Kommentar: Lehren aus dem Fall Reutlingen
Kommentar: Lehren aus dem Fall Reutlingen
Von Annika Grah
Es ist nicht so, als hätten Fachleute dieses Szenario nicht vorhergesehen. Schon nach Beginn des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine gab sich die Öffentlichkeit Schreckensbildern vom Blackout hin. Nun zeigt sich: Die Sorgen waren berechtigt. Der Stromausfall in Reutlingen führt vor Augen, wie verletzbar unsere Gesellschaft an der Stelle ist. Kein Strom heißt: kein warmes Wasser, kein Handyempfang, keine Kühlung für Lebensmittel und Medikamente. Geldautomaten funktionieren ebenso wenig wie Teile des Nahverkehrs.
Der Fall Reutlingen zeigt, wie es um die Vorbereitung des Landes auf eine solche Situation tatsächlich bestellt ist. Kritische Infrastruktur wie das Krankenhaus war schnell wieder versorgt. Viele Haushalte waren nur kurzzeitig ohne Strom. Im Vergleich zum tagelangen Ausfall in Berlin im Winter wirkte die Lage entspannt – was vor allem an den milden Temperaturen gelegen haben dürfte. Das Land muss sich dennoch fragen, ob es sich nicht besser auf Attacken vorbereiten muss. Das gilt für Betreiber kritischer Infrastruktur ebenso wie für die Landespolitik.
Nicht zuletzt muss sich jeder Einzelne fragen, wie gut er auf den Ernstfall vorbereitet ist. Manch einer hält Tipps, sich Powerbanks, Trinkwasser und Lebensmittelvorräte zuzulegen, für überzogen. In Reutlingen und Umgebung dürften sich für diejenigen, die entsprechende Vorkehrungen getroffen hatten, diese nun mehr als ausgezahlt haben.
