Kommentar: Der große Wurf bleibt weiter aus
Kommentar: Der große Wurf bleibt weiter aus
Von Christian Gottschalk
STUTTGART. - Deutschland hat ein ganz ordentliches Bildungssystem, aber massive Schwierigkeiten bei der Bildungsgerechtigkeit. Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund haben Probleme, bei der frühkindlichen Bildung hapert es ebenfalls. Das war, vereinfacht ausgedrückt, das Ergebnis des ersten Bildungsberichtes, vorgestellt am 2. Juni 2006. Das ist, ebenfalls in groben Zügen, das Resultat des aktuellen Bildungsberichtes, vorgestellt am 15. Juni 2026. Das ist, man ahnt es schon, das Ergebnis aller Bildungsberichte der vergangenen 20 Jahre.
In diesen 20 Jahren hatte – mit Ausnahme der AfD – jede politisch relevante Partei in Deutschland Regierungsverantwortung. Der große Wurf ist dabei keinem Lager gelungen, auch wenn Bildung regelmäßig zu den Topthemen gehört. Nun wäre es ungerecht zu behaupten, die Politik habe nichts getan. Baden-Württemberg zum Beispiel versucht sich an einem beitragsfreien dritten Kindergartenjahr. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, er zeigt aber auch das Problem. Die Herausforderungen sind strukturell, die Lösungsansätze punktuell. Mögliche Erfolge zeigen sich erst Jahre oder Jahrzehnte später. Und immer wieder stressen neue, unvorhergesehene Ereignisse das System. Mal in Form von Corona, mal in Form von deutlich erhöhter Zuwanderung. Dass die nun zurückgeht, ist eine gute Nachricht. Es wäre ein Wunder, wenn nicht schon bald wieder eine schlechte folgen würde.
