Macht der Töne und Farben
Farbe eines Konzertsaals beeinflusst Musik-Empfinden
Helle oder dunkle Wände – und plötzlich klingt das Orchester anders. Eine Studie zeigt, wie die Gestaltung eines Konzertsaals die Klangwahrnehmung beeinflusst.
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Kulturpalast Dresden, Sachsen.
Von dpa/Markus Brauer
Die Farbgestaltung eines Konzertsaals kann beeinflussen, wie Zuhörer Musik klanglich wahrnehmen.
Eine Studie zeigt: In dunkleren Sälen mit weniger gesättigten Farben gefällt Musik vielen Menschen besser als in Räumen mit eher hellen und knalligen Farben. Zudem werde der Klang der Musik in helleren Räumen mit knalligeren Farben eher als kalt empfunden, wie Autor Stefan Weinzierl von der Technischen Universität (TU) Berlin erklärt.
Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Journal of the Acoustical Society of America“ veröffentlicht worden.
Akustische Wahrnehmung und visuelle Eindrücke
Klänge sind mit Raumakustik werde nicht eindimensional wahrgenommen, erklärt der Physiker und Experte für Audiokommunikation.
„Wir hören, ob ein Saal eher laut oder leise, hallig oder trocken ist, aber auch, welche klangliche Färbung er hat. Ein Raum kann warm, brillant oder metallisch wirken“, erläutert Weinzierl. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Wahrnehmung stärker mit visuellen Eindrücken verknüpft ist als bislang angenommen.“
Untersuchung mit VR-Brillen
An der Studie nahmen 48 Versuchspersonen teil. Für die Untersuchung setzten sie VR-Brillen (Virtual Reality) auf, die sie in virtuelle Varianten des Kammermusiksaals im Berliner Konzerthaus versetzten.
Der Saal erschien in unterschiedlichen Farbtönen sowie in unterschiedlicher Helligkeit und Sättigung. Insgesamt wurden den Angaben nach zwölf unterschiedlich gestaltete Farbumgebungen in Rot-, Grün- und Blautönen getestet – etwa durch unterschiedliche Farbgestaltungen von Sitzbezügen und Bühnenhintergrund.
Die Teilnehmer hörten vier Musikstücke aus unterschiedlichen Epochen mit unterschiedlichem Tempo. Anschließend bewerteten sie diese auf einer Skala von 1 bis 10 unter anderem nach Kriterien wie persönlichem Gefallen, wahrgenommener Lautstärke, Wärme, Halligkeit und Klangfarbe.
Am stärksten beeinflusste die Raumgestaltung die wahrgenommene Klangfarbe. Auf die Wahrnehmung der Lautstärke hatte die Farbgebung hingegen keinen messbaren Effekt.
Farbgestaltung wichtig für Planung von Musiksälen
Dunklere Räume mit gedeckten Farben lenkten die Aufmerksamkeit stärker auf die Musiker auf der Bühne, konstatiert Weinzierl. Viele Konzertsäle seien bereits entsprechend gestaltet auch genau so gestaltet. Daran hätten sich offenbar viele Menschen gewöhnt.
Demnach habe die Bewertung der Studienteilnehmer auch eine psychologische Komponente: „Man mag eher das, was man kennt, als das, was man noch nie gesehen hat.“
Was können Architekten und Akustikplaner von der Studie für die Planung und Gestaltung von Konzertsälen, Theatern und anderen Aufführungsräumen lernen? Der visuelle Eindruck müsse stärker mit bedacht werden, wenn man einen Raum akustisch plane, resümiert der Experte.
