EU und China

Europas schmerzhaftes Erwachen

Die EU muss die wirtschaftliche Dominanz Chinas zurückdrängen. Passgenaue Zölle sind dabei nur ein Mittel, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.

Ein Arbeiter prüft die Qualität eines Fahrzeuges von BYD. Lange wurden die chinesischen Hersteller in Europa nicht Ernst genommen.

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Ein Arbeiter prüft die Qualität eines Fahrzeuges von BYD. Lange wurden die chinesischen Hersteller in Europa nicht Ernst genommen.

Von Knut Krohn

Überraschend ist die Überraschung mancher deutscher Konzernchefs. Vor knapp zehn Jahren kündigte Peking an, in zentralen Zukunftstechnologien die globale Führerschaft übernehmen zu wollen. Das war etwa zu jener Zeit, als deutsche Autobauer an einer Schummel-Software bastelten, um durch illegale Abschalteinrichtungen eine Technik aus dem vergangenen Jahrtausend bei Abgastests besser aussehen zu lassen. Damals arbeiteten chinesische Startups bereits an der Entwicklung von Elektroautos, die nun den deutschen Herstellern allergrößtes Kopfzerbrechen bereiten.

Deutschland hat Zukunftsmärkte ignoriert

Diese europäische Ignoranz und Selbstgefälligkeit sind aber nur ein Teil des Problems. Denn bei der Eroberung der Märkte arbeitet Peking nicht nur mit unglaublicher Geschwindigkeit und Innovationsfreude, sondern schafft sich unliebsame Konkurrenten auch mit unfairen Mitteln wie übermäßige Subventionen und Preisdumping vom Hals. Deshalb ist es richtig, wenn die EU jetzt mit schärferen Werkzeugen gegen den ruinösen Wettbewerb vorgehen will. Die bisherigen Instrumente sind zu unspezifisch und der Einsatz dauert zu lange.

Der Kampf gegen die chinesische Dominanz kann sich aber nicht im Senken von passgenau eingestellten Zollschranken erschöpfen, sondern muss auf vielen Ebenen geführt werden. Dazu gehört eine Industriepolitik, die gezielt europäische Firmen bevorzugt und der konsequente Abbau von Abhängigkeiten – auch durch die Suche nach neuen Partnern.

Niemand will einen Handelskrieg

Dass es beim Zurückdrängen von Chinas Dominanz zu einem Handelskrieg kommt, ist unwahrscheinlich. Zwar könnte Peking großen Druck ausüben, da Europa abhängig ist von chinesischen Rohstoffen und Zwischenprodukten. Gleichzeitig braucht Peking die EU als wichtigen Absatzmarkt. Eine Einigung ist also in gegenseitigem Interesse.

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Erstellt:
26. Juni 2026, 16:02 Uhr

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