Nach Einigung in Neustadt
Mahle-Führung kritisiert Streik wegen Standortschließung
Die Mahle-Führung übt scharfe Kritik am beendeten Streik der IG Metall im Werk Neustadt an der Donau. Zugleich zeigt sich, in welchem Ausmaß viele Beschäftigte davon profitieren.
© Sven Hoppe/dpa
Insgesamt acht Tage währte der Streik bei Mahle in Neustadt an der Donau – nun wird wieder gearbeitet.
Von Matthias Schiermeyer
Die Mitglieder der IG Metall bei Mahle im bayerischen Neustadt an der Donau haben in einer zweiten Urabstimmung „mit deutlicher Mehrheit“, wie es heißt, dem Verhandlungsergebnis mit dem Unternehmen zugestimmt. Damit tritt der am vorigen Freitag vereinbarte Sozialtarifvertrag für das Werk, das im ersten Quartal 2027 geschlossen werden soll, nun in Kraft. Vorausgegangen war achttägige Arbeitsniederlegungen – der erste Erzwingungsstreik in der gut 100-jährigen Firmengeschichte.
Abfindungen im Umfang bis zu 250 000 Euro
Verglichen mit der Ausgangsplanung habe sie „ein Vielfaches an finanzieller Absicherung durchgesetzt“, betont die Gewerkschaft. Der Vertrag umfasse deutlich verbesserte Abfindungsregelungen im Umfang bis zu 250 000 Euro. Vereinbart wurde auch ein hoher Mitgliederbonus im Gesamtvolumen von 3,25 Millionen Euro allein für IG-Metall-Angehörige – die individuelle Höhe richtet sich nach der Dauer der Mitgliedschaft.
Darüber hinaus wurden ein Härtefallfonds und eine Transfergesellschaft mit Rechtsanspruch vereinbart. Das Transferkurzarbeitergeld wird auf 80 Prozent des letzten Nettoentgelts aufgestockt. Alternativ zur Abfindung wird ein gleitender Übergang in die Rente vom 60. Lebensjahr an mit einem finanziellen Ausgleich ermöglicht.
Nach Angaben der Unternehmensführung „mussten beide Seiten Zugeständnisse machen“. Wichtig sei, „dass die Belegschaft in Neustadt die von Beginn an zugesagte sozialverträgliche Lösung erhalten und die Produktion im Werk wieder beginnen kann“. Damit sei „die Lieferfähigkeit gegenüber unseren Kunden auch in den kommenden Monaten bis zum Auslauf sichergestellt“. sagte eine Sprecherin unserer Zeitung.
„Diese Herangehensweise gilt es künftig zu berücksichtigen“
Scharfe Kritik wird am Streik geübt: Das Stiftungsunternehmen habe „notwendige Restrukturierungen und unvermeidbare Werkschließungen in der Vergangenheit immer im Rahmen konstruktiver Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern ohne Arbeitsniederlegungen sozialverträglich umgesetzt“, heißt es. „Wir halten diese neue Herangehensweise, welche es bei künftigen Entscheidungen mit zu berücksichtigen gilt, gerade in der aktuellen Lage des Standorts Deutschland für unangemessen und mit Blick auf dessen Wettbewerbsfähigkeit für kontraproduktiv“, lautet die Warnung.
