Kommentar: Kreml nicht mehr siegesgewiss

Kommentar: Kreml nicht mehr siegesgewiss

Von Stefan Kegel

Bislang konnte man sich als westlicher Politiker oder Diplomat in Kiew einigermaßen sicher fühlen. Es gab bei offiziellen Besuchen zwar hin und wieder Luftalarm. Doch hütete sich die russische Armee davor, ausländische Vertreter ins Visier zu nehmen. Das soll nun vorbei sein. Mit der Warnung, westliche Diplomaten sollten die Stadt schnellstmöglich verlassen, weil man nun auf Rüstungsobjekte und „Entscheidungszentren“, also Regierungsgebäude, in Kiew ziele, hat Russland eine neue Eskalationsstufe gezündet.

Deutschland und die EU-Staaten können angesichts dieser Drohungen gar nicht anders, als die russischen Botschafter einzubestellen und – bei aller Gefahr – auf der eigenen Präsenz in Kiew zu bestehen. Denn Russlands Truppen stehen mitnichten vor Kiew. Vielmehr sollen ihre Raketen Angst und Schrecken verbreiten. Zurückzuweichen hat Terror noch selten Einhalt geboten.

Die Drohungen und Angriffe Russlands machen deutlich, wie sehr die Siegesgewissheit des Kremls zuletzt gelitten hat. Es gibt keine Geländegewinne an der Front mehr, ukrainische Geschosse sind tief auf russisches Gebiet vorgedrungen und sogar in Moskau eingeschlagen. Obendrein kann die Ukraine auf den 90-Milliarden-Kredit der EU hoffen, der ihr in diesem Jahr 30 Milliarden Euro für Waffen sichert. Ob der Krieg nun in eine neue Phase tritt, lässt sich nicht seriös sagen. Aber Kriegsherr Wladimir Putin scheint sich in die Enge getrieben zu fühlen.

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Erstellt:
27. Mai 2026, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
28. Mai 2026, 00:01 Uhr

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