Das WM-Turnier der Extreme

Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko scheint keine Grenzen zu kennen. Vor allem nicht im Blick auf die Reisewege, die Zeitzonen und die teilweise enormen Ticketpreise.

Von Marco Seliger

Stuttgart - Größer, weiter, teurer – die Dimensionen der Mammut-WM in den USA, Kanada und Mexiko (11. Juni bis 19. Juli) zeugen von Gigantismus. Ein Überblick über den Modus, die Distanzen zwischen Spielorten bis hin zu den horrenden Ticketpreisen.

Die Zahl der Teams Erstmals spielen 48 Mannschaften bei einer WM mit. Die Folgen: Es gibt nun zwölf Gruppen mit je vier Teams. Die acht besten Gruppendritten erreichen neben den zwölf Gruppensiegern und den zwölf Gruppenzweiten die K.o.-Runde. Erstmals gibt es bei einer WM nun ein Sechzehntelfinale im Anschluss an die Gruppenphase. Insgesamt steigen 104 Spiele statt wie zuletzt 64 bei der WM 2022 in Katar. Das Turnier dauert 39 Tage statt bislang etwa einen Monat.

Die Distanzen Die Entfernungen zwischen den einzelnen Stadien sind enorm. Die Distanz zwischen Miami und Vancouver etwa beträgt mehr als 4500 Kilometer. Vor allem der Flugverkehr – genutzt von Mannschaften, Offiziellen, Medienvertretern und insbesondere den Fans – stellt die größte Quelle für die hohen CO₂-Emissionen dar. Um extreme Reisewege zu vermeiden, sind die 16 Spielorte in drei regionale Zonen (Ost, Zentral, West) unterteilt. Dennoch sind team- und fanübergreifend inneramerikanische Flüge notwendig, was auch zu stark steigenden Flug- und Ticketpreisen führt.

Um die extreme Nord-Süd-Ausdehnung (von Vancouver bis Mexiko-City) und Ost-West-Distanzen der USA logistisch zu bewältigen, hat die Fifa die Austragungsorte in diese drei Hauptzonen gegliedert: Die Westküsten-Zone beinhaltet die Spielorte Vancouver, Seattle, San Francisco, Los Angeles und Guadalajara. Zur zentralen Region zählen Kansas City, Dallas, Houston (Deutschland spielt dort am 14 Juni/19 Uhr MESZ gegen Curacao), Monterrey, Atlanta und Mexiko-Stadt. Zur Region Ostküste gehören Toronto (Deutschland-Elfenbeinküste am 20. Juni/22 Uhr), Boston, New York/New Jersey (Deutschland-Ecuador am 25. Juni/22 Uhr), Philadelphia und Miami.

Die Zeitzonen Eine der größten Herausforderungen dieser WM sind die unterschiedlichen Zeitzonen, in denen die Spiele stattfinden werden. Die Partien werden in vier verschiedenen Zeitzonen ausgetragen: Pacific Standard Time Zone (PST), Mountain Standard Time Zone (MST), Central Standard Time Zone (CST) und Eastern Standard Time Zone (EST). Diese Zeitzonen liegen sechs bis neun Stunden hinter der mitteleuropäischen Zeit. Das heißt: Wenn es in Deutschland 20 Uhr ist, ist es am Spielort möglicherweise erst 11 Uhr vormittags. Es gibt bei dieser WM also gefühlt fast schon unzählige Anstoßzeiten – in der mitteleuropäischen Sommerzeit von 0 bis 23 Uhr.

Die Ticketpreise Die enormen Kartenpreise stehen schon lange massiv in der Kritik. Am Beispiel der Fans der DFB-Elf lässt sich die Gemengelage anschaulich zeigen. So kostet ein sogenanntes „Basisrang-Ticket“ für das Auftaktspiel gegen Curacao am 14. Juni umgerechnet 51 Euro – diese Basisrang-Tickets machen aber stets nur zehn Prozent der dem DFB zur Verfügung stehenden Tickets aus. Also geht es weiter mit 155 Euro; unter 200 Euro bleibt die untere Preisgrenze in der zweitgünstigsten Kategorie ansonsten nur beim zweiten Auftritt gegen die Elfenbeinküste in Toronto sechs Tage später. Ab einem möglichen Viertelfinale mit deutscher Beteiligung wird es für den Großteil der Fans dann richtig teuer. Wer etwa eine der 4500 für den DFB verfügbaren Eintrittskarten für das mögliche Finale am 19. Juli 2026 ergattern will, muss mindestens 3580 Euro pro Ticket investieren – wenn er keines der Basisrang-Tickets ergattern kann.

Geradezu grotesk teuer sind die Preise auf der offiziellen Weiterverkaufsseite der Fifa. Da werden aktuell schon mal vier Finaltickets für rund acht Millionen Euro angeboten.

Die Anreise Auch die Anreise zu den Stadien bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft sorgt für Ärger. Für Spiele in der Final-Arena MetLife Stadium in New Jersey (auch Schauplatz des dritten deutschen Gruppenspiels gegen Ecuador) etwa sollten Fans für eine 30-minütige Zugfahrt (hin und zurück) ursprünglich insgesamt knapp 130 Euro bezahlen. Nun werden es nach massiven Protesten „nur“ 84 Euro für die Hin- und Rückfahrt sein.

Extrem teuer bleiben die Parkplätze an den Stadien. Sie kosten mancherorts fast 200 Euro – pro Spiel, wohlgemerkt.

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Erstellt:
2. Juni 2026, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
2. Juni 2026, 23:58 Uhr

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