Auf Schusters Rappen für den Frieden

Andreas Honrath ist am Ostersonntag zu einer Friedenswanderung quer durch Deutschland aufgebrochen. Auf seinem Weg von Freiburg nach Berlin kommt er auch durch Murrhardt. Mit seiner Initiative „Laufen(d) für den Frieden“ möchte er Impulse setzen und ins Gespräch kommen.

Andreas Honrath macht kurz in Murrhardt Station. Bürgermeister Armin Mößner lässt er über den Rathausbriefkasten ein Schreiben zur Aktion und zu seinen Anliegen zukommen. Foto: Christine Schick

Andreas Honrath macht kurz in Murrhardt Station. Bürgermeister Armin Mößner lässt er über den Rathausbriefkasten ein Schreiben zur Aktion und zu seinen Anliegen zukommen. Foto: Christine Schick

Murrhardt/Althütte. Die Sonne strahlt, das Wetter meint es gut mit Andreas Honrath, als er an diesem Vormittag von seinem Startpunkt in Sechselberg mit Thomas Smolarczyk und seiner Frau Donate Weiß in Murrhardt ankommt. Die beiden haben den 61-Jährigen spontan ein Stück auf seiner Etappe begleitet; Thomas Smolarczyk hat bereits am Vortag die Strecke von Winnenden nach Sechselberg mit ihm bestritten. Andreas Honrath ist mittlerweile fast 14 Tage unterwegs – auf einer Wanderung von Freiburg nach Berlin. Aber nicht nur des Wanderns wegen. Mit seiner rund 1000-Kilometer-Tour ist ein Herzensanliegen verbunden, das ihn schon seit Längerem umtreibt. Seine Fußreise steht unter dem Motto „Peace before Profit – Laufen(d) für den Frieden“. Auf seinem Weg quer durch die Republik möchte er mit Menschen ins Gespräch kommen. Der zentrale Aspekt dabei ist die Frage, was der Einzelne in Bezug auf sein Denken und Handeln tun kann, um wieder mehr Frieden zu ermöglichen.

Die Zielmarke, dabei in 46 Tagesetappen bis in die Bundeshauptstadt zu pilgern, ist recht anspruchsvoll. Aber der 61-Jährige hat vor fünf Jahren den kompletten Jakobsweg bestritten. „Die Idee zu ,Peace before Profit‘ ist damals auch auf dem Weg entstanden“, erzählt er. Er stellte sich selbst die Frage, was die Welt eigentlich braucht, und die Antwort kam schnell und klar: „Frieden!“ Der Wunsch, in dieser Hinsicht aktiv zu werden, wurde mit der Zeit immer stärker. „Eine Rolle hat auch die Diskussion in Deutschland gespielt, die mit dem Ukrainekrieg aufkam, dass das Land wieder kriegstüchtig werden muss“, sagt er. Dabei kann er sehr gut nachvollziehen, sich im Fall eines Angriffskriegs verteidigen zu wollen. „Da stünde ich auch dahinter.“

Kriegserfahrung ist nur eine und zwei Generationen entfernt

Gleichzeitig geht es ihm aber auch um eine sensible und genaue Wortwahl. „Warum spricht man davon, kriegstüchtig und nicht einfach verteidigungsfähig zu werden?“ Für besonders wichtig hält er es, den Fokus weiterhin beziehungsweise wieder auf den Frieden auszurichten. „Ich gehöre einer Generation an, deren Eltern und Großeltern noch sehr vom Krieg betroffen waren.“ Seine Mutter hat zwei Brüder im Zweiten Weltkrieg verloren, sein Vater wurde noch in jungen Jahren eingezogen, fand sich im Schützengraben wieder.

Andreas Honrath hat sich auch grundsätzlich mit Fragen nach den Ursachen von Kriegen beschäftigt. Seiner Analyse nach findet man beim Blick in die Geschichte immer wieder dieselben Motive: Gier, Machtstreben und Profit als Antrieb. Er ist davon überzeugt: „Um zu wirklichem Frieden zu kommen, müssen wir auch unsere Profitorientierung überdenken.“ Ihm ist bewusst, dass das für viele eine Provokation ist; scheint eine Wirtschaft doch kaum ohne Profitstreben denkbar. Wenn er dann aber anspreche, ob man den Verlust des Friedens als Preis zahlen wolle, kämen die meisten doch ins Nachdenken.

