Frauenkarriere bei Fischer

Mit 28 Jahren weltweit auf Großbaustellen unterwegs

Mit 25 Jahren Teamleiterin, mit 28 weltweit auf Großbaustellen unterwegs: Lorena Brandt leitet beim Schwarzwälder Befestigungsspezialisten Fischer den globalen Brandschutz.

Lorena Brandt leitet den Brandschutz beim Schwarzwälder Befestigungsspezialisten Fischer und ist weltweit unterwegs - hier auf einer Großbaustelle im brasilianischen São Paulo.

© Fischer

Lorena Brandt leitet den Brandschutz beim Schwarzwälder Befestigungsspezialisten Fischer und ist weltweit unterwegs - hier auf einer Großbaustelle im brasilianischen São Paulo.

Von Imelda Flaig

Wenn Lorena Brandt an ihre Anfangszeit beim Befestigungsspezialisten Fischer in Waldachtal denkt, muss sie schmunzeln. „Ich bin durch die Städte gelaufen und hab mir Fassaden angeschaut – wie könnten die befestigt worden sein, was steckt dahinter? So was wie eine Berufskrankheit“, sagt sie und grinst.

Fassadensysteme waren schließlich ihre erste Station als sie bei Fischer eingestiegen ist. Mittlerweile leitet die Wirtschaftsingenieurin das Team Brandschutz bei Fischer und ist als Führungskraft weltweit auf Großbaustellen unterwegs - keine Selbstverständlichkeit für eine 28-Jährige in einer Männerdomäne.

Ihr Blick wandert in Tiefgaragen zu Leitungen

Von Karriere will Brandt aber nicht sprechen. „Ich hatte keinen Plan, dass ich nach bestimmten Jahren eine bestimmte Position erreichen will“, sagt sie und redet lieber von Chancen nutzen. „Ich bin offen – ohne Scheuklappen und es hat einfach gepasst.“ Apropos Berufskrankheit: in Tiefgaragen wandert ihr Blick meist zu den Leitungen und Abschottungen - einer der wenigen Orte, wo der Brandschutz sichtbar sei, sagt Brandt.

Wenn sie über ihren Job redet, klingt Begeisterung mit. Nicht nur wegen der technischen Herausforderungen, auch wegen der Geschäftsreisen. Beruflich rumgekommen ist sie schon viel, etwa auf Baustellen in Brasilien, Argentinien, Dubai, Saudi-Arabien, China oder beispielsweise Indien. „Das sei spannend, vor allem auch die Kultur und das Essen“, meint sie, auch wenn sie mitunter das heimische Vollkornbrot vermisst, wie sie verrät. Im Team wechselt man sich freilich bei den Reisen ab, „damit jeder auch mal diese Perspektive von außen bekommt“, sagt Brandt.

Das Familienunternehmen mit weltweit rund 4800 Beschäftigten, das vor allem für Dübel bekannt ist und gut eine Milliarde Euro Umsatz ausweist, ist bei Großprojekten rund um den Globus im Boot. Wo gebaut wird, ist auch Know how von Fischer im Spiel, egal ob es um Befestigung, Material oder Brandschutz geht – sei es am Flughafen in Istanbul (Türkei) oder Mumbai (Indien), im Krankenhaus in Mexiko-Stadt oder dem dortigen Aztekenstation, wo das Eröffnungsspiel der Fußball-WM stattfand, bei der Metro im saudi-arabischen Riad, beim höchsten Gebäude Brasiliens (Yachthouse Balneário Camboriú) oder beim Bau des Jeddah Tower in Saudi-Arabien, der mit mehr als einem Kilometer Höhe das höchste Gebäude der Welt werden soll.

Brandschutz sei ein Markt der global wachse, weil das Bewusstsein dafür steige und die Regularien strenger würden, sagt Lorena Brandt. Auch die Standards steigen. Da habe sich in den letzten Jahren viel getan. Man spüre, dass Brandschutz „leider ein tragedy driven market“ sei – also ein von Tragödien getriebener Markt, will heißen: Erst wenn etwas passiert ist – es zu einer Brandkatastrophe kam – steigt das Bewusstsein für die Notwendigkeit von korrekt ausgeführten Brandschutzmaßnahmen.

