Schwarzes Gold im Zwielicht
Verbotene Pestizide belasten Kaffee und Arbeiter massiv
Gift in jeder fünften Tasse Kaffee: Eine Analyse deckt auf, wie belastet der Kaffee hierzulande ist. Beim Anbau kommen demnach besonders viele Pestizide zum Einsatz. Es drohen gesundheitliche Folgen.
© mago/Xinhua
Kaffeeernte in Ruiru in Kenia.
Von KNA/Markus Brauer
Laut einer Untersuchung ist konventioneller Kaffee hierzulande in vielen Fällen mit in der Europäischen Union verbotenen Pestiziden belastet.
Insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe würden in der Kaffeeproduktion eingesetzt, 59 Prozent davon seien in der EU verboten, stellt ein am Donnerstag (25. Juni) von Deutscher Umwelthilfe, Coffee Watch, dem Inkota-Netzwerk und dem Pesticide Action Network UK veröffentlichter Bericht fest.
Konventioneller #Kaffee ist mit hochgiftigen #Pestiziden belastet. Neuer Bericht belegt: Insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe werden in Kaffeeproduktion eingesetzt, 59 Prozent davon in EU verboten. Wir fordern sofortigen Stopp der in EU verbotenen Pestizide! https://t.co/FnDuatQnGi — Deutsche Umwelthilfe (@Umwelthilfe) June 25, 2026
Das ist Umweltungerechtigkeit und ein Menschenrechtsproblem“
Die Substanzen kommen demnach vor allem in Anbauländern zum Einsatz und gefährden dort Mensch und Natur. Über globale Lieferketten gelangten sie schließlich auch nach Deutschland.
So enthalte im Schnitt etwa jede fünfte Tasse Kaffee giftige Pestizidrückstände. Die eingesetzten Mittel stehen laut Bericht nachweislich im Zusammenhang mit Gesundheitsschäden wie Krebs oder Fortpflanzungsproblemen.
Die Hauptautorin des Berichts, Silke Bollmohr, kritisiert eine Doppelmoral in der Kaffeebranche. In der EU als gefährlich eingestufte Pestizide würden in Anbauländer exportiert und dort zu geringeren Standards eingesetzt. „Das ist Umweltungerechtigkeit und ein Menschenrechtsproblem“, erklärt die Inkota-Referentin für Welternährung und globale Landwirtschaft.
Pestizideinsatz in mehreren Ländern
Der Bericht fasst wissenschaftliche Literatur, öffentliche Daten und Feldforschung aus Brasilien, Vietnam, Kenia, Kolumbien und weiteren Anbaugebieten zusammen:
- Allein in Brasilien wurden demnach im Jahr 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im Kaffeeanbau eingesetzt und damit mehr als beim Anbau von Mais oder Soja.
- In Vietnam habe sich der Pestizideinsatz in 25 Jahren mehr als verdreifacht.
- In Kenia entfielen 27 Prozent des gesamten Pestizideinsatzes auf Kaffee, obwohl dieser weniger als 1 Prozent der Anbaufläche im Land einnehme.
„Der Schaden, der durch hochgiftige Pestizide im Kaffeeanbau für Mensch und Natur entsteht, ist katastrophal“, konstatiert die Bereichsleiterin Naturschutz und Biologische Vielfalt der Deutschen Umwelthilfe, Svane Bender.
„Wir fordern, dass der Export von Pestiziden, die hierzulande verboten sind, schnellstmöglich gestoppt wird.“ Deutsche Unternehmen müssten Landwirte in den Anbaugebieten beim pestizidfreien und nachhaltigen Umbau ihrer Plantagen unterstützen.
