Bettina Orlopp im dpa-Interview

Commerzbank-Chefin: „Werde mich nicht verstecken“

Seit Monaten stemmt sich die Commerzbank gegen eine Übernahme durch die Unicredit. Konzernchefin Orlopp ist überzeugt, dass sie die bessere Strategie hat - und verrät, was sie aufregt.

Bettina Orlopp, CEO der Commerzbank AG, erklärt, wie sie die Unabhängigkeit der Commerzbank retten will.

© Boris Roessler/dpa/Boris Roessler

Bettina Orlopp, CEO der Commerzbank AG, erklärt, wie sie die Unabhängigkeit der Commerzbank retten will.

Von red/dpa

Seit Monaten zieht sich der Übernahmepoker zwischen der Commerzbank und der Unicredit hin - und der Ton zwischen Frankfurt und Mailand wird rauer. Während Unicredit-Chef Andrea Orcel der Commerzbank die Zukunftsfähigkeit abspricht und Werbeanzeigen zulasten der Frankfurter veröffentlichte, sieht Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp darin einen unangemessenen Angriff auf die zweitgrößte deutsche Privatbank. 

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt Orlopp, wie sie die Unabhängigkeit der Commerzbank mehr als 150 Jahre nach deren Gründung retten will - und wie sie den Machtkampf mit Orcel erlebt. 

Orlopp: „Die Unicredit-Situation begleitet uns in Wellen seit deren Einstieg. Mit dem Angebot Mitte März ist die Commerzbank in der Tat noch stärker im Fokus. Aber Getriebene? Nein. Wir hatten 2025 das beste operative Ergebnis in der Geschichte der Bank und sind auch sehr erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Wenn man das mit Wettbewerbern vergleicht, müssen wir uns überhaupt nicht verstecken. Diese Bank lässt sich davon sicher nicht kirre machen.“ 

Orlopp: „Wir haben uns nie Gesprächen verweigert. Das Übernahmeangebot der Unicredit ist de facto eine Schrumpfungs-Strategie für unser Geschäftsmodell und beinhaltet wenig Information zu einer möglichen Kombination. Vorschläge dieser Art hätte die Unicredit in den vergangenen 20 Monaten bequem in den zahllosen Investorengesprächen vorbringen können. Das Angebot finden viele unserer Investoren einfach unattraktiv. Wir haben ein gut funktionierendes Geschäftsmodell, wenn es darum geht, den Mittelstand ins Ausland zu begleiten. Niemand will, dass das ohne Not eingestellt wird, nur weil das Geschäftsmodell der Unicredit ein anderes ist.“ 

Orlopp: „Wir haben klar gesagt, dass es nur sinnvoll ist, weiterführende Gespräche zu führen, wenn die Unicredit ein Zeichen gibt, dass sie bereit sind, über die Höhe des Angebots an unsere Aktionäre nachzudenken und über das Geschäftsmodell.“ 

Orlopp: „Bei der Unicredit reden wir geschätzt eher über 10.000 bis 11.000 Stellen bis 2030. Die Transformationsvereinbarung, die wir vergangene Woche gemeinsam mit dem Betriebsrat beschlossen haben, sieht 3.000 Stellen brutto vor. Das ist ein ziemlicher Unterschied. Wir haben gemerkt, dass KI noch schneller und mit mehr Kraft kommt als wir das ursprünglich im Februar 2025 gesehen haben. Und deswegen haben wir schon in diesem Jahr bei Vorlage der Jahreszahlen gesagt, wir sehen uns das an. Der ursprüngliche Plan war, die weiterentwickelte Strategie bis zum Sommer auszuarbeiten und im September damit rauszugehen. Diesen Plan haben wir beschleunigt nach den Ereignissen Mitte März.“ 

Orlopp: „Das ist ein sehr großer Teil. KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen, wobei wir die Effekte durch Wachstum abfedern. Wir gehen zum Beispiel an die Kapazitäten bei externen Call-Centern ran. Das Gleiche gilt für das IT-Umfeld, wo wir noch viele Externe einsetzen.“ 

Orlopp: „So, wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten. Dazu setzen wir unter anderem auf Altersprogramme und natürliche Fluktuation.“ 

Orlopp: „Das hat weniger was mit der Unicredit-Situation zu tun, sondern eher damit, dass wir vertrauensvoll miteinander umgehen, wenn es darum geht, die Bank langfristig voranzubringen. Und wir uns auch trauen, Planungen und Informationen offen auszutauschen. Dieses Vertrauen ist über viele Jahre erarbeitet.“ 

