Kommentar: Die EU verpasst eine Chance
Kommentar: Die EU verpasst eine Chance
Von Christian Gottschalk
Irgendwann einmal, in hoffentlich nicht all zu ferner Zukunft, wird geredet werden. Zwischen Russland, der Ukraine, den USA und Europa. Dass Europa ein gewichtiges Wörtchen mitspricht, wenn es um einen möglichen Frieden und dessen Absicherung geht, und nicht von den anderen drei in die Ecke gestellt wird, ist keinesfalls ausgemacht. Um so wichtiger wäre es, sich zu positionieren und Zeichen zu setzen. Eine starke Persönlichkeit zu nominieren, die sich bereit hält für diese Gespräche, wäre solch ein Zeichen gewesen. Die Chance, die Sache im eigenen Interesse voran zu treiben hat die EU vertan, zumindest vorerst.
Zugegeben: der EU fehlt es nicht an gut bezahltem Top-Personal. Doch weder Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen noch die Außenbeauftragte Kaja Kallas sind im Augenblick die richtigen Frauen für diesen Job. Von der Leyens Einsatz kommt am Ende, nicht am Anfang des Prozesses, Kallas ist mit ihrer Vergangenheit für den Job nicht die richtige. Es bräuchte jemanden von Statur, jemanden mit Aura und Ausstrahlung. Jemanden, der in Moskau und in Kiew Gehör findet. Kandidaten gibt es, Namen wurden genannt. Von Angela Merkel über Mario Draghi bis hin zum finnischen Staatschef Alexander Stubb. Doch die EU setzt auf ein weiter so, auf Sanktionen und harsche Worte gen Moskau. Das hat in den vergangenen vier Jahren schon nicht viel gebracht. Daran wird sich nun auch nichts ändern.