Wenn Lorena Brandt von Brandschutz redet, meint sie passiven Brandschutz, vieles was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist – anders wie etwa Sprinkleranlagen, Rauschmelder oder Feuerlöscher. Passiver Brandschutz sei in die bauliche Struktur des Gebäudes integriert. Da geht es beispielsweise um brandsichere Abdichtungen oder Abschottungen für Kabel und Rohre. Wenn ein Plastikrohr verbrenne, bleibe ein Loch, durch das sich Feuer oder Rauch verbreiten könne, nennt sie ein Beispiel. „Im Brandfall geht es im Zweifel um Leben und Tod“, sagt sie. Oftmals werde Brandschutz auch erst sehr spät bedacht. Eine frühzeitige Planung helfe enorm, wenn alles in Beton gegossen sei, werde es schwieriger.

Präsenz auf den Baustellen ist wichtig, nicht nur durch die Vertriebsgesellschaften vor Ort. Bei Baustellenbesuchen geht es entsprechend um viele Themen. Wie wurden die Produkte verbaut, ist alles im richtigen Stockwerk verlegt, stimmen die Zulassungen überein, fehlt Material, weil es Probleme mit den Lieferketten gibt, wie sind die Abläufe? Vor Ort bekomme man relativ schnell einen Einblick. Es sei spannend, zumal es unterschiedliche Levels in den verschiedenen Ländern und individuelle Anforderungen auf den Baustellen gebe.

„Wenn man Glück hat, funktioniert auch der Baustellenaufzug“, sagt Brandt. „Wir sind aber auch schon in den 16. Stock über die Treppe gelaufen und das bei 35 Grad“, plaudert sie aus den Nähkästchen. „Eines ist aber auf allen Baustellen gleich. Es gibt ein Büro im Baustellencontainer mit viel künstlichen Licht und meist schlechtem Kaffee“, sagt sie mit einem Schmunzeln.

Schon früh Auslandserfahrung gesammelt

Die Technik war der jungen Frau nicht unbedingt in die Wiege gelegt. „Wenn man mich in der 10. Klasse gefragt hätte, ob ich was Technisches machen will, hätte ich wahrscheinlich nein geantwortet“, sagt sie lachend. In der Oberstufe, als sie Physik als Leistungskurs gewählt hat, war die Richtung dann klar. Die gebürtige Schwarzwälderin hat sich fürs DH-Studium Wirtschaftsingenieurwesen entscheiden. Die Kombination von Technik und Wirtschaft sowie von Theorie und Praxis hat sie fasziniert. Sie hat schon frühzeitig Auslandserfahrung gesammelt – ein Theoriesemester in England über die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und praktische Erfahrung als DH-Studentin bei Fischer in den USA.

Sie ist niemand, die sich bei Fischer in den Vordergrund drängt

Schon während des Studiums hat sie bei dem Befestigungsspezialisten verschiedene Abteilungen kennengelernt - von der Entwicklung über Produktion und Produktmanagement bis zum Vertrieb. Das helfe nicht nur fachlich und um Zusammenhänge im Unternehmen zu verstehen, sondern auch beim Aufbau eines Grundnetzwerks. „Wenn man Leute kennt, kann man die eben auch mal schnell anrufen“, sagt sie.

Nach dem Bachelorabschluss hat Brandt neben ihrem Vollzeitjob bei Fischer noch den Master beim DHBW CAS am Bildungscampus in Heilbronn gemacht. „Das war nicht ohne, für Freizeit blieb nicht viel Zeit“, meint sie rückblickend, würde es aber wieder so machen. Mit 25 Jahren wurde sie Teamleiterin.

Brandt ist eine, die sich nicht in den Vordergrund drängt. Sich selbst bezeichnet die Schwarzwälderin als natur- und heimatverbunden. Kompetenz und Leistung sind ihr wichtig. „Ich glaube aber, dass es in der heutigen Zeit sehr wichtig ist, dass es innerhalb des Teams verschiedene Experten gibt, die dann gemeinsam zu einer Lösung kommen. Wir sind aus der Führungs-Ära raus, in der eine Führungskraft die fachlich kompetenteste Person im Raum sein muss. Das ist auch gut“, sagt die Frau, die auch nichts davon hält zwischen alt und jung zu differenzieren. Es komme auf die Leistung und Motivation, findet sie.

Und wie sieht der nächste Karriereschritt aus? „Da hab ich keinen Druck, im Moment passt es für mich“, sagt die junge Frau, die in ihrer Freizeit gerne reitet und Flag-Football im Verein spielt. Da ähnelt dem American Football – nur ohne Körperkontakt, dafür mit Flaggengürtel. „Da bin ich in so einer Randsportart drin, die mir viel Spaß macht“, meint sie, denn die Sportart ist eher unbekannt, wird aber 2028 offiziell ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen.

Zum Artikel

Erstellt:
14. Juni 2026, 07:08 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen