Edelmetalle
Warum fällt der Goldpreis? - Das steckt dahinter
Der Goldpreis ist zum ersten Mal in diesem Jahr wieder unter die 4.000-Dollar-Marke gefallen. Warum das Edelmetall aktuell wieder unter Druck steht?
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Warum Gold und Silber plötzlich unter Druck geraten, welche Rolle Dollar und Zinsen dabei spielen und was das jetzt für Anleger bedeuten könnte.
Von Matthias Kemter
Gold gilt vielen Anlegern als sicherer Hafen. In Krisenzeiten, bei hoher Inflation oder nervösen Börsen steigt häufig die Nachfrage nach dem Edelmetall. Doch derzeit zeigt sich. Auch Gold ist nicht vor deutlichen Preisschwankungen geschützt. Der Preis ist zuletzt spürbar unter Druck geraten. Am Mittwoch fiel der Goldpreis erstmals seit mehr als einem halben Jahr unter die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze. In London wurde eine Feinunze, also rund 31,1 Gramm, am Nachmittag bei rund 3.960 US-Dollar gehandelt. Das waren 240 Dollar weniger als zum Wochenbeginn.
Starker Dollar belastet den Goldpreis
Ein wichtiger Grund für den Rückgang ist die Stärke des US-Dollars. Die US-Währung hat zuletzt gegenüber anderen wichtigen Währungen zugelegt. Der Euro fiel am Mittwoch zeitweise auf 1,1325 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Für den Goldpreis ist das entscheidend, weil Gold international in Dollar gehandelt wird. Wird der Dollar stärker, wird Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer. Das kann die Nachfrage bremsen und damit den Preis belasten. Der jüngste Preisrückgang ist deshalb nicht nur eine Bewegung am Goldmarkt selbst, sondern Teil einer größeren Verschiebung an den Finanzmärkten.
Zinserwartungen setzen Gold zusätzlich unter Druck
Noch wichtiger ist die veränderte Erwartung an die Geldpolitik in den USA. An den Finanzmärkten wird wieder stärker damit gerechnet, dass die US-Notenbank die Zinsen länger hochhalten oder im weiteren Jahresverlauf sogar noch einmal erhöhen könnte. Auslöser dafür waren Äußerungen von US-Notenbankchef Kevin Warsh. Er hatte bei seinem ersten Auftritt als Vorsitzender der Fed die Bedeutung der Preisstabilität besonders betont. Die Märkte deuten dies als Hinweis darauf, dass die Notenbank im Kampf gegen Inflation nicht vorschnell lockern dürfte. Für Gold ist ein solches Umfeld ungünstig. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Es gibt keine Zinsen und keine Dividenden. Wenn Anleihen, Tagesgeld oder andere verzinsliche Anlagen attraktiver werden, verliert Gold im Vergleich an Reiz.
Auch die Schmucknachfrage schwächelt
Ein weiterer Faktor ist die nachlassende Nachfrage nach Schmuck. Im ersten Quartal 2026 brach die weltweite Goldnachfrage im Schmuckbereich um mehr als 23 Prozent ein. Der Grund liegt nahe. Nach dem starken Preisanstieg war Gold für viele Käufer schlicht zu teuer geworden. Das ist vor allem deshalb relevant, weil Schmuck ein wichtiger Teil der physischen Goldnachfrage ist. Wenn private Käufer zurückhaltender werden, kann das den Markt zusätzlich belasten. Der hohe Preis, der Gold zunächst attraktiv erscheinen ließ, wird damit selbst zum Problem für die Nachfrage.
Banken werden vorsichtiger
Auch einige Banken haben ihre Erwartungen angepasst. Die Deutsche Bank senkte ihre Goldprognosen um bis zu 22 Prozent. Für das dritte Quartal rechnet sie nun mit 4.300 Dollar je Feinunze, für das vierte Quartal mit 4.800 Dollar. Auch Goldman Sachs kappte seine Prognose für das Jahresende um 500 Dollar auf 4.900 Dollar. Diese Werte liegen zwar weiterhin über dem zuletzt genannten Marktpreis. Die Korrektur der Prognosen zeigt aber, dass selbst optimistische Erwartungen vorsichtiger geworden sind. Der Markt rechnet nicht mehr selbstverständlich mit immer neuen Rekordständen.
Silber gerät ebenfalls unter Druck
Der Druck beschränkt sich nicht nur auf Gold. Auch Silber verlor zuletzt deutlich an Wert. Eine Feinunze Silber wurde am Mittwoch bei rund 58 Dollar gehandelt und lag damit rund fünf Prozent niedriger als am Vortag. Seit Monatsbeginn hat Silber bereits mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Das zeigt, dass der Rückgang nicht allein goldspezifisch ist. Vielmehr geraten Edelmetalle insgesamt unter Druck, weil sich die Erwartungen an Dollar, Zinsen und Inflation verändert haben.
