Kommentar: Solider Bauplan
Kommentar: Solider Bauplan
Von Tobias Heimbach
Auf diese Vorschläge hat das politische Berlin gespannt gewartet: die Ideen der Rentenkommission. Offiziell liegen sie nicht vor, doch der Inhalt ist bekannt – und überrascht durchaus positiv. Der Einstieg in eine Kapitaldeckung ist überfällig, ebenso die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Die „Rente mit 63“ soll auch abgeschafft werden. Sie verschärft das Problem des Fachkräftemangels und wurde ohnehin selten von denen in Anspruch genommen, für die sie gedacht war: Menschen in körperlich belastenden Berufen wie dem Handwerk oder der Pflege.
Doch bei den Vorschlägen gibt es auch Schattenseiten: Dass die Mütterrente nicht angetastet werden soll, ist eine Fehlentscheidung. Zudem soll der Nachhaltigkeitsfaktor erst 2032 wieder greifen. Dieser setzt für die Berechnung des Rentenanstiegs, Beitragszahler und Rentenempfänger ins Verhältnis. Dennoch: Unter dem Strich sind die Ideen der Kommission durchaus vielversprechend. Die Zumutungen für Union und SPD halten sich die Waage. Das steigert die Chancen, dass die Koalition tatsächlich etwas davon umsetzt. Denn das Rentensystem gleicht einer Autobahn, die auf eine Schlucht mit baufälliger Brücke zuführt. Es braucht entschlossene Reformen, um sie wieder zu stabilisieren. Das ist nun Aufgabe der Koalition. Die Kommission hat einen Bauplan geliefert – umsetzen müssen ihn nun Merz, Klingbeil und Co. Je schneller, desto besser.
