Sehschäden

Augenschmerzen nach Sonnenfinsternis – wann es wirklich kritisch wird

Die empfindliche Netzhaut leidet stumm: Wie Beschwerden einzuschätzen sind und wann man bei Sehproblemen sofort zum Arzt gehen sollte.

Beschwerden am Auge? Nicht immer ist es der Worst Case (Symbolbild).

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Beschwerden am Auge? Nicht immer ist es der Worst Case (Symbolbild).

Eine Sonnenfinsternis ist ein faszinierendes Naturschauspiel. Doch kaum ist das Spektakel vorbei, greifen viele besorgt zum Smartphone: „Es brennt – habe ich mir die Augen kaputt gemacht?“ Wenn es um Augenschmerzen nach dem Blick in die Sonne geht, herrscht indes oft ein gefährliches Missverständnis: Reine Schmerzen sind meist nicht das Hauptproblem einer schweren Netzhautschädigung – aber dass nichts wehtut, ist keine Entwarnung. Um zu verstehen, wie gefährlich der ungeschützte Blick in die Sonne ist, muss man die Anatomie des Auges betrachten, denn das Hauptrisiko einer Sonnenbeobachtung liegt in der Entstehung einer sogenannten solaren Retinopathie.

Lesen Sie auch:Was die Kliniken nach der Sonnenfinsternis sagen (von Bettina Hartmann)

  • Keine Schmerzrezeptoren: Die Netzhaut (Retina) an der Hinterwand des Auges besitzt keinerlei Schmerzrezeptoren. Gewebeschädigungen lösen somit keinen direkten Schmerzimpuls aus.
  • Photochemische Verbrennung: Trifft das intensive UV- und sichtbare Licht ungeschützt auf die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea/Makula), werden die Fotorezeptoren photochemisch geschädigt und verbrannt. Man spürt diesen Prozess im Moment des Geschehens überhaupt nicht.
  • Verzögerte Symptome: Eine solare Retinopathie macht sich typischerweise erst Stunden bis Tage später bemerkbar, wenn Betroffene merken, dass ihre Sehkraft nachlässt.
  • Merke: Wer direkt beim oder nach dem Blicken in die Sonnenfinsternis keine Schmerzen hatte, ist damit noch keineswegs vor einer bleibenden Sehschädigung sicher.

Augenschmerzen nach Sonnenfinsternis – mögliche Ursachen

Spüren Sie nach der Beobachtung leichte Schmerzen, Brennen, Druckgefühle oder ein Fremdkörpergefühl, liegt das in der Regel nicht an der Netzhaut, sondern an der empfindlichen Augenoberfläche oder der umliegenden Muskulatur:

  • Trockene Augen & Hornhautreizung: Wer lange mit weit geöffneten Augen in den Himmel starrt ohne ausreichend zu blinzeln, trocknet den Tränenfilm aus. Das kann auch zu Reizungen der Hornhaut und Bindehaut führen.
  • Überanstrengung der Augenmuskulatur: Das angespannte Fixieren eines kleinen Punkts führt zu Verkrampfungen der äußeren Augenmuskeln sowie der Stirnmuskulatur – ähnlich wie Spannungskopfschmerzen nach langer Bildschirmarbeit.
  • Leichte Photokeratitis („Schneeblindheit“): Eine hohe UV-Exposition kann zu einer Reizung der äußersten Hornhautschicht führen5. Diese äußert sich durch Brennen, Tränenfluss und Lichtempfindlichkeit. Eine milde Photokeratitis heilt gewöhnlich in etwa 24 bis 48 Stunden von selbst ab.

Nach Sonnenfinsternis zum Augenarzt?

Während reine Oberflächenreizungen meist harmlos sind, weisen bestimmte Sehstörungen direkt auf eine Beteiligung der Netzhaut hin. Wenn Sie eines der folgenden Symptome bemerken, sollten Sie umgehend eine augenärztliche Praxis aufsuchen:

  • Zentraler blinder / dunkler Fleck (Zentralskotom): Ein grauer, schattiger oder schwarzer Fleck genau im Zentrum des Blickfelds, der mitwandert.
  • Verzerrtes Sehen (Metamorphopsie): Gerade Linien (z. B. Türrahmen, Fliesennetze, Textzeilen) wirken wellig, gebogen oder geknickt.
  • Schleierhaftes / Verschwommenes Sehen: Gesichter oder Buchstaben im Zentrum lassen sich trotz Brille nicht mehr scharf erkennen.
  • Veränderte Farbwahrnehmung (Dyschromatopsie): Farben wirken blass, verwaschen oder fehlerhaft getönt.
  • Anhaltende Nachbilder: Das Abbild der Sonne bleibt auch nach Stunden oder Tagen ununterbrochen als Blendfleck sichtbar.

Sonnenfinsternis: Schneller Selbsttest fürs Auge

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Sehschärfe oder die Makula Schaden genommen hat, können Sie folgenden einfachen Selbsttest durchführen, der von Ratgeberportalen empfohlen wird:

  • Decken Sie ein Auge komplett ab (nicht zudrücken).
  • Blicken Sie mit dem offenen Auge auf ein Rastersystem (wie eine geflieste Wand) oder eine Zeile Fließtext in einem Buch.
  • Achten Sie darauf, ob genau in der Mitte Linien unterbrochen, verzerrt oder durch einen Fleck verdeckt sind.
  • Wiederholen Sie den Vorgang mit dem anderen Auge.

Sollten Sie Sehstörungen feststellen, zögern Sie nicht mit dem Arztbesuch. Zwar können sich geschädigte Fotorezeptoren im Laufe von Monaten teilweise erholen, eine ursächliche medikamentöse oder operative Heilung für eine solare Retinopathie gibt es nach heutigem Stand der Forschung jedoch nicht.

Eine großformatige Nahaufnahme eines menschlichen Auges wird auf einer Wand gezeigt. Im Vordergrund gehen unscharf aufgenommene Personen vorbei (Symbolbild).

© IMAGO/Sven Simon

Eine großformatige Nahaufnahme eines menschlichen Auges wird auf einer Wand gezeigt. Im Vordergrund gehen unscharf aufgenommene Personen vorbei (Symbolbild).

Nur Ärzte können abschließend beurteilen, ob es zu Augenschäden gekommen ist.

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Nur Ärzte können abschließend beurteilen, ob es zu Augenschäden gekommen ist.

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Erstellt:
24. August 2026, 15:31 Uhr

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