Weitere Themen

Der Entschluss für die Friedenswanderung unter eben diesem Titel „Peace before Profit“ fiel im Sommer 2025. Mittlerweile hat sich die Lage bekanntermaßen mit dem Krieg im Iran beziehungsweise in Nahost noch weiter verschärft. „Dass sich das noch so zuspitzt, hatte ich natürlich nicht erwartet.“ Fest stand die Aktion sowieso. „Letztlich unterstreicht es für mich auch noch mal die Dringlichkeit.“

Seit Andreas Honrath nun in Freiburg gestartet ist, haben ihn immer wieder Menschen auf seinem Weg begleitet. Die Friedenswanderung zielt auch genau darauf ab; sie ist eine Einladung, sich anzuschließen, sich zum Thema auszutauschen und es so über die Diskussionen und Begegnungen sprichwörtlich ins Land zu tragen. In den heimischen Gefilden – Honrath lebt in Buchenbach bei Freiburg – war es noch eine größere Gruppe, die mitlief, später war er, als für viele wieder der Arbeitsalltag begann, auch mal über zwei Etappen allein unterwegs. Doch immer mal wieder gesellen sich Einzelne dazu, werden neugierig und unterstützen ihn mit einer Übernachtungs- oder Duschmöglichkeit. Eine Gruppe in Nürtingen lud ihn spontan ein, um über seine Initiative zu berichten. Mit einem Mann, der ihn per Anhalter mitnahm, kam das Gespräch darauf, dass genau das nicht mehr selbstverständlich sei – aus Angst vor einem Übergriff, ob er nun vom Fahrer oder Tramper ausgeht; und schon war man wieder beim Thema Frieden. Mit solch einer Mitfahrgelegenheit will der 61-Jährige nicht heimlich Kilometer schinden, im Gegenteil. Da er für die Tour einen Camper dabei hat, in dem er überwiegend übernachtet, wandert er zunächst seine Tagesetappe, muss aber am Abend zu seinem Fahrzeug zurück. „Dann trampe ich oder fahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Insofern hilft es ihm im Moment sehr, dass ihn jemand spontan unterstützt und ein paar Tage sein Begleitfahrzeug zu den Zielorten fährt. Zwar hat er auch ein Fahrrad mit im Gepäck, aber bei den momentan recht hügeligen Strecken wäre er abends zu lange unterwegs.

Neben den persönlichen Gesprächen nutzt Andreas Honrath seine Tour auch, um Entscheiderinnen und Entscheidern aus Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit bei Gelegenheit zu seinen Anliegen in Form eines Briefs zu informieren. Zwar lagen die beiden Rüstungsfirmen Heckler&Koch sowie Rheinmetall nicht direkt auf dem Weg, aber in der Nähe – in Horb – hat er die beiden Schreiben per Post aufgegeben. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer genauso wie Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner konnte er ein Exemplar im Rathausbriefkasten hinterlassen. Und in Winnenden hat er bei der Firma Kärcher ein Schreiben eingeworfen.

Dabei möchte er auch diese Personen vor allem zuerst als Menschen ansprechen. „Ich hab ja auch nicht alle Antworten“, sagt er. „Aber es ist eine Einladung, sich zu fragen, was jeder Einzelne tun kann, und auch
das eigene Verhalten zu reflektieren.“ Das kommt insofern nicht von ganz ungefähr, da Andreas Honrath auf diesem Gebiet auch selbst beruflich unterwegs ist. Als selbstständiger Sozialpädagoge ist er vor allem in den Bereichen Beratung, Mediation und Supervision tätig. Das kommt ihm bei den Begegnungen und Gesprächen sicher zugute. „Das Thema hat viele Facetten“, sagt er. Dies zeigten auch die Unterhaltungen, und er freut sich über die Offenheit der Menschen, denen er auf dem Weg begegnet ist.

Andreas Honrath will Ende Mai in Berlin eintreffen, Mitstreiter sind willkommen – auch auf einer kürzeren Strecke

Die Tour „Peace before Profit – Laufen(d) für den Frieden“ ist am 5. April gestartet, läuft nach der aktuellen Planung über 46 Tagesetappen und 956 Kilometer. Ende Mai will Andreas Honrath in Berlin ankommen. Im Zentrum seiner Initiative sieht er die Frage: „Dient mein Handeln dem Frieden?“ Alle Interessierten sind eingeladen, sich anzuschließen – ob für eine kürzere Strecke oder mehrere Etappen. Eine Anmeldung im Vorfeld ist nicht nötig. Die Teilnahme erfolgt in Eigenverantwortung und bei Selbstversorgung. Direkter Kontakt lässt sich per E-Mail aufnehmen unter der Adresse hello@peace-before-profit.com. Weitere Infos zur Friedenswanderung und Initiative finden sich auf www.peace-before-profit.com. Dort sind die Etappen erläutert. Zudem gibt es weitere Informationen unter www.instagram.com/ peacewalk_berlin.

Unterstützung Eine Beteiligung an der Aktion ist inhaltlich beispielsweise durch ein Informieren übers Projekt oder einen eigenen Beitrag, organisatorisch beispielsweise mit einer Rückfahrt zum Begleitfahrzeug oder durch das Stellen einer Unterkunft möglich, genauso wie per Crowdfunding. Über Letzteres informiert die Seite www.startnext. com/peace-before-profit.

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Erstellt:
20. April 2026, 06:00 Uhr

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