Orlopp: „Den Strategieprozess haben wir völlig unabhängig von der Unicredit gemacht. Die Zahlen, die die Unicredit vorgelegt hat, haben wir erst am 20. April gesehen, da war unsere Planung bis 2030 nahezu abgeschlossen. Wir sagen auch nicht, dass wir wie durch Wunderhand 2030 dann 21 Prozent Eigenkapitalrendite erwirtschaften. Unser Anspruch mit unserer Strategie ist eine konstante Verbesserung, die wir im Übrigen schon seit 2021 und Jahr für Jahr verlässlich bewiesen haben.“ 

Orlopp: „Nein. Das wäre total falsch. Wir setzen uns Ziele, von denen wir überzeugt sind, dass sie auch erreichbar sind – auch wenn wir einen gehörigen Respekt vor der Aufgabe haben. Was wir nicht gebrauchen können, ist eine Destabilisierung unserer Organisation. Wir achten darauf, dass wir die Organisation stabil halten, trotz dieser unangemessenen Angriffe.“ 

Orlopp: „Die Bundesregierung hat die Punkte klargemacht, die an dieser Situation so schwierig sind. Und als Aktionär hat sie dazu auch jedes Recht. Es ist erstaunlich, dass das die Unicredit nicht zu interessieren scheint, weil am Ende manche Strukturmaßnahmen schwierig sind, wenn ich einen so großen Minderheitsaktionär habe. Dazu kommt: Wir sind die Bank für den deutschen Mittelstand und begleiten unsere Kunden auch ins Ausland. Da kann man sich schon Sorgen machen, was das für den Standort bedeuten könnte.“ 

Orlopp: „Die Bundesregierung hat nie gesagt, dass sie keine Transaktion will. Deswegen läuft diese Kritik ins Leere, denke ich. Sie hat immer gesagt, die Art und Weise des Vorgehens sei inakzeptabel. Was die EZB angeht, waren wir schon überrascht. Eigentlich ist die EZB ja bemüht, auf Stabilität und Sicherheit zu achten. Da mutet es schon seltsam an, dass es von einzelnen Vertretern eine anscheinend offene Unterstützung für einen Angang gibt, der eine Destabilisierung zum Ziel hat.“ 

Orlopp: „Wir haben eine ganze Reihe von Gesprächen mit der Unicredit gehabt. Und ich denke, wir sollten alle auch weiterhin professionell genug sein, um eine zielgerichtete Diskussion immer zu ermöglichen. Das ist unsere Verantwortung und dafür werden wir bezahlt.“ 

Orlopp: „Wir haben bisher keine Anmeldung vorliegen.“ 

Orlopp: „Wir werden unsere Stellungnahme voraussichtlich Montag oder Dienstag veröffentlichen. Wenn man davon ausgeht, dass es bis dahin keine Erhöhung des Angebots geben wird, wird sich vieles aus unserer vorläufigen Einschätzung darin wiederfinden.“ 

Orlopp: „Wir haben schon kürzlich gesagt: Wenn das so bleibt, dann gibt es de facto keine Prämie und damit keinen Grund für die Aktionäre, das Angebot der Unicredit anzunehmen.“ 

Orlopp: „Ich habe mir abgewöhnt, mir vorzustellen, was die Unicredit machen könnte. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet.“ 

Orlopp: „Dazu werde ich sicher nichts sagen.“ 

Orlopp: „Das war diese Social-Media-Kampagne gegen die Commerzbank. Das hat viel Kopfschütteln und Emotionen ausgelöst. Wir dachten erst, das ist fake. Wir haben die Aufsichtsbehörden dann auch umgehend informiert, nachdem wir festgestellt haben, dass es kein Fake ist. Es war wichtig, schnell zu reagieren.“ 

Orlopp. „Die Frage stellt sich nicht. Ich habe eine Verantwortung und die fühle ich auch für diese Bank. Eine Verantwortung für die Eigentümer, aber eben auch für die Kunden und für die Mitarbeitenden. Ich werde mich nicht verstecken.“ 

Orlopp: „Darüber mache ich mir keine Gedanken. Grundsätzlich sollte man sich ohnehin nicht so wahnsinnig wichtig nehmen. Das hilft auch immer.“

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Erstellt:
15. Mai 2026, 11:28 Uhr

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