Moritz Bochum: Von der Landesliga ins US-Nationalteam?

Es ist durchaus möglich, dass die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang nach Elias Newel bald einen weiteren Juniorennationalspieler stellen. Der 18-jährige Torwart der zweiten Mannschaft hat bei einem Lehrgang seines Geburtslands auf sich aufmerksam gemacht.

HCOB-Landesliga-Torhüter Moritz Bochum ist guter Dinge, bald auch im US-Trikot jubeln zu können. Foto: Alexander Hornauer

© Alexander Hornauer

HCOB-Landesliga-Torhüter Moritz Bochum ist guter Dinge, bald auch im US-Trikot jubeln zu können. Foto: Alexander Hornauer

Von Alexander Hornauer

Woran liegt es, dass ein 18-jähriger Marbacher plötzlich von Länderspielen im US-Trikot träumen kann? Zunächst einmal daran, dass er neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, weil „meine Eltern zum Arbeiten in die USA gezogen sind und ich dort geboren wurde“. Es ging aber schon zurück in die Heimat, als der kleine Moritz erst ein halbes Jahr alt war. Seither lebt die Familie in der Stadt am Neckar. Der Torhüter, der auch als Schiedsrichter im Einsatz ist, spielte für die HSG Marbach/Rielingshausen und wechselte im Vorjahr ins Murrtal. Beim HC Oppenweiler/ Backnang war er bis vor einer Woche sogar doppelt gefordert: zum einen in der A-Jugend, die ihre Saison in der Württembergliga nun beendet hat, zum anderen im Landesliga-Team, in dem er sich den Platz zwischen den Pfosten mit Adrian Zügel teilt.

Der Gedanke ans US-Nationalteam entsprang einer humorvollen Bemerkung, erzählt Moritz Bochum: „Meine Eltern haben gesagt, dass die Chancen für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen am besten stehen, wenn ich für Amerika auflaufe.“ Die US-Boys sind automatisch qualifiziert, wenn Los Angeles 2028 der Ausrichter ist. Zuletzt hatten sie 1996 im Zeichen der Ringe mitmischen dürfen, auch damals aufgrund des Heimvorteils in Atlanta. 2023 löste die A-Nationalmannschaft mit einem Sieg gegen Grönland immerhin das WM-Ticket und belegte nach den Erfolgen gegen Marokko und Belgien Platz 20 unter 32 Nationen. Vielleicht war’s der Vorbote eines Aufschwungs, da der Weltverband den USA als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in vier Jahren jeweils eine Wildcard für die nächsten Weltmeisterschaften zugesprochen hat, die 2025 in Kroatien, Dänemark und Norwegen sowie 2027 in Deutschland stattfinden.

Ein Video mit persönlichen Highlights eingeschickt und die Einladung erhalten

Jedenfalls griff Moritz Bochum den Impuls seiner Eltern auf. Er schaute sich vergangenen Sommer einige Partien der Amerikaner bei der U-21-WM an, als sie in Deutschland gegen Polen (22:47), Frankreich (17:45) und Kroatien (23:48) böse Klatschen kassierten und erst in der Platzierungsrunde gegen Algerien (23:23) und Libyen (25:24) ihre Achtungserfolge feierten. Seine Erkenntnis: „Da könnte ich vom Niveau her auch mitspielen.“ Als Moritz Bochum bei Instagram auf einen Aufruf stieß, dass es einen Lehrgang für die Jahrgänge 2004 bis 2008 geben würde, nahm er Kontakt zum US-Verband auf: „Ich sollte ein Video mit Highlights einschicken. Zwei Wochen später kamen die Rückmeldung und die Einladung.“ Der Keeper freute sich, dann packte er seinen Koffer.

In Montpellier trafen sich Sportler aus unterschiedlichsten Ländern, die zwei Gemeinsamkeiten haben: die amerikanische Staatsbürgerschaft und Talent für Handball. „Es ging darum, den Leistungsstand der einzelnen Spieler zu ermitteln und ein Team zu bilden“, berichtet Moritz Bochum, der die Zeit in Südfrankreich genossen hat: „Es war ein Traum, mal eine Woche unter solch professionellen Bedingungen spielen zu können.“ Die Handballer durften die Räumlichkeiten und Einrichtungen des französischen Rekordmeisters Montpellier HB nutzen.

Nun möchte der HCOB-Torwart weitere Erlebnisse dieser Art sammeln. Natürlich: Die Olympischen Spiele sind noch weit weg. Das IHF-Trophy-Turnier am Ende des Jahres in Mexiko, ein Format für handballerische Entwicklungsländer, ist für Moritz Bochum aber durchaus einen Blick wert: „Ich weiß zwar noch nicht, ob ich im Kader stehe, aber ich hoffe es natürlich – und ich denke, meine Chancen stehen gut.“

Ein Ex-TVO-Torwart hoffte mit Großbritannien auf Olympia

Nationalteam Craig Tigges, langjähriger Keeper des TV Oppenweiler II und heute Moderator bei Liveübertragungen der HCOB-Heimspiele, mischte einst bereits in einer Truppe mit olympischer Perspektive mit. Er bestritt Länderspiele für Großbritannien, als der Gastgeber ein Team für die Spiele 2012 in London aufbaute. Als mit dem nahenden Turnier immer mehr Sportler ihren Stammbaum auf britische Vorfahren scannten, fanden sich aber doch Profitorhüter aus Skandinavien, die dann nominiert wurden.

Vereinsspiele Berührungspunkte mit amerikanischem Handball hatten bereits andere HCOB-Akteure (wir berichteten). Felix Raff spielte im November 2023 beim IHF Super Globe und damit bei der Vereins-WM für die San Francisco Calheats. Dasselbe Trikot trugen vorher auch schon Florian und Philipp Schöbinger. HCOB-Jugendtrainer Tobias Mühlpointner spielte während seines Studiums für die Cheam Chargers und Chessington VC.

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Erstellt:
26. März 2024, 15:30 Uhr

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