Jährige im Laufe der Karriere als „meine Schwachstelle“ ausmachen musste. Beim ersten Mal endete die Zwangspause Mitte Februar 2016, nach einem 30-Minuten-Comeback bei der 0:2-Pleite in Stuttgart bremste ihn eine kleine Blessur noch einmal für wenige Wochen aus. Als Schieber dann wieder richtig ins Rollen kam, zeigte er auch sein Können und seine Torgefahr, ehe es ihn abermals erwischte. Acht Minuten bei der 0:2-Schlappe auf Schalke am 11. Februar 2017 waren das bislang Letzte, was die Hertha-Fans von dem bulligen Angreifer zu sehen bekamen.

Der Schwabe, der das Kicken beim SV Unterweissach lernte und über die U17 der TSG Backnang und die U19 des VfB Stuttgart den Sprung in den Profibereich schaffte, war nach der erneuten Knie-OP wieder Stammgast im Rehazentrum des Hauptstadtklubs. „Es war ein langer Weg zurück“, blickt Schieber auf die Leidenszeit, die mit dem ersten Mannschaftstraining nach 288 Tagen am 29. November zu Ende ging. Im alten Jahr war ihm kein Bundesligaspiel mehr vergönnt, doch viel wichtiger war es, dass es keinen Rückschlag gab, „und ich ein besseres Gefühl als nach der vorherigen Knie-OP habe“.

Die kurze Winterpause nutzte der gebürtige Backnanger vor allem, „um mal abzuschalten, nachdem ich alles dafür getan hatte, um wieder fit zu werden“. Er blieb mit der Familie in Berlin und unterbrach die ruhige Zeit nur für einen Trip mit drei Kumpels zur Dart-WM im Londoner Ally Pally. „Das war ein schöner Ausflug“, erzählt Schieber, den es als großen Dartfan aber etwas störte, dass für die vielen deutschen Gäste die Party zu sehr im Vordergrund stand und die Dartduelle die zweite Geige spielten. Anders bei Schieber, der zum Beispiel aufmerksam verfolgte, wie Peter Wright die Segel strich. „Er hat ein gutes Spiel gemacht“, nimmt der Experte seinen Lieblingsspieler in Schutz und fügt – Sportsmann durch und durch – noch hinzu: „Jamie Lewis war an dem Tag einfach besser.“

Eine Parallele zwischen Dart und Fußball zieht Schieber mit Blick auf den Titelgewinn von Newcomer Rob Cross, der sich im Finale gegen Altmeister Phil Taylor durchsetzte: „Hier wie da rücken viele Talente nach.“ Da es ihm aber auch nach eineinhalb Wochen Rückrundenvorbereitung gut geht und das Knie mitzuspielen scheint, will der Linksfuß mit 28 Jahren unbedingt noch mal durchstarten. „Mein Ziel ist, in den 18-Mann-Kader zu kommen“, verrät Schieber den ersten Meilenstein, den er erreichen will. Sollte das in Stuttgart am Samstag noch nicht der Fall sein, „wäre ich nicht enttäuscht“, toll wäre es aber, denn „das ist eines der Spiele, auf die ich mich am meisten freue“. Ohnehin, weil dieser Auftritt in der Heimat für ihn stets was Besonderes ist. Im Speziellen, weil die Partie zum Rückrundenauftakt einen noch höheren, wegweisenden Stellenwert hat und dank VfB-Rückkehrer Mario Gomez im Fokus steht.

Im weiteren Saisonverlauf „will ich in die Jokerrolle schlüpfen. Trainer Pál Dárdai weiß, dass ich diese Rolle annehme. Ich mag es sogar, gegen Ende ins Spiel zu kommen“. Dass er gleichwohl wie jeder Fußballer noch viel lieber von Anfang an dabei wäre, ist auch klar, doch im bevorzugten 4-2-3-1 ist eben nur ein Platz im Sturmzentrum zu vergeben und die Konkurrenz ist mit Davie Selke und Vedad Ibisevic sehr stark. Von seinem Können ist Julian Schieber aber unverändert überzeugt und deshalb macht er sich auch „nicht verrückt“, dass sein Vertrag im Sommer ausläuft: „Wenn mein Körper mitspielt, habe ich am Ende der Saison viele Optionen – wenn nicht, dann nicht.“ Wenn es so weit sei, werde er die Optionen „prüfen und das machen, was mich und meine Familie glücklich macht“. Das kann eine Vertragsverlängerung in Berlin sein, das kann eine Luftveränderung sein. Hauptsache, es ist eine interessante Herausforderung, denn der Profi aus Weissach will es noch einmal wissen und seinen bislang 153 Bundesligaspielen für den VfB, Nürnberg, Dortmund und die Hertha noch möglichst viele hinzufügen.