Die ältesten Schildkröten fanden sich im Keuper

Ralph Laternser berichtete in der Volkshochschule über die geologische Geschichte Murrhardts

Der Geologe Dr. Ralph Laternser führte seine Zuhörer im Grabenschulhaus in seinem Vortrag Murrhardts Klimazonen und Erdgeschichte durch die geologische Historie, die sich über Millionen von Jahren erstreckt.

Erläuterte, was Geologen aus Gesteinsformationen, Gesteinsschichten, Abdrücken und Versteinerungen alles ablesen können: Ralph Laternser. Foto: J. Fiedler

MURRHARDT. Zunächst klärte er ein paar Grundbegriffe. Das Klima definiert sich als langjähriger Durchschnitt des täglichen Wetters. Es ist darüber hinaus abhängig von der geografischen Lage, der Verteilung der Kontinente sowie von physikalischen und (a)biotischen Faktoren (belebt und unbelebte). Die Geologen können anhand von Gesteinsformationen erkennen, welches Klima zu deren Entstehungszeit geherrscht hat, erläuterte Laternser. Die Bildung von Gips beruht beispielsweise auf einem sehr trockenen Klima. Abdrücke und Versteinerungen pflanzlicher und tierischer Natur verweisen auf Land oder Meer. Die Atmosphäre musste sich erst herausbilden, Abermillionen von Einzellern haben durch ihren Stoffwechsel dabei geholfen, das lässt sich auch am Verfallswert von Methan feststellen, wie der Referent seinen Zuhörern erklärte. Heute gehen diese Prozesse schneller vonstatten, ganz einfach, weil es weniger Sauerstoff in der Luft gab. Einen Hinweis auf Sauerstoff geben auch Steine, zum Beispiel der Hämatit, auch Blutstein genannt, weil er immer wieder blutrote Stellen aufweist: Diese Farbe entsteht durch Oxidierung.

Die ersten Epochen der Erdgeschichte waren vom Klima her deutlich wärmer. Auch war die Verteilung der Kontinente eine ganz andere. Man weiß laut Laternser, dass es einen Großkontinent Pangäa gab, allerdings gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass es immer wieder durch die Kontinentaldrift zu Großkontinenten wie auch deren Aufspaltung kommt (der sogenannte Wilson-Zyklus). Solch eine riesige Landmasse verursacht ein Kontinentalklima.

Dann kam Ralph Latenser auf die geologischen Fakten vor Ort zu sprechen: Murrhardt liegt im Keupergebiet. Der Keuper gehört zur Germanischen Trias. Dieser Begriff wurde von Friedrich August von Alberti (1795 bis 1878) geprägt und bezeichnet die Sedimentfolge Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Der Keuper im Raum Murrhardt kann dann wiederum unterteilt werden in: Unterkeuper, Lettenkeuper, Gipskeuper, Schilfsandstein, Bunte Mergel, Stubensandstein und Knollenmergel, der auch Jaspisknollen enthalten kann. Die jüngste Schicht der Trias ist der Rhät. Der untere Keuper verweist auf ein warmes und feuchtes Klima. Man fand Spuren von Knochenanreicherungen, verschiedenen Muscheln, Krebsen, Pflanzen, Kohle, Amphibien und Sauriern. Der mittlere Keuper wiederum hat eine Basis mit massivem Gips, das heißt, Wasser ist verdunstet. Darüber liegen rote Tone sowie Mergel und schließlich der Sandsteinkeuper. Sand und Gips zeigen ein warm-trockenes, nahezu subtropisches Klima an. Es gab damals weiterhin Echsen, Fische, Muscheln, Krebse und Pflanzen. Während der Periode des Schilfsandsteins gediehen zusätzlich Schachtelhalme und Amphibien. Die ältesten Schildkröten wurden ebenfalls in dem eigentlich fossilarmen Keuper gefunden. Der Knollenmergel ist ein toniges Gestein und rot, was auf Trockenheit und wenig Wasser hinweist. Saurier und eine Vielzahl von Pflanzen beherrschten damals die Gegend.

Lange Zeit lag Murrhardt auf dem dreißigsten Breitengrad und war dementsprechend warm, nicht immer als Landmasse, das Gebiet befand sich während des Jura auch unter Wasser. Ab der unteren Kreidezeit wanderte es gen Norden (heute knapp 49 Grad Breite), das Klima kühlte ab, bis es zu den Eiszeiten kam. Das Pleistozän ist geprägt von dem Wechsel kalt und warm. Sein Nachfolger Holozän dauert bis heute an.

Zwar dauert Murrhardts Reise durch die Erdgeschichte noch an, doch aufgrund der langen Zeitabläufe verläuft sie unmerklich.