Frisst Zombiepilze aus Ameisen
Neu entdeckter Hyper-Parasit befällt Parasiten
Parasiten sind Lebewesen, die auf Kosten anderer leben. Ein Forscherteam entdeckt auf Borneo einen besonderen Vertreter dieser Art. Es handelt sich um einen spezialisierten Hyperparasiten, der andere Parasiten als Nahrungsquelle nutzt.
© Elyse Yang / Universiti Malaysia Sabah / AFP
Die neuentdeckte Hyperparasitenart Pleurocordyceps cornusynnemata ist nach ihren auffälligen hornförmigen Strukturen benannt, hier zu sehen, wie sie auf einer toten Ameise wächst.
Von Markus Brauer/AFP
Malaysische Wissenschaftler haben im Dschungel auf der Insel Borneo eine neue Parasiten-Art entdeckt, die andere Parasiten befällt.
Parasitisch lebender Pilz
Wie das Institut für Tropenbiologie und Naturschutz der Universität Malaysia Sabah in Kuala Lumpur mitteilt, handelt es sich um einen parasitisch lebenden Pilz, der sich selbst von sogenannten Zombiepilzen ernährt. Zombiepilze steuern das Verhalten befallener Insekten, bis diese grausam verenden.
Parasiten, die andere Parasiten befallen, werden in der Biologie als Hyperparasiten bezeichnet. Die neu entdeckte Pilzart „gehört der Gattung Pleurocordyceps an und ist ein spezialisierter Hyperparasit“, sagt der stellvertretende Institutsleiter Jaya Seelan Sathiya Seelan.
Gefräßiges Insekt aus den Tropen
Er befällt Ameisen, die bereits von einem Pilz der Gattung Ophiocordyceps, einem Zombiepilz, befallen sind. Dieser manipuliert das Nervensystem der befallenen Ameise, steuert ihr Verhalten, frisst sie von innen auf und bricht schließlich aus ihrem Kadaver hervor.
Der neu entdeckte Pilz Pleurocordyceps cornusynnemata, der nach seiner hornförmigen Struktur benannt wurde, ernähre sich nicht von der Ameise, sondern direkt vom sich ausbreitenden Ophiocordyceps-Gewebe in dem Insekt, erläutert Seelan.
Gefunden wurde er in einer toten Ameise, welche die Biologen im abgelegenen Danum-Tal im Bundesstaat Sabah im malaysischen Teil von Borneo aufgesammelt hatten.
Bei ihren Dschungel-Exkursionen entdeckten die Biologen, die ihren Fund im Fachmagazin „Phytotaxa“ beschrieben haben, außerdem einen Pilz, der Spinnen tötet. Die Wissenschaftler sehen in den Parasiten enormes Potenzial, etwa bei der Entwicklung antimikrobieller Medikamente oder als biologische Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft.
Parasitologie: Nichts für schwache Nerven
Zombiepilze und Hyperparasiten sind Ausnahme im wunderbaren Reich der Natur. Im Laufe der Evolution haben zahlreiche Organismen besonders raffinierte Verbreitungsstrategien entwickelt: Sie wurden zu Neuroparasiten. Diese entwickeln sich in einem Tier und beeinflussen dabei sein Verhalten zu ihrem eigenen Vorteil, was in der Regel zum Tod des Wirtes führt.
Parasiten gibt es nicht nur im Pflanzen- und Tierreich. In der Humanmedizin beschäftigt sich die Parasitologie mit der Prophylaxe (vorbeugenden Maßnahmen), Diagnostik (Bestimmung körperlicher oder psychischen Krankheiten) sowie Therapie (Behandlung von Behinderungen, Krankheiten und Verletzungen) parasitärer Erkrankungen.
Zombie-Pilz infiltriert Geist von Fliegen
Prinzipiell können Neuroparasiten wie Ophiocordyceps auch Menschen befallen. Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand gilt das aber als äußerst unwahrscheinlich. Denn der Pilz hat mehrere Millionen Jahre der Evolution gebraucht, allein um eine einzige Ameisenart zu infizieren und sich auf diese zu spezialisieren.
Derzeit sind rund 35 Ophiocordyceps-Pilzarten bekannt, die alle verschiedene Insekten quasi in Zombies verwandeln. Forscher gehen indes davon aus, dass es weit mehr als 600 Mutationen gibt.
